Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2003

15:17 Uhr

Von vier geplanten neuen Mehrzweckhallen wird zunächst eine gebaut

Düsseldorf putzt sich raus für Olympia 2012

VonAxel Granzow

Düsseldorf setzt erfolgreich auf Konsolidierung und den Ausbau der bewährten Leitmessen. Große Pläne werden trotzdem geschmiedet. Das Messegelände wird modernisiert und erweitert. Kongresshotel und Arena sollen die Attraktivität noch steigern. Nur eine Kleinigkeit fehlt noch: das Geld.

DÜSSELDORF. Im Altertum galt ein Kranz aus den Zweigen des Lorbeerbaumes als Zeichen des Ruhms. Ihn zu erlangen, sagt Wilhelm Giese, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf GmbH, sei eine Leistung gewesen. Ihn zu behalten, eine große Herausforderung. Ein wahrhaft olympisches Motto, dass sich der Düsseldorfer Messemacher da auf die Fahnen geschrieben hat. Kein Zufall, sondern eher ein wenig Marketing. Denn die Rhein-Metropole, Hauptgesellschafterin der Messe, liebäugelt mit der Olympiade 2012 und will Austragungsort werden.

Ohne Olympia-Rhetorik klingt Gieses-Ziel auf Messe-Deutsch dagegen bescheidener: "Optimierung des Messegeländes und Sicherung der Leitmessen". Ein hohes Ziel, meint jedoch Werner Matthias Dornscheidt, derzeit noch Messechef in Leipzig und spätestens ab 2004 Nachfolger Gieses. Angesichts der konjunkturellen Krise sei es schwer genug, dass Geschäft auf dem bisherigen Niveau zu halten. Dornscheidt hält es daher für erforderlich, die Servicequalität zu verbessern und vor allem das Messegelände auf den neuesten Stand zu bringen. Er weiß, wovon er spricht. Der 48-jährige Messefachmann hat über 20 Messe-Jahre in Düsseldorf verbracht, bevor er 1999 nach Leipzig wechselte.

Gieses Leistung ist bei näherer Betrachtung dann wohl doch olympiareif: 2002 war für die Messe Düsseldorf trotz Konjunkturkrise ein Rekordjahr. Unter Gieses Führung hat sich die Messe von einem verlustreichen Ausflug in das Eventgeschäft mit dem Raumschiff "Star Trek" und dem Untergangs-Dampfer "Titanic" erholt. Nach dem vorläufigen Ergebnis, das dem Handelsblatt vorliegt, hat die Messe auf 38 Veranstaltungen 1,36 Mill. qm Fläche an 30 000 Aussteller vermietet. Trotz Flaute eine deutliche Steigerung gegenüber dem Rekordjahr: In 2000 wurden auf 43 Messen nur 1,29 Mill. qm an 29 600 Aussteller vermietet.

Giese dürfte damit seinem Ziel nahe gekommen sein, 2002 mit einem Umsatz von 260 Mill. Euro ein deutlich positives Jahresergebnis zu erreichen. Im Vorjahr betrug der Verlust bei einem Umsatz von 210 Mill. Euro noch 5,8 Mill. Euro.

Allerdings war 2002 im Gegensatz zu 2001 ein starkes Messe-Jahr. Herausragende Veranstaltung war die nur alle drei Jahre stattfindende Verpackungsmesse Interpack, die leichte Zuwächse verzeichnete. Doch auch Veranstaltungen wie die Medizintechnik-Messe Medica und die Weinmesse Prowein verzeichneten zum Teil deutliche Steigerungen bei Ausstellern und Besuchern. In den nächsten Tagen will die Messe ihre Zahlen für 2002 im Detail vorlegen.

Kein Wunder also, dass in Düsseldorf weiterhin große Pläne geschmiedet werden. Angeführt von Messe-Aufsichtsratschef Joachim Erwin, gleichzeitig Oberbürgermeister der Stadt, arbeiten die Düsseldorfer an dem ganz großen Wurf. Mit einem Investitionsvolumen von über 600 Mill. Euro will sich die Messe fit für den schärferen Wettbewerb der Messegesellschaften in Deutschland machen. Giese weiß, "um als Unternehmen auf Dauer Erfolg zu haben, braucht man Ausdauer, Mut und Visionen."

Wo das Geld fehlt, ist bekanntlich an Visionen kein Mangel. Das gelte auch für Düsseldorf, mosern die Kritiker. Mit dem Investitionsprogramm zur Modernisierung und Erweiterung soll die Hallenkapazität auf 290 000 qm ausgebaut werden. Dazu sollen im Norden der Messe vier neue Mehrzweckhallen mit jeweils 13 500 qm Fläche entstehen und alte Hallen generalüberholt und ausgebaut werden. 2003 soll bereits mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden.

Mit der gegenwärtigen Ausstellungsfläche von 234 000 qm verfügt das Unternehmen bereits über das viertgrößte Messeareal in Deutschland.

Um das Messegelände herum sind der Neubau eines Luxushotels und eines Kongresszentrums sowie eine moderne Arena geplant. Zwar fehlt für beide Projekte noch der Betreiber bzw. der Investor, doch wurde das in die Jahre gekommene Rheinstadion neben den Messehallen von Sprengmeistern bereits in Schutt und Asche zerlegt.

Und die Messemacher haben die Arena schon fest in ihr Programm aufgenommen. Dass sich Düsseldorf im Eventgeschäft eine blutige Nase geholt hat, ist längst verdrängt. Zwar spielt Fortuna Düsseldorf nur noch in der Oberliga Fußball, doch hält sich zum Beispiel die Idee einer Fußball-Messe plus Spiele-Event in der Arena hartnäckig. Großveranstaltung ist für Messemacher eben ein Zauberwort.

Beim Thema Finanzierung aber wird es leiser am Rhein. "Eine große Herausforderung", so die offizielle Sprachregelung. Im Klartext: Von den über 600 Mill. Euro für den Ausbau des Messegeländes sollen gerade einmal 300 Mill. Euro sicher sein. Dieses Geld ist ausschließlich für die Renovierung und den Ausbau der vorhandenen Hallen vorgesehen.

Die Neubaupläne sind daher erst einmal auf Eis gelegt: Nur noch eine von vier neuen Hallen soll bis 2005/2006 gebaut werden. Bis 2010 könnten dann die restlichen drei folgen. Dann steht auch fest, ob die Olympiade und damit das große Geschäft nach Düsseldorf kommt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×