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02.01.2003

17:24 Uhr

Verwirrung um Fischer

USA verlegen komplette Wüstenkampf-Division zum Golf

Mehr als 11 000 US-Soldaten bereiten sich auf eine Verlegung in die Golfregion vor. Nach den Worten des irakischen Vize-Ministerpräsidenten Tarek Asis bereiten die USA dort einen Angriff auf sein Land vor, ganz gleich ob es Massenvernichtungewaffen besitzt oder nicht.

Reuters BAGDAD. Eine iranische Zeitung meldete am Donnerstag hingegen, es gebe angeblich mit Russland abgestimmte Pläne der USA, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein ohne Krieg und Gewalt zu stürzen. Die Zeitung "Entechab" bezog sich auf ein Telefongespräch, in dem der deutsche Außenminister Joschka Fischer seinen iranischen Kollegen Kamal Charrasi darüber informiert haben solle. Das Auswärtige Amt in Berlin dementierte diesen Bericht umgehend.

Nach Informationen aus US-Verteidigungskreisen wird mit der Verlegung der im Wüstenkampf trainierten Soldaten erstmals seit dem Golfkrieg von 1991 eine volle Kampfdivision in die Region geschickt. Insgesamt soll mit den Ende Dezember befohlenen Verlegungen die Zahl der US-Soldaten in der Golfregion von derzeit etwa 60 000 verdoppelt werden.

Asis sagte einer europäischen Delegation, die USA wollten in Irak einmarschieren, ganz gleich welche Ergebnisse die Uno-Inspektionen brächten. Sie wollten in imperialistischer Manier die Ölquellen der Region unter ihre Kontrolle bringen, um dann alle Länder politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen, die das Öl benötigten.

Die Ölpreise an den Weltmärkten stiegen zu Beginn des Jahres an. Beobachter führten dies hauptsächlich auf gesunkene US-Lagerbestände an Erdöl in Folge des Streiks in Venezuela zurück. Nach Ansicht von Analysten wird die Möglichkeit eines Irak-Krieges wahrscheinlich den Goldpreis in die Höhe treiben. Der Preis des Dollars gegenüber dem Euro stieg leicht an, wurde jedoch durch Unsicherheiten über einen Irak-Krieg und die Erholung der US-Wirtschaft belastet.

Zeitung: Pläne für gewaltlosen Sturz Saddams

Die angeblich dem iranischen Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei nahe stehende Zeitung "Entechab" meldete, Fischer habe seinem Kollegen mitgeteilt, dass "Amerika Saddam Hussein ohne Krieg, Blutvergießen und immense Militärausgaben stürzen will". Das Auswärtige Amt erklärte dazu: "Diese Gesprächsinhalte sind völlig frei erfunden." Es bestätigte aber ein Telefongespräch der beiden Minister.

Die Zeitung meldete zudem, die USA hätten sich offenbar mit Russland abgestimmt. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf jüngste Bemerkungen des früheren russischen Ministerpräsidenten Jewgeni Primakow, Russlands Präsident Wladimir Putin könnte persönlich nach Bagdad reisen, um Saddam zum Rücktritt und zur Ausreise nach Moskau zu bewegen. Das Außenministerium in Moskau erklärte, es habe keine Informationen über einen Putin-Besuch in Irak. Zeitungsberichte kommentiere es nicht. Auch das iranische Außenministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

"Entechab" nannte zugleich Pläne über die künftige Führung Iraks. Darin sei von bundesstaatlichen Strukturen die Rede. Die gegenwärtig regierende Baath-Partei solle nicht völlig von der Macht ausgeschlossen werden. Saddam und seine Führungsriege gehören den sunnitischen Moslems an. Die Opposition gegen ihn kommt vor allem aus den Bevölkerungsgruppen der Schiiten im Süden des Landes und der Kurden im Norden.

Die USA werfen Irak den Besitz von Massenvernichtungwaffen vor und haben angekündigt, das Land notfalls mit militärischer Gewalt zu entwaffnen. Irak bestreitet den Besitz solcher Waffen. Am 27. Januar berichtet Blix dem Sicherheitsrat, ob die Inspektionen in Irak Hinweise auf verbotene chemische, biologische und atomare Waffen ergeben haben. Die Inspektoren hatten nach vierjähriger Unterbrechung am 27. November ihre Kontrollen wieder aufgenommen.

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