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16.01.2001

21:04 Uhr

Versorger wollen verstärkt in ihre E-Commerce-Aktivitäten investieren

Unter Strom: Energiemarkt im Internet

VonMartin Bünnagel (Handelsblatt.com)

Der Tarifwirrwar der Energieversorger ist die große Chance für die Etablierung internetbasierter Handelsplattformen. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Mummert und Partner sehen denn auch vier von fünf Versorgungsunternehmen für die Zukunft einen direkten Zusammenhang zwischen ihrer Präsenz im Internet und ihrem Geschäftserfolg.

HB DÜSSELDORF. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 haben nur wenige Privathaushalte den Wechsel zu einem neuen Stromliferanten gewagt. Nur 1 bis 2 % der 48 Millionen Stromkunden in Deutschland haben nach Einschätzung der Branche bislang die Möglichkeit genutzt, auf einen günstigeren Stromversorger zu setzen. Ein Grund dafür ist der Tarifwirrwar der Energieanbieter. Genau hier liegt nach Einschätzung von Unternehmensberatungen die Chance für internetbasierte Handelsplattformen. Der Marktanalyst Datamonitor prognostiziert einen neuen Verkaufsschlager im Internet: Strom und Gas.16 % der Verbraucher in Deutschland sollen im Jahr 2004 ihren Strom bereits von Online-Anbietern beziehen.

Nach der Liberalisierung des Strommarktes wurde es für Energieverbraucher immer aufwendiger, den für sie günstigsten Anbieter zu finden. In Deutschland existieren derzeit etwa 900 verschiedene Tarifmodelle. Marktspeziell zugeschnitten bieten die Energieanbieter fein aufgegliederte Angebote für den Bedarf von Familien, Singels, Berufstätigen, Atomgegner und Wasserkraftliebhabern. Internet-Handelsplattformen von Energieanbietern und Online-Strombörsen sollen Stromkunden den Wechsel zwischen den Energieanbietern in Zukunft erleichtern.

Versorger arbeiten an weiteren Online-Serviceleistungen

Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Mummert und Partner sehen vier von fünf der im Rahmen der Studie befragten 99 Energieunternehmen für die Zukunft einen direkten Zusammenhang zwischen ihrer Präsenz im Internet und ihrem Geschäftserfolg. So werde nach Angaben der Unternehmen bereits an mehr Serviceleistungen für den Kunden gearbeitet wie zum Beispiel die Online-Zählerablesung. Darüber hinaus soll vor allem das B2B-Geschäft forciert werden. Ein Großteil der befragten Unternehmen decke im Moment durch den Internetauftritt und durch die E-Commerce-Aktivitäten nur das jeweilige Kerngeschäft ab. Einige Gesellschaften sehen hier in Zukunft Potenziale, weitere Dienstleistungen anzubieten, die um das Kerngeschäft herum konzipiert werden. Hierzu zählen die Unternehmen zum Beispiel energienahe Dienstleistungen wie die Energieberatung oder die Planung von Baumaßnahmen, die mit Strom, Gas, Wasser oder Wärme zu tun haben

Doch noch scheint sich das Chaos der Stromtarife in den Webangeboten der Energieunternehmen fortzusetzen. Aber immerhin 83 % der Verbraucher befürworten einen Online-Vertragsabschluss mit einem Energieversorger, so die Studie weiter. 11 % der Internetnutzer hätten schon einmal im Internet nach Strom- und Gasangeboten gesucht.

Vieles hänge jedoch von der Gestaltung des Webauftrittes ab. Mehr als dreiviertel der von Mummert und Partner Befragten wünschten sich mehr Dienstleistungen auf den Webseiten. Die Verbraucherwünsche blieben von vielen Gesellschaften bislang ungehört, urteilt die Unternehmensberatung. Trotz der Liberalisierung des Strommarktes könnten Verbraucher nur bei jedem zweiten Unternehmen ihren Strompreis am Computer berechnen lassen. Eine Online-Anmeldung als neuer Stromkunde sei nach wie vor bei 40 % der untersuchten Gesellschaften nicht möglich. Mit der Bewag und dem Bayernwerk seien nur zwei der namhaften Energiekonzerne unter den führenden Top 20 - die kleineren Stadtwerke wie das Münchener oder das Pinneberger machten den Großen vor, wie Kundenservice im Internet aussehen kann, so Mummert und Partner weiter.

Stadtwerke hängen regionale und überregionale Versorger beim Service ab

Beim Kundenservice für Stromverbraucher überflügeln die Stadtwerke die regionalen und überregionalen Energieversorger. Sie böten verstärkt verschiedene Tarifmodelle an, seien offener für einen Tarifwechsel und unterstützten ihre Kunden umfangreicher beim An-, Um- und Abmelden. Darüber hinaus gelänge es den Stadtwerken, ihre regionale Nähe zum Verbraucher auch im Internet auszuspielen: "Wer persönlich beraten werden möchte, findet bei zwei von drei Stadtwerken den Kontakt zum Infocenter vor Ort - bei den regionalen und überregionalen Energieversorgern ist dies nur bei jedem dritten Unternehmen möglich", sagte Mummert und Partner-Sprecher Jörg Forthmann im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Beim Verbraucherschutz gebe es hingegen quer durch die Branche erheblichen Verbesserungsbedarf im Internet. Nur jedes dritte Unternehmen verweise auf seine allgemeinen Geschäftsbedingungen in Bezug auf Onlineprodukte und-Dienstleistungen. Den erforderlichen Hinweis auf Widerruf eines Online-Geschäftes gebe es nur bei 13 % der Energieversorger und bei 3 % der Stadtwerke. Ähnlich schlecht verhalte es sich beim Datenschutz.

Auch die Reaktionen auf Kundenanfragen via E-Mail seien bislang bei den meisten Unternehmen unbefriedigend. Insgesamt hätten im Durchschnitt nur 60 % aller untersuchten Unternehmen auf fachliche Fragestellungen geantwortet. Bei den regionalen und überregionalen Versorgern habe die Antwortquote bei nur 56 % der Gesellschaften gelegen. Dafür hätten die Unternehmen im Schnitt 2,5 Tage benötigt. Mit 67 % hätten Stadtwerke zwar häufiger geantwortet; dafür benötigten sie im Schnitt jedoch vier Tage.

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