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30.01.2003

19:00 Uhr

Vice-Chairman Ted Turner geht

AOL verbrennt 100 Milliarden

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat 2002 mit fast 100 Milliarden Dollar den bisher höchsten Verlust eines einzelnen Unternehmens erlitten. Fast die Hälfte der roten Zahlen von 98,7 Milliarden Dollar entfällt auf Wertberichtigungen beim weltgrößten Online-Dienst AOL und der Kabelfernsehsparte.

HB/dpa NEW YORK. CNN-Gründer Ted Turner kündigte seinen Rückzug vom Posten des Vize-Vorsitzenden an. Der Milliardär will aber im Aufsichtsrat bleiben. Die Aktie brach im frühen Handel in New York um rund 15 Prozent auf 11,89 Dollar ein.

Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf gut 41 Milliarden Dollar, teilte AOL Time Warner nach Börsenschluss am Mittwoch in New York mit. Der Nettoverlust je Aktie belief sich auf 22,15 Dollar nach 1,11 Dollar 2001. Damals war der Verlust mit 4,9 Milliarden Dollar bereits enorm. Mit fast 100 Milliarden Dollar wurde nun ein Wert in der Größenordnung der Fusion von AOL und Time Warner Anfang 2001 vernichtet - oder des Bruttoinlandsprodukts von Ländern wie Irland oder Portugal.

Die Abschreibungen bei AOL und dem Kabelfernsehen summierten sich auf 44,9 Milliarden Dollar. Das Debakel hatte sich bereits im ersten Quartal abgezeichnet, als AOL Time Warner mit dem Verlust von 54 Milliarden Dollar schockte - schon damals eine Rekordmarke. Abschreibungen waren die Ursache. Nun schlug das vierte Quartal nochmals mit einem Minus von 44,9 Milliarden Dollar zu Buche. Der Quartalsumsatz stieg um rund zehn Prozent auf 11,24 Milliarden Dollar.

Der Konzern verwies auf den Anstieg beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von fünf Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar im Gesamtjahr und von 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar im Schlussquartal. Firmenchef Richard Parsons sagte wörtlich: "Ich bin sehr zufrieden mit unserem beeindruckenden Ergebnis im vierten Quartal."

AOL machten vor allem die sinkenden Umsätze mit Werbung und E- Commerce zu schaffen, die um 39 Prozent einbrachen. Der Anstieg der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen der 35,2 Millionen Kunden um 16 Prozent konnte dieses Loch nicht ausgleichen. Dagegen fiel das Ergebnis der Film-Sparte mit Kinohits wie "Harry Potter" und "Herr der Ringe" glänzend aus. Die zu Warner gehörenden Filmstudios nahmen allein in den USA rund zwei Milliarden Dollar ein und hatten mit 21,5 Prozent den höchsten Marktanteil.

Der 64 Jahre alte Turner wolle sich nun verstärkt seiner wohltätigen und sozialen Tätigkeit widmen, hieß es. Er ist der größte Einzelaktionär. "Es ist Turner nicht gelungen, den Konzern in die von ihm gewünschte Richtung zu steuern", sagte Vermögensverwalter Harold Vogel. "Jetzt braucht er bei seiner Kritik kein Blatt mehr vor den Mund nehmen." Turners Aktienpaket ist inzwischen nur noch 1,85 Milliarden Dollar wert - vor dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner waren es noch 7,2 Milliarden Dollar. Turner und andere Beobachter hatten die Time-Warner-Übernahme durch AOL immer wieder als Fehler bezeichnet.

Die Verantwortlichen für den Zusammenschluss wie AOL-Gründer Steve Case oder der damalige Time-Warner-Chef Gerald Levin sind inzwischen von ihren Führungsposten verdrängt worden. Neuer starker Mann ist der renommierte Medienmanager Parsons, der in Personalunion Konzernchef und Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Er will den Medienriesen mit einem strengen Sparkurs sanieren.

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