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07.02.2002

09:32 Uhr

Viel Prominenz

Berlinale-Auftakt: Kleine Pannen und große Gefühle

Mit viel Prominenz, kleineren Pannen und großen Gefühlen sind am Mittwochabend die 52. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gab vor rund 2500 Gästen im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz den Startschuss für das elftägige Festival.

Foto: ap

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dpa BERLIN. Zum Auftakt zeigte "Lola rennt"-Regisseur Tom Tykwer das Liebesdrama "Heaven". Der in Italien spielende Film mit den Hollywoodschauspielern Cate Blanchett und Giovanni Ribisi in den Hauptrollen erzählt von der ausweglosen Liebe zwischen einem jungen Polizisten und einer Attentäterin. Das Publikum zeigte gemischte Reaktionen auf den Eröffnungsfilm. Neben Bravos gab es auch vereinzelte Buh-Rufe.

Tykwers etwas sperriger Film über Schuld und Sühne entstand nach einem Drehbuch des 1996 verstorbenen polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski. Eine Lehrerin wird zur Bombenlegerin. Sie will Rache an einem Drogendealer nehmen, der ihren Ehemann und einige ihrer Schüler auf dem Gewissen hat. Durch einen dummen Zufall tötet die Bombe jedoch nicht den Dealer, sondern vier unschuldige Menschen. Die junge Frau ist verzweifelt. Bei ihrer Vernehmung im Justizpalast von Turin verliebt sich ein junger Polizist unsterblich in sie. Gemeinsam gelingt dem ungleichen Paar zunächst die Flucht in die Toskana.

Leicht chaotisch war die Gala vor der Filmvorführung geraten. Der neue Berlinale-Chef Dieter Kosslick und die beiden Moderatoren, die Schauspielerin Corinna Harfouch und Kameramann Michael Ballhaus, konnten sich nicht immer auf Anhieb einigen, wer denn jetzt sprechen soll. Immer wieder gab es auch Tonprobleme. Und bei der Vorstellung der internationalen Jury unter Vorsitz der indischen Regisseurin Mira Nair ("Salaam Bombay", "Kama Sutra") wurde zunächst eines der Mitglieder vergessen. Mit viel Humor machte Kosslick die kleinen Pannen aber schnell wieder wett.

Über den roten Teppich vor dem Berlinale-Palast schritt so viel Prominenz aus Film, Show und Politik wie schon lange nicht mehr. Unter den Eröffnungsgästen waren unter anderem die Schauspieler Maximilian Schell, Iris Berben, Mario Adorf, Senta Berger, Heino Ferch, Maria Schrader und Jürgen Vogel. TV-Talker Alfred Biolek, die Regisseure Helmut Dietl, Rosa von Praunheim und Volker Schlöndorff waren ebenso gekommen wie Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), Grünen - Fraktionschef Rezzo Schlauch und Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD). Nach der Filmpremiere wurde im Paul-Löbe-Haus, dem Bundestagsneubau gegenüber dem Kanzleramt, beim Berlinale-Eröffnungsempfang gefeiert.

Bis zum 17. Februar werden in den verschiedenen Sektionen des Festivals rund 400 Filme gezeigt, noch einmal so viele sind es bei der parallel laufenden kommerziellen Filmmesse der Berlinale. Ins Rennen um den Goldenen Bären gehen im offiziellen Wettbewerb 23 Filme aus aller Welt. Stars wie Catherine Deneuve, Claudia Cardinale, Russell Crowe, Anjelica Huston, Isabelle Huppert, Wim Wenders, Harvey Keitel und Fanny Ardant haben sich angekündigt. Rund eine halbe Million Kinozuschauer werden erwartet. Die Berlinale ist neben Cannes und Venedig das wichtigste Filmfestival der Welt.

Berlinale-Leiter Kosslick hat sein Versprechen eingelöst und dem deutschen Film wieder mehr Bedeutung bei der Berlinale verschafft. Gleich vier einheimische Produktionen gehen im Wettbewerb an den Start. Damit ist die deutsche Wettbewerbspräsenz so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Neben Tykwers "Heaven" ist die tragikomische Alltagsgeschichte "Halbe Treppe" von Andreas Dresen sowie "Der Felsen" von Dominik Graf zu sehen. Christopher Roth erzählt in "Baader" die Lebensgeschichte des RAF-Terroristen Andreas Baader.

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