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18.01.2005

16:08 Uhr

Viele Teilnehmer sind erstmals dabei

WEF wagt den Neubeginn

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, hat, so heißt es, von fast jedem wichtigen Menschen die private Telefonnummer oder wird zumindest direkt durchgestellt. Viele spotten, die Weltelite würde überhaupt nur dem Professor zuliebe einmal im Jahr nach Davos kommen. Zur Sicherheit bemüht sich Schwab dennoch um ein attraktives Programm - und will in diesem Jahr mit Neuheiten überraschen. Obwohl das Treffen seit 1971 Tradition ist, soll es nämlich im Zeichen der Neuanfänge stehen. Schwab sieht darin einen Höhepunkt seiner Idee.

HB GENF. Neu im Amt sind oder werden in Kürze sein etwa der Führer der Palästinenser, Mahmud Abbas, der Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, oder der designierte Präsident der Ukraine, Viktor Juschtschenko. Neu, wenn auch nicht unerwartet, ist der rasante Aufstieg Chinas in die Liga der bedeutenden Wirtschaftsmächte. Neu ist die ungeheuere weltweite Solidarisierung mit den Flutopfern von Südasien und neu ist auch, dass die wichtigsten Industriestaaten, die G8, jetzt den Umweltschutz zu einem Topthema machen. "Es gibt eine Zahl von Neuanfängen", meinte Schwab bei der Vorstellung seines Programms für das Treffen vom 26. bis zum 30. Januar, und auf dem Forum soll herausgefunden werden, wo es lang gehen soll.

Aus dem 1971 begonnenen intimen Treffen von Entscheidungsträgern ist längst eine Prominenten-Massenveranstaltung geworden, bewacht von 5 000 Soldaten. Das Who-is-Who der Gästeliste wird von der Öffentlichkeit begierig auch dahingehend hinterfragt, wer nicht darauf steht. In diesem Jahr etwa Israels Regierungschef, Ariel Scharon, der eingeladen wurde, aber nicht zusagte. Oder Großbritanniens Tony Blair, der in Davos ja seinen Freund Gerhard Schröder treffen könnte. Dass die deutsche Politik-Prominenz es nun endlich den deutschen Wirtschaftsgrößen nachmacht und in großer Zahl in Davos auftaucht, wurde von den Verantwortlichen besonders herausgehoben und gilt auch als Neuanfang. Neben der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel ist auch FDP-Chef Guido Westerwelle auf der Liste. Und der frühere CDU-Finanzsprecher Friedrich Merz wird auf Wirtschaftsminister Wolfgang Clement treffen.

Aus den USA kommt, wie immer kann man schon sagen, der frühere US-Präsident Bill Clinton. Während Präsident George W. Bush keine Zeit findet, wohl auch wegen seiner Amtseinführung, wie man beim Forum anmerkt, fehlen diesmal auch alle anderen amerikanischen politischen Schwergewichte. Lediglich Wahlverlierer John Kerry kommt, und er wird über seinen Besuch im Nahen Osten berichten. Die Lage dort und die neuen Friedenshoffnungen mit der neuen palästinensischen Führung sollen in Davos eine große Rolle spielen. Das hat Tradition, denn schon PLO-Führer Jassir Arafat pflegte in Davos zu verhandeln.

Das Forum ist mit mehr als 2 200 Teilnehmern schon lange nicht mehr intim und kann es wohl auch nicht mehr werden, wie selbst Kritiker anmerken. Die rund 1 000 Firmen, die Schwabs Unternehmen mit Millionen von Franken im Jahr unterstützen, wollen eigentlich mehr Exklusivität. Doch wer, wie Schwab, "im weitesten Interesse die Lage der Welt verbessern" und dafür "jeden Bürger dieser Welt mobilisieren" will, muss vielen die Tore öffnen - auch Kritikern. Das gilt zwar nicht für die erklärten Forum-Gegner, die in diesem Jahr wieder nicht in Davos demonstrieren dürfen. Aber es gilt für dutzende von Nicht-Regierungsorganisationen, die sich in Davos über die weitläufigen Gänge des Kongressforums verteilen. Der fast 67-jährige Klaus Schwab will noch einige Jahre so weitermachen, denn Neuanfänge dürfte es noch genug geben.

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