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20.06.2000

15:46 Uhr

afp PARIS. Die Fusion von Vivendi, Canal Plus und der kanadischen Seagram-Gruppe, die am Dienstag verkündet wurde, kann als Paradebeispiel für Chancen und Risiken der globalen Wirtschaft gelten. Der französische Vivendi-Konzern, der seinen Reichtum ursprünglich aus dem Betrieb von Wasserwerken zog, und der Spirituosen-Gigant Seagram gehen fortan im transatlantischen Mischkonzern Vivendi Universal mit einem Umsatz von rund 55 Milliarden Euro auf. Die Angebotspalette reicht dabei von Verkehrsbetrieben und Telekom-Unternehmen über Plattenfirmen und Filmstudios bis hin zu Verlagen, TV-Sendern und Freizeitparks. Mittelfristig sollen jedoch einige Geschäftsbereiche für eine Börsennotierung ausgegliedert oder gänzlich abgestoßen werden. Im Bau- und Immobiliengeschäft wurden von Vivendi im vergangenen Jahr 10,6 Milliarden Euro umgesetzt. Die jetzt ins Zentrum gerückte Medienbranche, zu der neben mehreren Verlagen auch der Pay-TV-Sender Canal Plus, Internetdienste und die Telekomfirma Cegetel SFR gehören, trug bisher lediglich 8,7 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz bei.

Seagram erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 13,1 Milliarden Euro. Rund ein Drittel des Umsatzes wurde mit Verkauf von Hochprozentigem erzielt - mit Marken wie Chivas Regal, Absolut Vodka und Cognac Martell. Weltmarktführer ist Seagram beim Handel mit Musikaufnahmen. In diesem Geschäftsfeld wurde 1999, ein Jahr nach der Übernahme von Polygram, ein Umsatz von rund vier Milliarden Euro erzielt, unter anderem unter den Labels Universal Music, Polydor, Deutsche Grammophon, Decca Mowtown und Island. Dritter Geschäftsbereich von Seagram sind Filmstudios wie Universal Pictures mit einem Umsatzbeitrag von 3,1 Milliarden Euro. Das kleinste, aber stark gewinnträchtige Geschäftsfeld sind Anteile an Freizeitparks, die Seagram zuletzt 900 Millionen Euro Umsatz bescherten.

Der Firmenzusammenschluss wird eine weitreichende Umstrukturierung nach sich ziehen: Die Kommunikationsbereiche der beiden Konzerne sollen im neuen Mutterhaus Vivendi Universal zusammengeführt werden, der neuen Nummer Zwei der Medienkonzerne hinter AOL/Time Gut ein Drittel der Umweltsparte von Vivendi soll am 12. Juli an der Pariser Börse notiert werden. Die profitable Getränkesparte von Seagram steht zum Verkauf. Das britische Unternehmen Allied Domecq bot dafür nach Zeitungsberichten rund zehn Milliarden Euro, aber auch der französische Konkurrent Pernod Ricard könnte sich in diesen Handel einmischen.

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