Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2002

15:16 Uhr

Handelsblatt

Vorerst keine Fusion von Eon und Verbund

Die geplante Wasserkraftehe der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund) und der deutschen Eon AG könnte an der Kippe stehen. Der Hauptaktionär der Verbund, die Republik Österreich, hat das Unternehmen beauftragt, die Gespräche mit Eon über die European Hydro Power (EHP) bis Ende April 2002 auf Eis zu legen, sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein am Mittwoch.

rtr WIEN. Bis Ende April unternehmen die österreichischen Versorger einen neuen Anlauf, ihre Aktivitäten zu bündeln. Dies schließe nicht aus, dass die Verbund ihre Kooperation mit der Eon zu einem Ende bringt, sagte Bartenstein. Bartenstein hat aber mit dem heute mit den Landeshauptleuten vereinbarten neuen Versuch, eine "österreichische Lösung" in der Elektrizitätswirtschaft zu schaffen, dennoch klar gemacht, dass die Priorität bei der Bündelung der Interessen der inländischen Versorger liege.

Dabei waren Eon und Verbund bereits handelseinig. Eon und die Verbund hatten sich im Juli 2001 auf die Zusammenführung ihrer mehr als 200 Wasserkraftwerke geeinigt. Die EHP sollte die Kraftwerke betreiben und jährlich 35 000 Gigawattstunden Strom produzieren und an die Mütter verkaufen. An dieser Gesellschaft sollte die Verbund 63 % halten, die E.ON 37 %. Für die EHP lagen bereits die kartellrechtlichen Genehmigungen aus Brüssel und Deutschland vor. Am 13. März 2002 hätte die Hauptversammlung der Verbund den Deal absegnen sollen. Dieser Tagesordnungspunkt wird aber nun von der Tagesordnung abgesetzt.

Bartenstein, der im Juli 2001 gemeinsam mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel den Eon-Deal der Verbund gelobt hatte, sagte heute, dass einander die Österreich-Lösung und ein Joint-venture mit E.ON nicht ausschließen. Josef Pühringer, Oberösterreichs Landeshauptmann und Eigentumsvertreter der Energie AG Oberösterreich, sagte dies ebenfalls. "Wir haben die Türe zu einer Österreich-Lösung geöffnet, ohne die Tür zwischen Verbund und Eon geschlossen zu haben", sagte Bartenstein.

Auch dem Management der Eon habe er kommuniziert, dass sich die österreichischen Versorger um eine Zusammenarbeit bemühen wollen, und diese hätten Verständnis signalisiert. Eon habe ihm zu verstehen gegeben, dass man diese Gespräche abwarten und danach die Lage evaluieren wolle, sagte der Minister. Seitens der Eon gab es vorerst keine Stellungnahme. In Verbundkreisen hieß es aber am Mittwoch, "dass Eon bei der Stange bleibt".

Dem neuen Versuch, eine österreichische Lösung zu erreichen, ging massives Lobbying voraus. Der heutige Stromgipfel dürfte nicht ohne Zutun der Landeshauptleute zustande gekommen sein. In den vergangenen Wochen hatten sich die Länder dafür stark gemacht und über die Volkspartei (ÖVP) Druck erzeugt. Vor allem die Energie Versorgung Niederösterreich AG (EVN) dürfte über Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich, massiv Druck auf Bartenstein gemacht haben, vermuten politische Beobachter. Unterstützung hatte die Energie Allianz - geführt von der EVN - auch von der "Kronen Zeitung" erhalten, die sich massiv gegen den Ausverkauf der Wasserkraft stellte. Die Verbund hatte diese Vorwürfe stets als unbegründet zurück gewiesen.

Wie die "österreichische Lösung" nun aussehen wird, ist offen. Wobei die "österreichische Lösung" ohnedies nur einen Teil des Bundesgebietes umfassen würde, weil die Länder Tirol und Vorarlberg erklärten, sie seien nicht interessiert. Beide Bundesländer sind seit jeher eng mit deutschen Versorgern - EnBW und E.ON - verknüpft. Ob Kärnten mitmachen wird, ist ebenfalls offen, weil Landeshauptmann Jörg Haider im Irak weilte und eine Entscheidung aussteht. Diese dürfte aber nicht ohne Zutun der RWE AG fallen, die seit vergangenem Juni ein Drittel des Versorgers KELAG hält. Bis Ende April soll ein "Masterplan" unter Beziehung des Managementinstitutes St. Gallen erarbeitet werden. Ziel sei, die Versorger in Erzeugung, Handel, Verteilung und Vertrieb näher zusammenzuführen. Vordringlich sei die Frage einer gemeinsamen Handelsgesellschaft und einer Stromvertriebsgesellschaft für die Großkunden, sagte Bartenstein.

Bartenstein schätzt die Chancen diesmal höher als in den Jahren zuvor, als die "österreichische Lösung" dreimal wegen unterschiedlicher Standpunkte von Verbund und der Energie Allianz gescheitert waren. Im Wesentlichen waren die Partner einig, lediglich am Vertrieb für Kleinkunden spießte es sich damals. Die Energie Allianz wollte der Verbund keinen Zugang zu den Endkunden zugestehen. Pühringer sagte, "dass man sich diesmal nicht vor einer Majorisierung fürchte" und auch "Eitelkeiten" keine Rolle spielten. Letzteres wurde den beiden Gegenspielern - Verbund-Vorstandsprecher Hans Haider und EVN-General Rudolf Gruber - nachgesagt. Aus der Verbund hieß es, man sei für Gespräche offen und gehe konstruktiv in diese hinein.

Verbund notierten an der Wiener Börse zuletzt mit 89,73 (92,44) Euro. Eon waren auf 57,74 (57,16) Euro höher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×