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24.07.2000

19:00 Uhr

Von Haeften übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat

Conradi verliert Machtkampf um Metro

Nach wochenlangen Spekulationen um die Zukunft des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro haben die Hauptgesellschafter am Montag ein Machtwort gesprochen. Die Metro AG wird nicht an den US-Handelsriesen Wal-Mart verkauft. Damit sind auch die Befürchtungen zerstreut, die Amerikaner könnten den Konzern zerschlagen.

rv DÜSSELDORF. "Die originären Gesellschafterstämme Otto Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck (sie halten zusammen über 60 % des Metro-Kapitals; Anm. d. Red.) werden ihre Zusammenarbeit auf unbefristete Zeit weiter fortsetzen", heißt es in einem Statement. Die drei Mehrheitsaktionäre, die sich bereits am vergangenen Donnerstag zur Beratung getroffen hatten, gaben noch eine wichtige Weichenstellung bekannt: Erwin Conradi, Erbauer und Lenker des Metro-Konzerns, muss seinen Hut nehmen.

Schlussstrich unter den Machtkampf

Er wird zum 1. August von seinen Funktionen als Aufsichtsratschef der Metro AG, als Geschäftsführer der Metro Vermögens Verwaltungs KG (VVKG) und als Präsident der Generaldirektion der Metro Holding AG, die die Beteiligungen der Gesellschafter bündelt, zurücktreten.

Damit ziehen die Gesellschafter einen Schlussstrich unter den Machtkampf, der seit Monaten zwischen dem Vorstand der Metro AG und seinem Aufsichtsratschef Conradi über den Kurs des Handelskonzerns tobt. Während der Vorstand das Unternehmen nach seiner Konzentration auf vier Kerngeschäftsfelder - Cash & Carry, Warenhäuser, Fachmärkte und Lebensmitteleinzelhandel - zunächst konsolidieren und auf eine gesunde Basis stellen will, wollte Conradi die Internationalisierung beschleunigen. Zudem tut sich Conradi, der 1971 als Generalbevollmächtigter zur Metro-Gruppe gekommen war, sehr schwer, die Macht über das Unternehmen dem Vorstand zu überlassen. Er fühlt sich - einem Firmengründer gleich - der Metro auch persönlich eng verbunden.

Nachdem Metro-Gründer Otto Beisheim Anfang der 70er-Jahre Erwin Conradi die Führung des damals ausschließlich auf Cash & Carry konzentrierten mittelständischen Unternehmens übergab, machte er durch spektakuläre Übernahmen wie der Kaufhof AG, Hurler, Massa, Asko - um nur einige zu nennen - daraus mit 90 Mrd. DM Umsatz den größten Handelskonzern Europas und die Nummer zwei weltweit. 1996 krönte Conradi sein Werk mit der Fusion aller Beteiligungen zur Metro AG. Erst der Zusammenschluss der Franzosen Carrefour mit Promodès verwies Metro - zumindest derzeit - auf den zweiten Platz in Europa. Sie erzielte 1999 - nach Bereinigung ihres Portfolios - einen Umsatz von 85,7 Mrd. DM.

Nun geht die Ära Conradi zu Ende, obwohl dieser die Metro nicht vollständig verlassen wird. "Zug um Zug", so heißt es in der Mitteilung weiter, werde Conradi die Gesellschafterinteressen von Otto Beisheim "an seiner Statt" in den Organen der Metro Holding AG und der Metro VVKG wahrnehmen "und damit entscheidend mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden bleiben". Conradis Position als Aufsichtsratschef der Metro AG soll der Vertreter des Metro-Gesellschafters Haniel, Jan von Haeften, übernehmen. Der 69-Jährige ist derzeit bereits Präsident des Verwaltungsrates der Metro Holding AG, die ihren Sitz im Schweizer Zug hat, und Aufsichtsratschef der Duisburger Franz Haniel & Cie. Mit dieser Ernennung von Haeftens solle den Beschlüssen der Gesellschafter Nachdruck verliehen werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Zum Hintergrund: In der Presse war immer wieder kolportiert worden, dass sich die mit über 200 Mitgliedern weit verzweigte Familie Haniel von ihrem Metro-Engagement trennen wolle.

Was für den Betriebsfrieden der Düsseldorfer Metro AG sicherlich zuträglich ist, war für den Kurs der Aktie gestern nicht positiv. Er sackte nach der Klarstellung der Metro-Gesellschafterphasenweise um 11 % auf etwa 42 Euro ab. Die Reaktion sei durchaus nachvollziehbar, urteilt Analyst Herbert Sturm von der Frankfurter DG Bank. Bevor die Gerüchte aufkamen, Metro wolle seine SB-Warenhaus-Tochter Real an den britischen Einzelhandelskonzern Tesco Plc verkaufen oder die Wal-Mart Inc. wolle gleich den gesamten Metro-Konzern übernehmen, um an Real heranzukommen, habe das Papier bei nur 34 Euro notiert. Der Höhenflug auf phasenweise 48 Euro sei allein von den Gerüchten ausgelöst worden.

Ohne diese belebende Wirkung werde sich die Metro-Aktie bis zum Jahresende mit einem Plus von vorsichtig geschätzten 5 % unterdurchschnittlich zum Dax entwickeln, dem er einen Zuwachs von 10 % prognostiziert, glaubt Sturm. Der Handelskonzern könne jedoch selbst für einen Schub sorgen, indem er in den nächsten Quartalen gute Umsatz- und Ertragszahlen vorlege.

Die Börse hätte schon gerne gesehen, wenn sich Metro von den - derzeit noch - ertragsschwachen Töchtern Real und Praktiker (Baumärkte) trennen und sich auf Cash & Carry sowie auf seine Elektronikfachmärkte (Media/Saturn) konzentrieren würde. Andererseits gefällt DG-Bank-Analyst Sturm die klare Haltung von Metro-Vorstandssprecher Hans-Joachim Körber. Auf der Hauptversammlung im Juli hatte er mitgeteilt, dass die Umstrukturierung bei Real und Praktiker Fortschritte mache. Er hatte aber auch betont, dass die Töchter zwei Jahre Zeit hätten, um die gesteckten Ertragsziele zu erreichen. Andernfalls werde sich der Metro-Konzern davon trennen. Der heutige Verlauf der Metro-Aktien - Intraday-Chart

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