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04.02.2001

14:17 Uhr

Vollständiges Verbot wird nicht mehr eingebracht

Schmidt will Gentests an Reagenzglas-Embryos zulassen

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will Gentests an im Reagenzglas befruchteten Eizellen noch vor dem Einsetzen in den Mutterleib zulassen. Pläne ihrer Amtsvorgängerin Andrea Fischer (Grüne) für ein vollständiges Verbot werde sie in die kommenden Beratungen nicht mehr einbringen, sagte Schmidt am Wochenende. Eine Absage erteilte die Ministerin allerdings dem Klonen von Embryos zu Forschungszwecken. Gesundheits-Staatsekretärin Gudrun Schaich-Walch (SPD) kündigte an, vorläufig werde es keine neuen Gesetze zur Gentechnik geben, da zuerst die Ergebnisse einer Grundsatzdebatte abgewartet würden.

Reuters BERLIN. Schmidt begründete den Kurswechsel bei der so genannten Präimplantationsdiagnostik (PID) damit, dass genetische Untersuchungen des Embryos auf schwere Erbkrankheiten innerhalb des Mutterleibs bereits zugelassen seien. "Warum sollte ich die Frage nach schweren Erbkrankheiten stellen dürfen, wenn der Embryo im Mutterleib eingenistet ist, und nicht, wenn er sich noch im Reagenzglas befindet", sagte die Ministerin der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). "Den Spagat, das eine erlaubt zu haben und das andere verbieten zu wollen, kann ich nicht nachvollziehen." Ihre Vorgängerin Fischer, die im Januar im Zusammenhang mit der BSE-Krise zurückgetreten war, hatte ein Verbot der PID angestrebt. Fischer wollte damit eine nach ihrer Ansicht ethisch unvertretbare Auswahl von Embryonen verhindern.

Hinsichtlich der Stammzellenforschung will Schmidt den restriktiven Kurs Fischers fortsetzen. Die so genannte verbrauchende Embryonenforschung sei nach geltendem Recht verboten. "Ich sehe keinen Bedarf, dies zu ändern." Auf keinen Fall dürften "Embryonen nur hergestellt werden, um sie zum Zwecke der Forschung wieder zu vernichten". Das Gleiche gelte für das therapeutische Klonen von embryonalen Stammzellen.

Forschung auf erwachsene Stammzellen beschränken

Schmidt plädierte dafür, die Forschung auf erwachsene Stammzellen oder auf Zellen aus der Nabelschnur zu beschränken. Experten versprechen sich von der Stammzellen-Forschung neue Therapiemöglichkeiten für Krankheiten wie Diabetes und Leukämie. Als erstes europäisches Land hatte Großbritannien dazu jüngst das Klonen von embryonalen Stammzellen erlaubt.

Schaich-Walch sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", über das weitere Vorgehen bei der PID, der Stammzellenforschung und bei Gen-Tests für Versicherungen solle zunächst eine umfassende Debatte in den Parteien und in der Öffentlichkeit geführt werden. "Erst nach dieser grundsätzlichen Debatte werden wir über die Richtung entscheiden." Der vorläufige Verzicht auf neue Gesetze bedeute, dass Versicherungen von ihren Versicherten weiterhin keinen Gen-Test verlangen könnten.

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