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07.01.2003

10:40 Uhr

Vor Strafmaßnahmen im Atomstreit gewarnt

Nordkorea: "Sanktionen bedeuten Krieg"

Im Streit um sein Atomprogramm hat Nordkorea die USA vor Wirtschaftssanktionen gegen das kommunistische Land gewarnt. "Sanktionen bedeuten Krieg und der Krieg kennt keine Gnade", meldete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag .

Reuters SEOUL. Die Agentur bezog sich damit auf das vorübergehende Festhalten eines nordkoreanischen Schiffes mit Raketen für den Jemen durch die USA im Dezember. Zugleich forderte Nordkorea erneut Gespräche mit den USA, um den Konflikt zu beenden. US-Präsident George W. Bush bekräftigte am Montag seine Absicht, in dem Streit mit Nordkoreas auf einen Dialog zu setzen. Zuvor müsse Nordkorea jedoch sein Atomwaffenprogramm beenden, betonte ein Vertreter des US-Präsidialamtes. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA räumte Nordkorea eine letzte Chance ein, ihre ausgewiesenen Inspektoren wieder ins Land zu lassen.

Dass sich die USA das Recht herausnähmen, Schiffe zu stoppen, sei ein Beweis für ihre unrechtmäßige, unmenschliche und feindliche Politik gegenüber Nordkorea, meldete KCNA. Solch eine Piraterie sei Teil der US-Politik mit dem Ziel, Nordkorea mit Wirtschaftssanktionen zu isolieren. Doch Sanktionen bedeuteten Krieg ohne Gnade. "Die USA sollten sich für einen Dialog mit Nordkorea entscheiden, nicht für Krieg, sicher wissend, dass sie für solch rücksichtslose Taten einen sehr hohen Preis bezahlen werden", hieß es weiter.

Spanische Kriegsschiffe hatten als Teil der von den USA geführten Allianz gegen den internationalen Terrorismus im vergangenen Monat ein nordkoreanischen Schiff mit 15 "Scud"-Raketen an Bord im Arabischen Meer aufgebracht. Zwei Tage später hatten die USA erklärt, dass die Raketen-Lieferung an Jemen legal sei und dem Frachter die Weiterfahrt gestattet.

USA wollen den Konflikt diplomatisch lösen

Die USA bekräftigten am Montag, zur Lösung des Konflikts um das Atomwaffenprogramm Nordkoreas auf Gespräche zu setzen. "Wir werden einen Dialog haben", sagte Bush nach einer Sitzung seines Kabinetts in Washington. Nordkorea hat US-Angaben zufolge eingestanden, in Verletzung eines Abkommens mit den USA von 1994 ein Atomwaffen-Programm betrieben zu haben. Die USA und Westeuropa stellten daraufhin die in dem Abkommen zugesagten Öllieferungen an das Land ein. Unter Verweis auf den dadurch entstandenen Energiemangel plant Nordkorea nun, einen stillgelegten Reaktor wieder anzufahren, in dem nach IAEA - Angaben waffentaugliches Plutonium hergestellt werden kann.

Bush ging nicht darauf ein, wie der Dialog mit Nordkorea aussehen werde, er betonte jedoch, die USA hätten nicht die Absicht, in das Land einzumarschieren. Die USA rechnen Nordkorea mit Irak und Iran zu einer "Achse des Bösen" und verdächtigen die Länder, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln. Wegen dieses Vorwurfs haben die USA Irak einen Militärschlag angedroht.

In den USA sollte ein Gesandter Südkoreas am Dienstag Vertretern der USA und Japans einen Kompromissplan vorstellen, um den Streit mit Nordkorea beizulegen. Wie aus südkoreanischen Regierungskreisen verlautete, soll darin eine Sicherheitsgarantie der USA für Nordkorea sowie die Wiederaufnahme der Energielieferungen vorgeschlagen werden. IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei sagte nach einer Dringlichkeitssitzung der Behörde am Montag in Wien, sollte Nordkorea nicht in vollem Umfang kooperieren, werde die IAEA dies dem UNO-Sicherheitsrat melden. Der Sicherheitsrat kann eine Militäraktion gegen Nordkorea beschließen.

Er hoffe auf eine positive Antwort Nordkoreas in den kommenden Tagen, sagte ElBaradei. Auf die Frage, wie lange das Land Zeit habe, auf die diplomatischen Initiativen zu reagieren, sagte er: "Es ist eindeutig eine Frage von Wochen. Ich möchte der Diplomatie eine Chance geben zu wirken und Nordkorea Zeit."

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