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23.01.2003

08:33 Uhr

Vorbild Rentenmarkt

Ratings sollen Risiko-Aktien entlarven

VonChristian Schnell

Vor allem bei Technologie-Aktien aus dem Prime Standard können sich Anleger künftig auf eine neue Informationsquelle stützen: Die Hamburger SES Rating vergibt Urteile über das spezielle Risiko einer Aktie. Was es bisher vor allem am Rentenmarkt gab, soll nun am Aktienmarkt Einzug halten.

FRANKFURT/M. Ähnlich wie am Rentenmarkt können sich auch Aktionäre schon bald an Hand eines Ratings über das spezifische Risiko einer Aktienanlage informieren. Die Hamburger SES Rating GmbH, eine Tochter von SES Research, stellte gestern in Frankfurt ihre ersten Ergebnisse des so genannten Equirisk-Ratings vor, das sie in den vergangenen anderthalb Jahren entwickelt haben. Betrachtet werden vor allem Werte aus dem Technologiebereich des neuen Prime Standards.

Die Gründe hierfür sind einfach: Erstens orientieren sich die Publizitätsanforderungen des Prime Standards an denen des bei Anlegern in Ungnade gefallenen Neuen Marktes. Zweitens bilanzieren viele Unternehmen aus dem klassischen Segment noch keine sechs Quartale nach den internationalen Bilanzierungsstandards IAS oder US-Gaap. "Dann wäre ein Vergleich nur schwer möglich", sagte Klaus Linde von SES. In einem ersten Schritt sollen etwa 150 bis 200 Unternehmen des Prime Standard erfasst werden. Nicht erfasst werden Beteiligungsgesellschaften wie beispielsweise BB Biotech. Darin vertreten sind hingegen Unternehmen-Holdings wie Augusta, Beko oder United Internet.

Der Ansatz, den SES wählt, ist rein an der Vergangenheit orientiert. Auch werden keinerlei Empfehlungen ausgesprochen, sondern lediglich an Hand ausgewählter Geschäftszahlen wie Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (G+V) und Kapitalflussrechnung ein von A bis D gehendes Urteil ausgesprochen. Vier operative und sechs bilanzielle Kennzahlen führen am Ende zu dieser Risiko-Gesamtkennzahl, die in der Folge ständig überprüft wird.

A gilt als dabei das risikoärmste, D als das risikoreichste Urteil. " Wer mit D geratet wurde, braucht frisches Kapital, um zu überleben", bringt es Klaus Linde auf den Punkt. Innerhalb von A, B und C gibt es zudem Abstufungen von Plus nach Minus.

Zu den operativen Kennzahlen zählen ein kontinuierlicher Umsatz, der auch Saisonalitäten abbildet. "Unternehmen mit einer hohen Saisonabhängigkeit weisen normalerweise ein höheres Risiko auf", sagt Klaus Linde. Ebenso finden Marktschwankungen oder ein verändertes Nachfrageverhalten Einfluss. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Profitabilität sowie die Stellung im Wettbewerb. Zu den sechs bilanziellen Kennzahlen zählen beispielsweise der Cash-Verbrauch oder Angaben über das immaterielle Vermögen.

Wer sich Informationen über das Urteil zu einer von SES gerateten Aktie beschaffen will, erhält diese auf der Internetseite der Deutsche Börse . Weiterführende Detailreports, die vor allem für institutionelle Investoren und die Unternehmen selbst interessant sind, kosten 3 500 Euro im Jahr.

Fondsmanager Andre Köttner von Union Investment betrachtet das Rating als einen Schritt in die richtige Richtung. "Allein durch die Neusegmentierung wird die Transparenz im Technologiesektor noch nicht wesentlich erhöht", sagt er. Auch für die gerateten Gesellschaften ergeben sich Vorteile. "Unternehmen haben durch das Rating die Möglichkeit, ihr Risikoprofil Anlegern gegenüber transparent zu machen", sagt Fondsmanager Karl Fickel von Lupus Alpha. Gerade Small- und Midcaps könnten hierdurch verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Allerdings gibt Klaus Linde zu, dass das System auch Grenzen hat. Da sich SES stets auf öffentlich zugängliche Informationen stützt, ist man zum Beispiel vor Betrug wie im Falle Comroad nicht gewappnet.

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