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06.01.2003

11:51 Uhr

Verzicht auf 5000-Meter-Start in Göteborg

Keine Zeit zum Feiern

Vor zwei Wochen wollte sie noch die Schlittschuhe an die Wand knallen, doch nach dem Gewinn ihres dritten Europameister-Titels ist die Welt der Anni Friesinger wieder im Lot.

Anni Friesinger will jetzt auch den WM-Titel. Foto: dpa

Anni Friesinger will jetzt auch den WM-Titel. Foto: dpa

HB/dpa HEERENVEEN. "Ja, es war wirklich eine böse Zeit. Als ich vor Weihnachten nach dem Radtraining auf Lanzarote wieder die Schlittschuhe untergeschnallt habe, ging scheinbar gar nichts mehr. Ich dachte, ich werd' nicht mehr", gestand die Inzeller Allround-Championesse nach ihrem Triumph von Heerenveen, bei dem sie nach drei Streckensiegen die Konkurrenz mit Claudia Pechstein an der Spitze sicher in Schach gehalten hatte.

Den Triumphzug im historischen Pferdeschlitten gemeinsam mit Herren-Sieger Gianni Romme aus den Niederlanden genoss sie in vollen Zügen, doch viel Zeit zum Feiern blieb der bayerischen Fronatur diesmal nicht. Schon um 3.30 Uhr ging am Montag der Shuttle zum Flughafen. Doch so sehr bedauerte sie die ausgefallene Feier nicht: "Ist schon besser so. Die Saison ist noch so lang." In vier Wochen will sie in Göteborg ihren WM-Titel im Mehrkampf verteidigen. "Und wenn das nicht klappt, dann kann ich mich in Berlin noch bei den Einzelstrecken-WM revanchieren", meinte sie. Die 1500 m, auf denen sie bei großen Wettkämpfen der letzten Jahre immer dominiert hatte, bleiben auch für Berlin ihre große Hoffnung. Aber auch über 3000 m will sie sich beim "Heimspiel" der Olympiasiegerin an Claudia Pechstein reiben.

Auf den ganz langen Kanten über fünf Kilometer wird sie dann aber verzichten und der Berlinerin kampflos das Feld überlassen. "Ich habe der Chemnitzerin Claudia Irrgang schon meinen WM-Startplatz versprochen. Ich suche meine Chance lieber auf der 1000-m-Strecke. Da muss ich mich nicht so sehr plagen", sagt sie. "Jedenfalls weiß ich jetzt, was ich drauf habe und kann auch die 1500 m mal wieder so richtig wegfetzen.". Heerenveen hat ihr wieder neues Selbstbewusstsein eingehaucht. "Ist doch ein schöner Lohn für die ganze Schinderei der letzten Wochen." Anni Friesinger hat ihr befreiendes Lächeln wiedergefunden.

In den nächsten Wochen stehen aber erst mal harte Trainingseinheiten an. Gleich nach dem 26. Geburtstag am 11. Januar geht es in die Höhe nach Davos. "Dort war ich schon lange nicht, ich freue mich auf diese Abwechslung", sagt Anni Friesinger. Als "Ablenkung vom Eis" bezeichnet sie ihren geplanten Umzug von ihrer kleinen Miet- in eine größere Eigentumswohnung in Salzburg. "Der Trainer braucht sich keine Sorgen zu machen, dass ich zu schwer hebe. Ich habe ein Umzugsunternehmen bestellt. Da muss nicht mal mein Bruder mit zufassen", beruhigt sie die Männer in ihrem engeren Umfeld. Mit einer weiteren Trainingswoche in Klobenstein/Südtirol startet dann endgültig das "Unternehmen Gold" für Göteborg.

Da will auch Claudia Pechstein wieder näher an der Rivalin dran sein als in Heerenveen. "Ich mache jetzt auf keinen Fall Urlaub", sagte die 30-Jährige, die in nächster Zeit auch mal wieder mit ihrem Mann zusammen sein möchte und daher die Vorbereitung in der näheren Umgebung ihres Hauses im brandenburgischen Dienstdorf-Radlow bevorzugt. Berlin und Erfurt sind für sie Dreh- und Angelpunkt der nächsten vier Wochen. "Ich werde aber auf keinen Fall die 500 m trainieren. Das Problem ist in vier Wochen nicht lösbar. Lieber baue ich meine Stärken auf den langen Strecken aus", lautet ihre Devise.

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