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23.05.2012

11:43 Uhr

Vertrauen in der Wirtschaft

So gewinnt man neues Selbstvertrauen

VonMalte Laub

Etlichen Managern mangelt es an Selbstvertrauen - auch wenn sie nach außen anders tun. Mentaltrainer versprechen Abhilfe, auf Wunsch ganz diskret im Einzeltraining. Wie das funktioniert? Ein Selbstversuch in Sachen Ego.

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de Birgit Jansen

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de

KölnMein ganzes Leben liegt hinter mir. Alles fein säuberlich auf Karteikarten geschrieben. Rot für die schönen Ereignisse, gelb für die traurigen, enttäuschenden. Angefangen mit meiner Geburt – natürlich rot –  über meine Einschulung, Freundschaften und Feindschaften, den ersten Kuss, die erste Abfuhr, Abi, Studium, das gewonnene Fußballturnier…

Annette Auch-Schwelk hat das mit den Karteikarten vorgeschlagen. Sie ist mein Coach, sie hilft mir, mein Selbstvertrauen zu stärken und arbeitet mit mir an meinem Auftreten, ich mache einen Selbstversuch. „Wenn Sie hinter sich sehen, können Sie sich freuen“, sagt sie und deutet auf die Karteikarten, die auf dem Boden des Seminarraums im Kölner Süden liegen. „Fast nur rote Karten!“ Also schöne Erinnerungen und positive Ereignisse

„Führen Sie sich vor Augen, was Sie schon erreicht haben, woran Sie Spaß haben. Und seien Sie stolz darauf“, rät mir meine Trainerin. Normalerweise erteilt sie Managern solche Ratschläge, ihren eigentlichen Klienten. Mittleres Konzernmanagement, gestandene Unternehmer oder Führungskräfte aus dem Mittelstand.

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Ich habe immer gedacht, dass es denen höchstens an Freizeit mangelt, aber nicht an Selbstvertrauen. Doch Auch-Schwelks Terminkalender sagt etwas anderes. Kurz vor Weihnachten hat sie in einer Woche Seminare und Coachings in fünf Städten gegeben. „Im Kern geht es dabei immer um Selbstvertrauen“, sagt die Trainerin.

Für viele Firmen wie Siemens, die Deutsche Bahn und die Deutsche Post ist die Zusammenarbeit mit externen Coaches zur Normalität geworden. Mehr als 1.600 Coaches und Trainer sind in den sechs größeren deutschen Berufsverbänden organisiert, dazu kommen nochmals mehrere tausend, die sich nicht in Verbänden organisieren. Genaue Zahlen sind da nicht bekannt – aber: die Branche boomt.

Tipps für mehr Selbstvertrauen

Karteikarten

Nehmen Sie sich Karteikarten in zwei Farben. Eine Farbe steht für glückliche, erfolgreiche und schöne Erlebnisse in ihrem Leben, die andere für unglückliche, enttäuschende und traurige. Suchen Sie sich einen Startpunkt auf dem Fußboden. Das ist der Zeitpunkt Ihrer Geburt. Nun gehen Sie langsam vorwärts und platzieren Sie entlang ihres Lebenslaufs die bunten Karteikarten auf dem Boden. Seien Sie dabei ruhig großzügig. Ein positives Erlebnis kann sowohl eine Freundschaft sein, die Sie geschlossen haben, wie auch eine Beförderung oder ein toller Urlaub. Wenn Sie in der Gegenwart angekommen sind, schauen Sie zurück: Das haben Sie alles schon erreicht und das kann Ihnen niemand mehr nehmen! Liegen dort auch ein paar Karten in der Farbe, die Sie für negative Ereignisse vorgesehen haben, nehmen Sie sich etwas Zeit und setzen Sie sich mit Ihnen auseinander. Welche Auswirkungen hatte das Ereignis wirklich? Hat es Sie vielleicht sogar stärker gemacht? Die Kölner Selbstbewusstseinstrainerin Annette Auch-Schwelk nutzt diese Übung.

