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16.01.2003

07:33 Uhr

Viele Fragzeichen vor der Zukunft der Partnerschaft

Fiat-Spitze verhandelt mit GM über Rettungsplan

Entscheidende Tage für die Zukunft des italienischen Mischkonzerns Fiat und seiner Tochtergesellschaft Fiat-Auto: Heute fliegen Präsident Paolo Fresco und Vorstandschef Alessandro Barberis nach Detroit, um mit der Führungsspitze des strategischen Partners General Motors (GM) Auswege aus der Krise des Unternehmens zu diskutieren.

mab MAILAND. Gleichzeitig wird der ehemalige Chef der Telecom Italia, Roberto Colaninno, Vertretern von Fiat und den Gläubigerbanken seinen Sanierungsplan für das Unternehmen erläutern. Parallel dazu prüft der Großinvestor Emilio Gnutti auf Einladung der italienischen Regierung eine größere Beteiligung an Fiat.

Denn die Autosparte benötigt eine Kapitalerhöhung zwischen 5 und 7 Mrd. Euro. Grund dafür sind der hohe operative Verlust von rund 2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr und ein ambitionierter Investitionsplan über 2,5 Mrd. Euro jährlich. Die Aktionäre von Fiat-Auto, die Konzernholding Fiat SpA (80 %) und GM (20 %), können bzw. wollen die erforderlichen Mittel nicht in voller Höhe zur Verfügung stellen. Die Fiat-Holding kämpft seit Monaten darum, ihre Verschuldung unter die mit den Hausbanken vereinbarte Grenze von 3 Mrd. Euro zu drücken. Nach Berechnungen von Bankern könnte der Verkauf weiterer Tochterunternehmen, wie des Flugzeugbauers Fiat Avio, rund 2 Mrd. Euro bringen. Dieses Geld könnte dann der Autosparte zufließen, die mittelfristig aus dem Konzernverbund herausgelöst werden soll. Zusätzlich hat die Familie Agnelli, die mit einem Anteil von rund 30 % Fiat kontrolliert, die Zuführung eigener Mittel von bis zu 700 Mill. Euro in Aussicht gestellt.

GM zeigt sich dagegen zugeknöpft und hat bislang keinerlei verbindliche Zusagen gemacht. Denn GM muss laut Vertrag ab 2004 die von der Fiat-Holding gehaltenen 80 % an Fiat-Auto übernehmen, sofern die Italiener dies wünschen. Eine Verpflichtung, von der sich die Amerikaner am liebsten freimachen und schlimmstenfalls auch freikaufen würden. Allerdings hält GM einen Trumpf in der Hinterhand, der in diesen Tagen rapide an Wert gewinnt: Sollten sich die Eigentümerverhältnisse bei der Fiat SpA ändern, wäre die Put-Option hinfällig. GM hätte dann sogar das Recht, seine 20 % an der Autosparte für 2,4 Mrd. $ der Fiat-Holding zurückzugeben.

Der von der italienischen Regierung propagierte Einstieg italienischer Investoren birgt somit die Gefahr eines Bruchs mit GM, zumindest aber eines Endes der Verkaufsoption. Aus der Sicht des Premiers Berlusconi ist dies durchaus wünschenswert, plädiert er doch seit Monaten ausdrücklich für "nationale Lösungen".

Das wahrscheinlichste Szenario ist nach Ansicht von Beobachtern eine Mischlösung, in der sowohl die Agnellis als auch GM Mittel für eine Kapitalerhöhung zur Verfügung stellen. Flankiert werden sollen sie von den Gläubigerbanken und der Finanzierungsgesellschaft Hopa von Emilio Gnutti, einem Geschäftspartner Berlusconis. Schon 1999 war Hopa war zentrales Vehikel für die feindliche Übernahme der Telecom Italia durch Olivetti. Nach dem Verkauf der Olivetti-Anteile an Pirelli 2001 verfügt die Gesellschaft über liquide Mittel von 3 Mrd. Euro.

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