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25.05.2000

13:00 Uhr

Vor Beginn der letzten Ordentlichen Hauptversammlung

Veba sieht Hürden für Fusion mit Viag ausgeräumt

Veba-Chef Ulrich Hartmann zeigt sich zuversichtlich auf der letzten Veba-Hauptversammlung vor der Fusion.

Reuters ESSEN. Die Veba AG sieht alle Hürden auf dem Weg zu ihrer Fusion mit der Viag AG überwunden. Die Bedenken der EU-Kommission seien durch entsprechende Zugeständnisse der künftigen Partner ausgeräumt worden, sagte Veba-Vorstandschef Ulrich Hartmann am Donnerstag auf der letzten Veba-Hauptversammlung vor der angestrebten Fusion in Essen. Veba/Viag werden sich demnach von ihren Beteiligungen an den deutschen Energieunternehmen VEAG/Laubag, Bewag, HEW und VEW trennen. Die nicht mehr zum Kerngeschäft der künftigen E.ON AG gehörende Veba Electronics stehe kurz vor dem Verkauf. Die geplante Abgabe weiterer Anteile an der Tochter Stinnes wird verschoben.

Über den Verkauf der Beteiligungen hinaus werden Veba und Viag als neue E.ON AG keine Transitgebühr im deutschen Stromhandel mehr erheben, sagte Hartmann. Die derzeit gültige so genannte Verbändevereinbarung teilt Deutschland in zwei Zonen und sieht bei Überschreitung der Zonengrenze eine Gebühr vor. Diese Praxis war von der EU-Kommission als Einschränkung des Wettbewerbs kritisiert worden. Die Zusagen bewegten sich im Rahmen der Erwartungen, sagte Hartmann. Ihre wirtschaftlichen Auswirkungen seien von Veba und Viag einkalkuliert worden. Mit der Entscheidung der EU-Kommission wird am 7. Juni gerechnet. Bei Genehmigung soll der Zusammenschluss schnellstmöglich ins Handelsregister eingetragen werden und rückwirkend zum 1. Januar 2000 gelten. Die Aktionäre von Veba und Viag hatten der Fusion bereits im Februar auf außerordentlichen Hauptversammlungen zugestimmt.

Die Fusion wird Hartmann zufolge erschwert durch eine enttäuschende Energiepolitik in Deutschland. So würden nach der völligen Liberalisierung inzwischen wieder "Schutzzäune für erneuerbare Energien" geschaffen und die Kraft-Wärme-Kopplungs- Anlagen bevorzugt. "Die einen müssen im Wettbewerb bestehen, die anderen erhalten staatlich garantierte Renditen", sagte Hartmann. Er beklagte außerdem, dass heimischen Energiekonzernen mit Fusionsabsichten hohe Auflagen von den Wettbewerbshütern gemacht werden, Konkurrenten aus Ländern mit weitgehend geschlossenen Strommärkten aber der gesamte deutsche Markt für Stromlieferungen und Beteiligungen offenstehe.

In der strittigen Frage des Ausstiegs aus der Kernenergie bekräftigte Hartmann, man werde eine Laufzeitbegrenzung für Kernkraftwerke auf 30 Jahre nicht akzeptieren. Auch Mengenkontingenten, die einer Laufzeit von 30 Jahren entsprechen, werde nicht zugestimmt. Inzwischen wird zwischen Atomwirtschaft und Politik statt einer Festlegung auf Betriebsjahre über Strom-Mengenkontingente verhandelt, die von den Betreibern frei auf ihre Kraftwerke verteilt werden können. Trotz allem gebe es Fortschritte in den Gesprächen. Der große Durchbruch stehe zwar noch aus. "Aber er war auch noch nie so nah", sagte Hartmann.

Der Verkauf der Tochter Veba Electronics steht nach Hartmanns Angaben bald bevor. Man sei in vielversprechenden Verhandlungen. Die Veräußerung werde begünstigt durch die rasante Gewinnsteigerung dieses Distributors. Bei der US-Tochter MEMC würden auch alle Optionen für einen Ausstieg geprüft. Verschieben wird sich Hartmann zufolge die zunächst für den Herbst geplante Abgabe weiterer Anteile am Logistik-Konzern Stinnes. Als Grund nannte er die Konkurrenz großer Emissionen wie der Deutschen Post und der Deutschen Telekom.

Veba geht mit einem Rekordgewinn in die Fusion mit Viag. 1999 erzielte der Düsseldorfer Konzern vor allem dank Buchgewinnen aus dem Verkauf von Beteiligungen einen Gewinn vor Steuern von vier Mrd. Euro. Buchgewinne waren auch maßgeblich für den Anstieg des Vorsteuergewinns auf fünf Mrd. Euro im ersten Quartal 2000 verantwortlich.

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