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21.02.2003

07:50 Uhr

Vorbereitung auf „externe Schocks“

Bundesregierung überarbeitet Notfallpläne für Finanzsystem

Finanzministerium, Bankenaufsicht, Bundesbank und Finanzdienstleister stellen sich auf den Extremfall ein: Sie verbessern ihre Zusammenarbeit bei Terrorattacken und plötzlichen Krisen.

Dresdner Bank und Commerzbank - zwei der zahlreichen Bankentürme in der Frankfurter City. Foto: dpa

Dresdner Bank und Commerzbank - zwei der zahlreichen Bankentürme in der Frankfurter City. Foto: dpa

HB FRANKFURT/M. Mit einer konzertierten Aktion wollen Bundesregierung und Finanzwirtschaft die Widerstandskraft des Finanzsektors gegen externe Schocks stärken. Dabei geht es zum einen um die unkalkulierbaren Risiken eines Irakkriegs oder von Terroranschlägen, aber auch um die Anfälligkeit einzelner Banken. Das bestätigten hochrangige Bankmanager und regierungsnahe Kreise dem Handelsblatt. Das Konzept soll laufend der Entwicklung an den Märkten und der geopolitischen Lage angepasst werden.

Erst am vergangenen Sonntag hatten sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, Finanzminister Hans Eichel und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mit den Spitzen der Kreditwirtschaft getroffen und unter anderem diese Themen diskutiert. Bei früheren Treffen sei es über Terror- und Kriegsgefahren hinaus auch um die Belastbarkeit des gesamten Finanzsystems gegangen, hieß es in Finanzkreisen.

Als weiteres Beispiel für einen externen Schock wird Bankmanagern zufolge die Kampagne gegen die Commerzbank im vergangenen Herbst angeführt. Damals hatten sich von London aus Gerüchte verbreitet, das Geldhaus kämpfe mit ernsthaften Liquiditätsproblemen. Dies erwies sich als unbegründet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht musste die Spekulationen mit einem Dementi zerstreuen. Der Kurs der Commerzbank war in der ersten Oktoberwoche um mehr als 20 % abgestürzt und hat sich seither nicht vollständig erholt.

Auf solche Fälle müssten sich die Banken vorbereiten, hieß es in Finanzkreisen - beispielsweise durch zusätzliche Liquidität oder eine Aufstellung der Aktiva, die sich im Ernstfall schnell zu Geld machen ließen.

Die Lage in der deutschen Finanzbranche ist stark angespannt. Die Institute kämpfen mit Ertrags- und Strukturproblemen. Hohe Wertberichtigungen für faule Kredite, die Börsenflaute und enorme Kostenblöcke belasten die Institute.

Von einer systembedrohenden Bankenkrise könne allerdings keine Rede sein, versichern alle Verantwortlichen von der Bundesregierung bis hin zu den Banken selbst. Deshalb gebe es auch keinen Anlass, konkrete Notfallpläne für eine große Bankenpleite zu entwickeln. "Das deutsche Bankensystem ist stabil, es gibt keine Liquiditätsprobleme", sagte Edgar Meister, im Vorstand der Bundesbank für Bankaufsicht zuständig. "Wenn sich durch ein äußeres Ereignis Probleme ergeben sollten, können Sie sicher sein, dass wir dem nicht hilflos gegenüberstehen werden", betont Meister die Fähigkeit der Bundesbank, mit Problemen umzugehen, wie sie etwa auf Grund der Anschläge vom 11. September 2001 aufgetreten waren. Die Angriffe hatten das internationale Finanzsystem unter erheblichen Druck gesetzt. Für wenige Stunden drohte sogar ein Kollaps. Damals sei niemand auf eine solche Lage vorbereitet gewesen. Darum gelte es jetzt, Pläne für ein koordiniertes Vorgehen zu entwerfen, hieß es in Regierungskreisen. Dazu gehörten Notfallrechenzentren der Banken genauso wie Kommunikationspläne, aber auch Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung der Liquidität.

DER ERNSTFALL

Zu viele Banken, zu hohe Kosten, steigende Wertberichtigungen - das deutsche Bankensystem krankt an verschiedenen Stellen. Es könnte noch schlimmer kommen:

Stufe 1 - Der externe Schock
Ausgelöst durch einen Terroranschlag oder etwa einen Irak-Krieg mündet die Schwäche der Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession. Die Zahl der Pleiten in Deutschland steigt weiter. Die Banken müssen ihre Risikovorsorge hochfahren; fallende Börsenkurse lassen die stillen Reserven der Institute weiter schmelzen. Ratingagenturen stufen die Banken immer weiter herab. Die Refinanzierung wird teurer, das drückt auf die Zinsmarge, es wird immer schwieriger, überhaupt noch lukrative Geschäfte zu machen.

Stufe 2 - Banken kippen
Denkbar sind staatliche Garantien für Schulden des Bankensektors, die Rekapitalisierung von Banken mit staatlicher Hilfe, die Gründung einer Konkursbank zur Übernahme wertlos gewordener Aktiva.

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