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22.01.2002

19:00 Uhr

Volkswirte rechnen im schlimmsten Fall mit 3 Prozent Inflation im Januar

Dienstleister runden Preise kräftig auf

Mit Spannung warten Volkswirte auf die ersten harten Inflationszahlen für Januar. Erst dann wird klar, ob viele Firmen zum Start des Euro-Bargeldes großzügig ihre Preise erhöht haben. Schon heute ist gewiss: Im Januar klettert die Inflation - wegen höherer Steuern und gestiegener Gemüsepreise.

HB DÜSSELDORF/PARIS. Die Aero Fallschirmsport GmbH aus Gransee hat es getan: Ein Fallschirmsprung aus 4000 Metern Höhe kostet seit Januar nicht mehr 45 DM, sondern 24 Euro, (46,93 DM) - eine Preiserhöhung von 4,3 %.

Harte Fakten darüber, ob viele Unternehmen den Start des Euro-Bargeldes zu Preiserhöhungen genutzt haben, kommen am Freitag zuerst aus Italien. Dann wird sich zeigen, ob die Verbraucherpreise im Januar wirklich gestiegen sind.

Deutsche Ökonomen haben aber schon jetzt fleißig gerechnet. Im schlimmsten Fall erwartet sowohl Commerzbank als auch DZ Bank in Deutschland im Januar eine Jahresinflationsrate von bis zu 3 % - eine Zahl weit über der von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Grenze für Preisstabilität von 2 %. Im Dezember lag die jährliche Teuerung bei nur 1,7 %. Auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke räumt ein, die Jahresteuerung könne im Januar womöglich vorübergehend auf 2,0 % steigen. Die Inflation bleibe aber rückläufig und werde 2002 im Schnitt nur 1,0 % betragen.

Allerdings müsste schon einiges passieren, damit ein Anstieg auf 3 % erreicht wird: Die Verbraucherpreise müssten von Dezember auf Januar um ganze 1,8 % nach oben klettern, das wäre der höchste Anstieg seit Januar 1993. Volkswirte von Morgan Stanley glauben nicht daran und erwarten lediglich einem Anstieg der Jahresinflation auf 1,9 von 1,7 % im Januar.

Die große Spanne der Vorhersagen ist ein Zeichen für die Unsicherheiten: Vor allem über den Preissteigerungseffekt durch die Euro-Bargeldeinführung kann fast nur "spekuliert werden", meint Karsten Junius von der DGZ Deka Bank. Volkswirte schätzen, dass die Verbraucherpreise von Dezember auf Januar durch den Euro rein rechnerisch um 0,1 bis 0,5 % steigen. "Es gibt einige Hinweise darauf, dass bei Dienstleistungen, zum Beispiel Gaststätten und Frisören, die Preise merklich erhöht worden sind", sagt Harmen Lehment, Währungsexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Eine gestern veröffentliche Studie der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) bestätigt dieses Bild: Von 216 Dienstleistungsfirmen haben 131 seit Juni 2001 ihre Preise erhöht - einige um bis zu 48 %. Anders sieht es im Handel aus, wo VZBV-Euro-Expertin Karin Kuchelmeister einen "Aldi-Effekt" bemerkt hat: "Erst wurden die Preise im Laufe des Jahres 2001 strategisch erhöht, um sie dann werbewirksam ein bisschen zu senken."

Auch in Frankreich hat die Preisaufsichtsbehörde DGCCRF Preiserhöhungen vor allem im Dienstleistungsektor festgestellt. Autoreparaturen verteuerten sich um 1,6 %, Café-Besuche um 1,8 %. Stabil blieben dagegen die Preise in den Supermärkten, die sich im vergangenen Herbst auf Preisstabilität - bis März - selbst verpflichtet haben.

Harte Fakten gibt es allerdings schon jetzt zu anderen Preistreibern: Steuern und Frischgemüse. Durch Steuererhöhungen bei Tabak, Benzin, Energie und Versicherung wird der Preisindex im Januar rechnerisch um 0,4 % steigen, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Im Vorjahresvergleich werde dieser Anstieg aber durch einen Basiseffekt auf nur noch 0,1 % verringert. Denn auch im Januar 2000 waren die Preise infolge von Steuererhöhungen kräftig gestiegen. Höhere Preise bei Frischgemüse, das sich wegen des harten Winter in Südeuropa im Durchschnitt um 20 % verteuert hat, könne den Preisindex von Dezember auf Januar nochmals um 0,4 % anheben, schätzt Christoph Weil von der Commerzbank.

Im Dezember hat sich in der Euro-Zone der seit Mai andauernde Rückgang der Teuerung umgekehrt. Zwar lag die jährliche Inflationsrate im Dezember gegenüber November unverändert bei 2,1 % - im Monatsvergleich ist das ein Anstieg von 0,2 %. 2000 lag die Inflation noch bei 2,6 %. EZB-Präsident Wim Duisenberg erwartet, dass die Inflationsrate bis zum Frühjahr auf 1,5 % fällt.

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