Stärken kennenlernen

Viele Psychologen und Coaches bemängeln, dass wir uns eher unserer Schwächen bewusst sind als unserer Stärken. Benennen Sie also ruhig laut Ihre Stärken oder notieren Sie sie sich. Seien Sie auch hier nicht auf ein Gebiet fixiert. Es geht im Leben nicht nur ums Berufliche. Vielleicht sprechen Sie mehrere Sprachen, können gut kochen oder sie sind bei Ihren Freunden als besonders zuverlässig bekannt. Auch das sind Qualifikationen.

Das Geldschein-Gleichnis

Eine sehr bildhafte Methode von Annette Auch-Schwelk, um sich zu bestärken. Vielleicht ist dieses Spielchen daher nicht jedermanns Sache, aber es ist in seiner Logik durchaus klar. Nehmen Sie sich einen Geldschein egal welchen Wertes und zerknüllen Sie ihn. Lassen Sie ihn fallen, treten Sie darauf herum, zerknüllen Sie ihn wieder. Der Geldschein wird seinen Wert trotz aller Gemeinheiten, die Sie ihm antun, nicht ändern. Gleiches gilt für Sie: Auch wenn Sie es momentan im Büro von allen Seiten abkriegen oder Ihr Zuständigkeitsbereich vor großen Problemen steht: All das ändert nichts an Ihrem persönlichen Wert. Seien Sie sich dessen bewusst, auch wenn es mal härter zugeht.

Seien Sie vorbereitet!

Sie müssen bald eine wichtige Präsentation oder Rede halten und davor graut es Ihnen? Dann planen Sie sie früh genug in Ihren Zeitplan ein, sonst ist es - ehe sie sich versehen - zu spät, den Text zu verinnerlichen oder die Zahlen zu beherrschen. Nehmen Sie sich die Zeit, sich ausreichend vorzubereiten, denn wer vorbereitet ist, trägt automatisch selbstsicherer vor.

Ziele festlegen

Formulieren Sie Ziele, wo Sie in fünf oder zehn Jahren stehen wollen. Auch hier gilt: Nicht nur Berufliches zählt! Wollen Sie eine Familie gründen? Aufschreiben! Nach China reisen? Aufschreiben! Oder eben: Mehr verdienen? Auch aufschreiben! Diese Übung sorgt nicht dafür, dass Sie automatisch mehr Selbstvertrauen haben, aber Sie bekommen so ein Gefühl für Ihre Ziele und wissen, was Ihnen wichtig ist. Entsprechend können Sie sich besser darauf konzentrieren, Ihre Ziele zu erreichen.

„Seitdem Burnout-Erkrankungen so ein großes Thema sind, wenden sich viele Manager von selbst an mich, also ohne, dass ihr Konzern ein Seminar buchen würde“, sagt Annette Auch-Schwelk. Besonders der Selbstmord des Hannoveraner Torhüters Robert Enke habe sich auf ihren Berufsstand  ausgewirkt: Unmittelbar, nachdem Enkes Tod bekannt wurde, hätten sich bei ihr zwei Männer zu Seminaren angemeldet. „Auch das Seminar ‚Umgang mit emotionalen Turbulenzen‘, das ich bei einem großen Konzern anbiete, ist in letzter Zeit immer ausgebucht“, berichtet Auch-Schwelk.

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Die Berater sind hochgradig spezialisiert: mal auf Führungsstärke, mal Selbst-Organisation, mal Kommunikation mit Mitarbeitern. Oder eben Selbstvertrauen, die Spezialität meiner Trainerin. Auch-Schwelk arbeitet selbstständig und ist wie die meisten Trainer über zahlreiche Fortbildungen und Lehrgänge zu ihrem Beruf gekommen. Ein Patentrezept für ein solches Coaching gibt es nicht. „Es hängt viel davon ab, wie offen der Klient ist und wo seine Stärken und Schwächen liegen“, sagt Auch-Schwelk.

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