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08.01.2001

12:11 Uhr

Verteidigungsminister Scharping soll sich vor der Nato dafür stark machen

Grüne fordern Verbot uranhaltiger Munition

Die Parteispitze von Bündnis 90/Die Grünen hat Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) aufgefordert, sich in der Nato für ein Verbot uranhaltiger Munition einzusetzen. Kommentar: Nato kann EU-Sorgen nicht mehr ignorieren WHO gibt Entwarnung

Reuters BERLIN. Parteichefin Renate Künast sagte am Montag in Berlin vor einer Sitzung des Parteivorstandes weiter, ein Verbot müsse mindestens so lange gelten, bis geklärt sei, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz solcher Geschosse und Blutkrebserkrankungen bei Soldaten gebe. Sie forderte Scharping zudem auf, allen Bundeswehr-Soldaten das Angebot zu machen, sich untersuchen zu lassen.

Durch Leukämie-Erkrankungen bei mehreren Soldaten aus Nato-Staaten ist der Verdacht aufgekommen, dass die Blutkrebserkrankung möglicherweise bei einer Stationierung in Bosnien oder im Kosovo ausgelöst wurde. Dort hatten die USA im Rahmen der Nato-Einsätze panzerbrechende Munition eingesetzt, die abgereichertes Uran enthielt. Das Schwermetall ist schwach radioaktiv und um ein Vielfaches härter als Stahl. Beim Aufprall der Granaten zerstäubt das Uran in winzige Partikel, die vom Menschen eingeatmet werden können. Die USA vertreten die Auffassung, dass es keine gesundheitlichen Schäden gebe.

In der Bundeswehr war vorige Woche bekannt geworden, dass ein an Leukämie erkrankter früherer Unteroffizier 1997 auf dem Balkan eingesetzt war. Bislang hat das Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Auslandseinsatz und der Erkrankung geben könnte. Scharping hatte am Sonntag Reihenuntersuchungen bei allen bisher 60 000 deutschen Balkan-Soldaten abgelehnt, zugleich aber einen Verzicht auf Uran-Munition befürwortet. Die Bundeswehr verwende keine Uran-Munition, "und es wäre auch gut, wenn niemand sonst sie verwenden würde", sagte Scharping.

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