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02.07.2000

11:49 Uhr

Verteidigungsministerium bezeichnet "Focus"-Bericht als Mutmaßung

Jagdflugzeug "Eurofighter" angeblich sechs Milliarden DM teurer als erwartet

Die Klausel, die den Kampfjet teurer machen kann, heißt "Preisvorbehalt". Sie erlaubt es der Industrie, Festpreise später aufzustocken.

afp MÜNCHEN/BERLIN. Beim Eurofighter explodieren nach Informationen von "Focus" die Kosten: Die Beschaffung des Jagdflugzeugs für die Bundeswehr werde offenbar um rund sechs Milliarden Mark teurer als erwartet, berichtet das Münchner Magazin in seiner neuen Ausgabe. "Focus" beruft sich auf einen Bericht des Bundesrechnungshofes an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Nach bisheriger Planung sollte der Eurofighter 23 Milliarden Mark kosten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bezeichnete den Bericht als "Mutmaßung" und lehnte jeglichen Kommentar ab.

Ursache für die steigenden Kosten des "Eurofighters" sind nach Angaben des Magazins "Preisvorbehalts"-Klauseln in den Verträgen des Verteidigungsministeriums mit der Rüstungsindustrie. Mit Hilfe solcher Vertragsregelungen können Firmen die Festpreise für langfristige Rüstungsvorhaben nachträglich aufstocken. Die Prüfer des Rechnungshofes merken laut "Focus" kritisch an, dass die von der Wehrindustrie kalkulierten Preissteigerungen seit Jahren deutlich höher ausfielen als im Zivilbereich.

Der Eurofighter ist ein gemeinsames Projekt von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien mit langer Vorgeschichte. Im November 1988, also noch zu Zeiten des Ost-West-Konflikts, hatte die Bundesrepublik mit den drei Partnern eine Vereinbarung über den Bau eines europäischen Jagdflugzeugs unterzeichnet, das damals noch "Jäger 90" hieß. Wegen der nach dem Fall der Mauer veränderten Sicherheitslage und den nationalen Sparzwängen wurde das Projekt abgespeckt und unter dem Namen Eurofighter weiterentwickelt. Die 180 Eurofighter für die Bundeswehr sollen zwischen den Jahren 2003 und 2015 ausgeliefert werden.

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