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06.01.2003

08:30 Uhr

Von geopolitischer Entwicklung hängt ab, wann globaler Zinssenkungszyklus endet

Irak-Konflikt erschwert weltweit geldpolitische Prognosen

Ist der Zinssenkungszyklus weltweit beendet, oder werden die großen Notenbanken die Zinszügel weiter lockern? Diese Frage wird die Finanzmärkte in den kommenden Wochen in Atem halten. Erste Hinweise könnte der 9. Januar bringen.

mak FRANKFURT/M. Am Donnerstag tritt nicht nur der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen, um über die Zinspolitik zu beraten, sondern auch der geldpolitische Rat (MPC) der Bank of England (BoE). Am 21./22. Januar tagt das Entscheidungsgremium der Bank of Japan (BoJ) und eine Woche später der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank, Fed.

Zur Zeit wird allgemein erwartet, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr spürbar anziehen wird. Voraussetzung: Die geopolitischen Unsicherheiten, die derzeit die wirtschaftliche Aktivität drosseln, werden zügig ausgeräumt. "Dann wären keine weiteren Zinssenkungen zu erwarten", sagte Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteilung beim Kieler Institut für Weltwirtschaft, dem Handelsblatt. Auch die Deutsche Bank geht davon aus, dass dann der Zinssenkungszyklus in den drei großen Wirtschaftsblöcken - USA, Euro-Raum und Japan - abgeschlossen ist. Die große Unbekannte bleibt freilich der Irak-Konflikt. Ein Konflikt mit Nordkorea ist nicht auszuschließen.

Für den Euro-Raum hat Bundesbankpräsident Ernst Welteke die Hoffnung auf eine weitere geldpolitische Lockerung zunächst gedämpft. "Wir haben am 5. Dezember den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,75 % gesenkt. Deshalb sehe ich keinen Grund, aktuell über neue Zinsveränderungen zu spekulieren", sagte das deutsche Mitglied im EZB-Rat. Einschließlich der Zinssenkung Anfang Dezember hat die EZB ihren Schlüsselzins seit Mai 2001 in fünf Schritten um insgesamt 200 Basispunkte zurückgenommen. Nur von April bis November 1999 war er mit 2,5 % niedriger als heute. Welteke ist zuversichtlich, dass die Konjunktur im Verlauf von 2003 anspringt, verweist aber auf die Unwägbarkeiten einer kriegerischen Auseinandersetzung.

Die Fed bezeichnete in ihrem Zinsbeschluss vom 6. November die Risiken für Inflation und Wachstum als ausgeglichen, obwohl das FOMC für die folgenden Monate von schwachem Wachstum ausging. Es sollte vermieden werden, dass die Märkte weitere Zinssenkungen erwarteten. "Seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage in den USA nicht weiter verschlechtert", urteilt Theodor Schonebeck, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Sie hat sich aber auch nicht verbessert. Die Konjunkturindikatoren sind durchwachsen. Sie zeigen weder ein erneutes Abrutschen der Wirtschaft noch ein Anspringen an. "Vermutlich wird die Fed deshalb die Zinsen nicht ändern, um sich für den Fall eines erneuten Rückschlags das Pulver trocken zu halten", meint Scheide. Seit Anfang November liegt der Zielsatz für Tagesgeld bei 1,25 %. Das ist das niedrigste Niveau seit 1961. Die Fed reduzierte ihren Leitzins seit Januar 2001 in zwölf Schritte um insgesamt 525 Basispunkte. Nach Ansicht von Scheide wird sich bald zeigen, "ob die Schwarzmaler Recht behalten und die US-Konjunktur nochmals einbricht. Ich bin der Meinung, dass sie demnächst durchstarten wird."

Die Situation in Großbritannien ist umstritten. Die BoE hält den Reposatz seit November 2001 bei 4 % - nicht zuletzt aus Sorge über die stark steigenden Immobilienpreise. "Diese Sorge wird bleiben", erklärte Scheide. Gegen eine geldpolitische Lockerung spreche zudem die wieder anziehende Inflationsrate. Im Übrigen laufe die Konjunktur in Großbritannien besser als im Euro-Raum. Schonebeck konstatiert dagegen eine nachlassende Dynamik der Konsumnachfrage. Wenn diese Schwäche anhalte und den Arbeitsmarkt beeinträchtige, sei mit Zinssenkungen zu rechnen - zwei im ersten Halbjahr um je 25 Basispunkte. Die BoE startete den Zinssenkungszyklus Anfang 2001 mit 6 %. Sie senkte in sieben Schritten.

Die japanische Notenbank kann die Zinsen nicht weiter senken. Sie liegen bereits bei Null. Die BoJ wird bemüht sein, den Märkten weiterhin kräftig Liquidität zuzuführen. Sie tritt damit auch einer weiteren Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar entgegen.

Quelle: Handelsblatt

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