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19.02.2002

19:10 Uhr

Von Deutschlands Biathletinnen hat nur Kati Wilhelm Chancen auf Werbeverträge

Die Frau mit der Mentalität zum Schießen

VonErich Ahlers (Handelsblatt)

Heiner Köpcke heißt der Mann, der für die Hamburger Vermarktungsagentur Köster & Co. fotografiert. Franziska van Almsick, Isabell Werth und Magdalena Brzeska hat er schon vor der Linse gehabt. Kürzlich wurde die Liste um Kati Wilhelm erweitert, obwohl sie noch nicht bei Chef Werner Köster unter Vertrag steht. Das jedoch könnte sich bald ändern. Der Ex-Journalist hat ein Auge auf die mit zweimal Gold und einmal Silber ausgezeichnete Biathletin geworfen.

Kati Wilhelm. Foto: dpa

Kati Wilhelm. Foto: dpa

SALT LAKE CITY. Gegelte Haare, geschminkte Lippen, ein kühler, aber nicht zu kühler Blick. So kommt die 25-Jährige auf Köpckes Fotos daher. Damit sollen erste Versuche unternommen werden, potenzielle Sponsoren auf Wilhelm aufmerksam zu machen. Bislang hat es noch keine deutsche Biathletin geschafft, mit Werbung nennenswert Geld zu verdienen. Auch die gute alte Uschi Disl nicht, seit über einem Jahrzehnt das Synonym für diese Sportart.

Wilhelm kann sich vorstellen, dies zu ändern. "Ich habe nichts dagegen, wenn nebenher noch ein bisschen herausspringt", sagt die gebürtige Schmalkaldenerin im Gespräch mit dem Handelsblatt und schließt bei der Umsetzung des Vorhabens auch entsprechende Lockmittel nicht aus. "Schöne Bilder, auf denen man wenig anhat, aber nichts sieht, sind gut vorstellbar", signalisiert sie Bereitschaft zu bewährten Mechanismen, mit denen Athletinnen seit Jahren mehr als nur das Interesse von Sportjournalisten wecken.

Mit rotem Tuch, roten Haaren und bisweilen pfiffigen Antworten fällt sie im deutschen Biathlon-Team sehr wohl auf. Vor allem neben Andrea Henkel, der anderen Einzel-Olympiasiegerin. Die wurde ob ihrer müde machenden Statements ("Ich möchte gut laufen und gut schießen") in Salt Lake City schon als "Henkel-Trocken" verspottet. Bei Wilhelm hingegen wird die locker-flockige Selbsteinschätzung ("Direkt, lustig, offen, gut gelaunt.") auch von anderen geteilt.

Müßiggang hat nichts gegen einen Hauch von Glamour

Bundestrainer Uwe Müßiggang traut seinem neuen Aushängeschild zu, bei der Vermarktung erfolgreich abzuschneiden. "Die Fotos waren sehr gut. Sie hat eine positive Ausstrahlung, mit der sie gut ankommt", urteilt er und hat nichts dagegen, wenn demnächst auch in seiner Sportart ein Hauch Glamour Einzug hält. "Wenn", und das muss er als Coach sagen, "der Sport nicht darunter leidet."

Beim Biathlon wurden unter anderem neue Disziplinen, Kaliber und Startzeiten eingeführt. Mit Erfolg. Inzwischen erreichen die Athleten Einschaltquoten, die früher unvorstellbar waren. "Bei den Frauen hieß es doch immer, jetzt kommen die Flintenweiber. Da sind die Zuschauer nach Hause gegangen", erinnert sich Müßiggang. Das Miteinander mit dem Fernsehen zahlt sich aus, es werden 12 000 Euro pro Weltcupsieg gezahlt. Doch er warnt: "Gerade bei den Startzeiten müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu sehr fremdgesteuert werden." Die Sportart ist vor allem eine deutsche Veranstaltung. "Wohl und Wehe vom Biathlon hängt in erster Linie von den Deutschen ab", befindet Müßiggang. Deutsche Sponsoren und TV-Sender bringen das Geld - freilich nur solange deutsche Athleten erfolgreich sind.

Am Mittwoch (19 Uhr MEZ) kann die Herrenstaffel noch das i-Tüpfelchen auf die Winterspiele setzen, die die eigenen Erwartungen weit übertroffen haben. Natürlich auch die von Kati Wilhelm, die laut Bundestrainer "die Mentalität zum Schießen" hat. In Soldier Hollow (Soldatenmulde) stellte die Bundeswehrangehörige diese Mentalität in den vergangenen Tagen eindrucksvoll unter Beweis. Werner Köster war übrigens einer der ersten Gratulanten.

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