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25.01.2001

17:08 Uhr

Vor Ablauf des Jahres haben die Anbieter von Steuersparmodellen Hochkonjunktur

Bescherung vom Fiskus

Vor Ablauf des Jahres haben die Anbieter von Steuersparmodellen Hochkonjunktur. Viele Anleger zeichnen mitten im Weihnachtsstress noch schnell eine Beteiligung. Die Freude daran währt manchmal nur kurz.

pbs/rrl DÜSSELDORF. Die Freude daran währt manchmal nur kurz. Was haben Bücher und Steuersparmodelle gemeinsam? Das beste Geschäft wird in der Vorweihnachtszeit gemacht. In diesem Jahr ist das Steuerthema besonders wichtig - denn manche Chancen gibt es zum letzten Mal. Bundesinanzminister Hans Eichel hat mit Paragraf 2 b des Einkommensteuergesetzes eine Regelung ins Leben gerufen, die für Verlustzuweisungsgesellschaften das Aus bedeuten soll (siehe Seite 3). Vorbei sind dann die Zeiten, da Steuersparer durch Beteiligungen an geschlossenen Schiff-, Flugzeug- oder Filmfonds gewaltige Verlustzuweisungen so ohne weiteres mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten verrechnen können. Eine Übergangsregelung (§ 52 Abs. 4 Einkommensteuergesetz) sorgt noch für Ausnahmen, von denen beispielsweise Leasing-Fonds profitieren. Ab 1. Januar ist es damit aber vorbei.

Eine Überlebens-Chance haben dann nur noch Fonds, bei denen die Rendite nach Steuern weniger als das Doppelte der Vor-Steuer-Rendite beträgt. Nichts leichter als das, haben sich da einige Anbieter gedacht und ihre Konzepte neu ausgerichtet. Das Wort "Verlustzuweisung" ist tabu. Statt dessen wird das Streben nach Rendite gebetsmühlenhaft wiederholt. Verluste gibt es de facto aber immer noch. Sie sind jedoch oft geringer als früher und werden in den Prospekten nur unauffällig ausgewiesen.

Die Zukunftsaussichten der einzelnen Beteiligungs-Modelle sind unterschiedlich: Enorme Zuwachsraten erwartet Stefan Loipfinger, Fonds-Analyst aus Griesstätt, im kommenden Jahr bei Venture-Capital-Fonds, die aber in der Regel gar keine steuerlichen Verluste ausweisen. Das Geschäft mit dem Mobilienleasing-Fonds dürfte sich dagegen eher rückläufig entwickeln, ganz eingehen werden Film-Leasingfonds. Allerdings dürften mehr Anleger ihr Geld in Film-Produktionsfonds stecken. Auf hohem Niveau stagnieren werde die Anzahl der Schiffsfonds, erwartet Loipfinger.

Für welchen Bereich sich der Anleger auch entscheidet, immer wird er Mitunternehmer und steht damit voll im Risiko. Zudem müssen die Anteile an den geschlossenen Fonds oft viele Jahre gehalten werden, bevor sie gekündigt werden können. Theoretisch könnte der Anleger sie vorher verkaufen. Doch in der Praxis funktioniert das nicht, weil es keinen institutionalisierten Zweitmarkt gibt.

Ob die Rechnung der Fondsanbieter auch im Sinne des Anlegers aufgeht, ist schließlich fraglich. Zwar ist der Steuerspareffekt am Anfang der Laufzeit verlockend. Doch den gibt es nicht zusammen mit hohen jährlichen Ausschüttungen. Ohnehin basieren die vorteilhaften Renditeberechnungen allesamt auf unverbindliche Prognosen. Wenn die nicht eintreffen, laufen die Verluste am Ende länger, als dem Fondszeichner lieb ist. Denn wer kann schon im Voraus abschätzen, zu welchem Preis am Ende der Fondslaufzeit eine Immobilie oder ein Schiff verkauft wird? Damit bleibt auch die Frage offen, ob die Rendite den Risiken angemessen ist. Die Grundkonstruktion der Fonds ist überall recht ähnlich. Zunächst wird viel Geld investiert - daraus resultieren die steuerlichen Verluste. Bei Filmproduktionen werden die gesamten Kosten noch im selben Jahr als Verluste wirksam. Bei Immobilien oder "Mobilien" wie Flugzeugen hingegen werden die Investitionen zunächst als "Aktiva" bilanziert und dann möglichst schnell abgeschrieben. Diese Abschreibungen erscheinen auch wieder als Verluste oder mindern zumindest den Gewinn. Im Laufe der Jahre soll die Investition einen Überschuss abwerfen, aus dem die laufenden Ausschüttungen gezahlt werden. Am Ende wird das Objekt verkauft - und das bringt erst den großen Gewinn.

Beim Vergleich der Angebote sollte auf die so genannten "weichen Kosten" geachtet werden. Darin enthalten ist alles, was mehr mit dem Fonds selbst und seiner Vermarktung als mit der eigentlichen Investition zusammen hängt. Diese Kosten führen zwar auch zu steuerlichen Verlusten. Aber ihnen steht kein Wert gegenüber - denn niemand würde für eine Immobilie mehr bezahlen, bloß weil sie über einen Fonds finanziert wurde.

Oft haben Bücher und Steuersparmodelle noch eines gemeinsam: Kurz vor Weihnachten geht über den Ladentisch, was schon vor Wochen von der Kritik zerrissen wurde. Die einen kaufen trotzdem, weil sie nicht mit leeren Händen vor den Weihnachtsbaum treten wollen. Die anderen - manchmal unbedacht - weil sie nicht am Jahresende mit vollen Taschen dem Fiskus in die Arme laufen möchten.

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