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11.03.2003

19:37 Uhr

Vor allem hoch verschuldete Unternehmen verstärkt unter Druck

Firmen informieren Banken besser als Aktionäre

Banken und Sparkassen erhalten von börsennotierten Unternehmen mehr Informationen als deren Aktionäre. "Wenn eine gewisse Verschuldung des Unternehmens vorliegt, werden Quartalsberichte vorab rausgegeben oder monatliche Cash-Reports vorgelegt, die der normale Aktionär nicht bekommt", sagt Jochen Mathée von der Fondsgesellschaft Invesco dem Handelsblatt.

scc FRANKFURT/M. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage kleinerer und mittlerer Aktiengesellschaften zögen deutsche Banken die Zügel bei ihren Kreditkunden an und forderten immer mehr Informationen. Dies gelte besonders für relativ hoch verschuldete Firmen.

Mathée kennt nach eigenen Angaben 15 Fälle von deutschen Small- und Midcaps, die ihre Kreditgeber vorab mit Informationen versorgen. "Wer einmal umgekippt ist und Zusatzinformationen weitergegeben hat, der macht das auch weiterhin", sagt Mathée. Es sei eindeutig, dass die Zahl der Firmen zunehme, die ihre Aktionäre schlechter informieren als ihre Kreditgeber. Andere Fondsgesellschaften bestätigen, dass ihnen solche Fälle ebenfalls bekannt sind. Da beispielsweise Quartalsberichte nicht von vorneherein ad-hoc-pflichtig sind, stellt eine Vorabinformation nur dann einen Straftatbestand dar, wenn der Kreditgeber Zusatzinformationen bekommt, die dem Markt völlig unbekannt sind.

Die Banken wollten sich zu den Vorwürfen gestern nicht konkret äußern. Ein Sprecher einer Großbank sagte nur, Firmenkundenbetreuer hätten schon immer ein engeres Verhältnis zu ihren Kreditkunden gehabt, als dies ein Aktionär jemals haben könne. Schließlich sprächen Bank und Kreditnehmer ständig miteinander. Dagegen kritisierten Aktionärsschützer die Vorabinformation der Banken und Sparkassen scharf. Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) fordert den Gesetzgeber auf, die Ungleichbehandlung möglichst bald zu beenden. Dies könne zum Beispiel im Rahmen des so genannten Finanzmarktförderplans geschehen, der noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll.

Als einziger Fall publik geworden ist bislang das Vorgehen des früher am Neuen Markt gelisteten Freiburger Biotech-Unternehmens Biotissue. Im vergangenen Jahr ließ es seine Aktionäre auf der Hauptversammlung darüber abstimmen, ob der örtlichen Sparkasse wie zu GmbH-Zeiten zusätzliche Informationen gewährt werden dürfen. Die Aktionäre stimmten dem zu.

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