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20.01.2003

09:09 Uhr

Versicherungskonzern rutscht in die roten Zahlen

AMB will an Commerzbank festhalten

Obwohl die Abschreibung auf die Commerzbank - Beteiligung die AMB Generali Holding AG 2002 in die roten Zahlen gedrückt hat, will der drittgrößte Erstversicherer Deutschlands an der Kooperation mit der Bank festhalten. Das sagte Dietmar Meister, Finanzvorstand der AMB Generali Holding dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF/MAILAND. Am Freitag hatte der Konzern, der zum italienischen Versicherungsriesen Generali gehört, mitgeteilt, dass die AMB das vergangene Jahr mit einem Verlust abschließen wird. Der Grund: Die anhaltend schlechte Lage an den Kapitalmärkten führte im vierten Quartal zu Abschreibungen von insgesamt einer Milliarde Euro. Davon entfallen nach Angaben Meisters allein 700 Mill. Euro auf die achtprozentige Beteiligung an der Commerzbank. Weitere zwei Prozent hält die italienische Mutter Generali. Der Abschreibungsbedarf werde das IAS-Konzernergebnis voraussichtlich mit rund 190 Mill. Euro zusätzlich belastet, hieß es. Im November war die AMB noch davon ausgegangen, das Jahr 2002 mit einem kleinen Gewinn abschließen zu können. Dies glaubten bis Freitag auch die meisten Analysten.

"Wir haben unsere Commerzbank - Aktien Ende des Jahres zu einem Kurs von 7,45 Euro abgeschrieben", erklärte Meister. Diesen Schritt begründete er auch mit den strengeren Bilanzierungsrichtlinien nach IAS. Demnach müssen Aktien und Beteiligungen auf den Marktwert abgeschrieben werden, wenn diese sechs Monate lang vor dem Bilanzstichtag 20 Prozent unter dem Buchwert notieren. Gestern notierte das Commerzbank - Papier bei 7,81 Euro. Gekauft hatte die AMB die Titel 2000 zu knapp 30 Euro.

Meister hält das Festhalten an der verlustreichen Beteiligung für die beste Handlungsoption. "Ein Aufstocken der Anteile kommt für uns überhaupt nicht in Frage", sagte Meister, "ein Verkauf würde jetzt auch keinen Sinn mehr machen."

Bei der Muttergesellschaft in Triest hieß es am Freitag, die Abschreibungen auf die Commerzbank - Beteiligung seien alleine auf die Anwendung der restriktiven IAS-Richtlinien zurückzuführen. Auf Konzernebene würden aber andere Bilanz-Regeln verwendet. Daher sei noch nicht entschieden, ob diese Abschreibungen auch in der konsolidierten Bilanz vorgenommen würden oder nicht.

Erstmals Strategieplan für die kommenden drei Jahre

Indikationen für das künftige Verhältnis zwischen Generali und Commerzbank erwarten Marktteilnehmer am kommenden Mittwoch. Dann wird der zweitgrößte Versicherer in Europa erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Strategieplan für die kommenden drei Jahre vorlegen.

AMB-Finanzchef Meister räumte ein, dass der Vertrieb von Versicherungsprodukten über die Bankschalter der Commerzbank im vergangenen Jahr "unter den Planvorgaben" lag. Nach Angaben von AMB Generali verkauften die Bankangestellten Lebensversicherungen mit einer Beitragssumme von rund 500 Mill. Euro - damit erreicht der Absatz lediglich das Niveau aus dem Startjahr der Zusammenarbeit 2001. "Im schwierigen Bankenjahr hat die Commerzbank wohl mehr mit sich selbst zu tun gehabt", sagte Meister.

Anders sieht dies die Commerzbank: "Die Kooperation mit Generali läuft aus unserer Sicht gut,"sagte ein Sprecher der Commerzbank, 2002 sei gar eine "nennenswerte Verbesserung" gegenüber dem Vorjahr erreicht worden. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich an der Kooperation oder an der Höhe des Generali-Anteils an der Commerzbank etwas ändern wird," sagte der Sprecher.

Trotz der Abschreibungen in Millionenhöhe will die AMB ihren Aktionären wie im Vorjahr eine Dividende von 1,35 Euro zahlen. Besser als die Kapitalanlagen läuft bei der AMB Generali das Versicherungsgeschäft. 2002 stiegen die Prämieneinnahmen um 4,1 Prozent auf 11,6 Mrd. Euro (Markt: vier Prozent). Nach der Verlustankündigung verlor nicht nur die AMB-Aktie (minus 3,6 Prozent), auch die Allianz (minus 5,2 Prozent) und die Münchener Rück (minus drei Prozent) gaben ab. "Die AMB-Aktie sollte mittelfristig davon profitieren, dass das Management jetzt reinen Tisch gemacht hat", sagte Volker Kudszus, Analyst der WestLB Panmure. Er beließ sein Anlageurteil bei "neutral".

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