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27.01.2003

17:30 Uhr

Vor dem Bericht der UNO-Inspektoren

Gold steigt auf neues Sechsjahreshoch

Gold hat sich am Montag im europäischen Geschäft weiter verteuert und im Verlauf mit 372,55 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit Dezember 1996 markiert. Händler verwiesen auf die zunehmende Angst vor einem Krieg in Irak, auf den anhaltend schwachen Dollar und die hohen Verluste der Aktienmärkte.

Reuters LONDON/ZÜRICH. Zum europäischen Handelsschluss lag der Goldpreis auf 370,20/371,00 nach 369,10/369,90 Dollar am Freitagabend in New York. Das zweite Londoner Fixing lautete auf 368,50 Dollar. Das Vormittagsfixing war auf 370,80 Dollar erfolgt, dem höchsten Niveau seit 6. Dezember 1996. Am Freitagnachmittag war das gelbe Metall mit 366,00 Dollar gefixt worden.

"Harte Kommentare von (US-Außenminister) Colin Powell und Besorgnis vor der Präsentation von Hans Blix (Chef der UNO-Waffeninspektoren) vor dem Sicherheitsrat werden den Goldtopf kochend halten," hieß es in einem Kommentar der Standard Bank.

Powell hatte am Sonntag die Bereitschaft der USA zu einem Militärschlag gegen den Irak auch ohne Unterstützung der internationalen Gemeinschaft bekräftigt. Wenn nicht Aufschluss, so doch Hinweise über die weitere Entwicklung der politischen Krise erwarteten die Marktteilnehmer von der Präsentation des Berichts der UNO-Inspektoren über das Waffenprogramm des Iraks. Der Bericht wurde zum europäischen Geschäftsschluss präsentiert. Am Dienstag wird dann US-Präsident George W. Bush eine Rede halten von der Hinweise auf das weitere Vorgehen der USA in der Irak-Krise erwartet werden.

Gold ist in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Unsicherheiten traditionell als "sicherer Hafen" gefragt.

Daneben wurde das gelbe Metall nun auch von sinkenden Aktienkursen beflügelt. Der DJ Stoxx50-Index und der FTSE Eurotop 300-Index sanken vorübergehend auf den tiefsten Wert seit knapp sechs Jahren. Schwächere Aktien stärken die Position der Anlage Gold, die normalerweise zwar als Wert erhaltend, jedoch auch als renditeschwach gilt.

Der weiter nachgebende Dollar beeinflusste Gold ebenfalls positiv. Eine schwache US-Devise macht das in Dollar angeschriebene Edelmetall für Investoren von ausserhalb des Dollarraumes attraktiver.

Angesichts dieser Entwicklungen erwarteten Marktbeobachter kurzfristig weitere Kursavancen bei Gold. "Diese Woche könnten wir bei Gold problemlos weiter Gewinne sehen, mit einem möglichen Test der Marke bei 385 Dollar als Folge der heutigen Sitzung (des UNO-Sicherheitsrates)," sagte ein Analyst von TheBullionDesk.com. Auch John Reade von UBS Warburg erklärte: "Solange die geopolitische Spannung weiter steigt, ist es schwer zu sehen, warum der Goldpreis zurückgehen könnte, vor allem wenn sich der Dollar weiter abschwächt."

Es gab aber auch skeptische Stimmen. Gold könnte in den kommenden Monaten in eine Krise geraten, wenn der Kriegsaufschlag nicht mehr gerechtfertigt sei, hiess es bei Barclays Capital. "Wenn die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Irak schwindet, erwarten wir, dass die gegenüber der Euro-Zone stärkeren US-Fundamentalfaktoren, speziell die höhere Produktivität und die besseren Wachstumsaussichten, zu einer Erholung des Dollar führen," hiess es in einem Marktkommentar der Bank. Dies würde Gold belasten.

Daneben dürften die Rahmenbedingungen auch zukünftig gegen Gold sprechen. Einerseits geht die Bank davon aus, dass viele Investoren bei einer konjunkturellen Erholung wieder auf Unternehmenspapiere umsteigen, und andererseits dürften höhere Zinsen das Halten von Gold verteuern.

Silber legte zunächst ebenfalls zu, notierte zuletzt aber mit 4,81/4,83 (Freitagsschluss New York 4,87/4,89) Dollar schwächer. Platin tendierte eine Spur leichter bei 643/648 (644/649) Dollar und Palladium stand bei 260/267 (262/267) Dollar.

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