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09.01.2002

19:00 Uhr

Vorbereitungen für den Europastart der X-Box

Microsoft zeigt Sony die Zähne

VonAxel Postinett

Die Videospieleindustrie in Europa bereitet sich auf die bislang größte Markteinführung neuer Hardware vor. Nach einem starken US-Weihnachtsgeschäft liegt die Messlatte für den 14. März nun erst richtig hoch.

DÜSSELDORF. Europas Videospielemärkte sind wie elektrisiert. Jüngste Absatzzahlen aus den USA sprechen dafür, dass die kühnen Wachstumsträume trotz Wirtschaftsflaute in Erfüllung gehen könnten. Besondere Zufriedenheit herrscht bei Newcomer Microsoft: Im Weihnachtsgeschäft ging praktisch alles weg, was zu verkaufen war. Rund 1,5 Mill. der neuen Spielekonsolen X-box konnte die Microsoft Corp. in den wenigen Wochen seit der Markteinführung am 15. November verkaufen, verkündete Bill Gates auf der Konsumelektronikshow CES in Las Vegas. Mehr war aus der Produktionsstätte in Mexiko einfach nicht rauszuholen.

Der aktuelle Marktzyklus, der 2000 begonnen hat, wird nach Meinung der Analysten von HSBC 2003 mit Wachstumsraten von fast 35 % seinen Höhepunkt erreichen. Dann seien 130 Mill. Stück der jüngsten Konsolengeneration weltweit im Einsatz - als Spielegerät, Web- oder E-Mail-Terminal, DVD-Spieler oder Set-Top-Box fürs Pay-TV. 2004 sollen es um 180 Mill. Konsolen sein, die dann den PC aus dem Wohnzimmer verdrängt haben dürften. Ein wichtiger Grund, warum Microsoft den Milliarden Dollar teuren Einstieg in diesen Markt gewagt und zunächst auch gemeistert hat.

Kleiner Schönheitsfehler aus Sicht aus Microsoft: Marktgigant Sony mit seiner Playstation 2 (PS2) dampft scheinbar unbeirrbar von Microsofts Attacken auf Erfolgskurs weiter geradeaus. Immerhin 2,5 Mill. PS2 wurden von Thanksgiving bis Jahresende allein in den USA abgesetzt, über 5 Mill. weltweit, ließ Sony in Tokio wissen. In Europa waren es, nach spürbaren Preissenkungen, 1,7 Mill Konsolen und in Japan 1,1 Mill. Stück.

Und Sony - mittlerweile sind weit über 20 Mill. PS2 weltweit verkauft - legt gerade erst los: Lisa Morgan, Managerin bei der britischen Handelskette Electronic Boutique Plc, glaubt "Metal Gear Solid 2 wird der größte Verkaufserfolg für PS2 überhaupt." Das Spiel des Herstellers Konami soll europaweit am 8. März mit 1 Mill. Exemplaren am ersten Verkaufstag starten. Marktbeobachter sehen die Entwicklung mit Genugtuung. Für sie zählt die Tatsache, dass die zusätzlichen Hardware-Stückzahlen offenbar von einem wachsenden Markt verkraftet wurden.

Ein Unsicherheitsfaktor ist Nintendo, der dritte bedeutende Spieler. Rund 0,8 Mill. des neuen Gamecubes wurden zwischen dem 18. November und 14. Dezember in den USA verkauft. Aktuelle Zahlen waren auf Anfrage aber nicht erhältlich. Allerdings löste Nintendo zum Wochenbeginn mit sofortiger Wirkung den Präsidenten von Nintendo of America, Minoru Arakawa, ab, um ihn durch Tatsumi Kimishima zu ersetzen, einen früheren Sanwa-Banker. Analysten schätzen, das höchstens 1,3 Mill. Gamecubes in den USA, Kanada und Lateinamerika zusammen abgesetzt wurden.

Nintendo hat sich auch noch nicht auf einen Starttermin für Europa festgelegt, will aber "im Frühjahr" kommen. Details sollen auf der Spielwarenmesse in Nürnberg bekannt gegeben werden. Zum US-Start meint Nintendo-Deutschland-Geschäftsführer Axel Herr allerdings, er entspreche "voll unseren Erwartungen".

Microsoft will bis Juni 1,5 Mill. X-Boxen europaweit absetzen. Doch das sind noch alte Schätzungen. Hans Stettmeier, Microsofts X-Box-Chef in Deutschland: "Die US-Zahlen zeigen, das Produkt kommt an. Das ist die Botschaft, auf die wir alle gewartet haben."

Doch auch Microsoft weiß, dass der US-Start praktisch als "Heimspiel" zu werten ist. Die größte Bewährungsprobe noch mit dem Einstieg in den bedeutenden japanischen Markt im März bevor. Japans Käufer gelten als verwöhnt, kritisch und nationalbewusst. So wie Amerikaner gerne "amerikanisch" kaufen, kaufen Japaner auch gerne "japanisch". Doch ohne Erfolg in Fernost dürfte die X-Box nie über eine mittlere Platzierung hinaus kommen. Das hat Bill Gates noch nie gerne gesehen.

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