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22.01.2003

13:30 Uhr

Vorgeschriebene Netzreichweite fehlt

Mobilcom wird UMTS-Lizenz wohl zurückgeben

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom geht nach Angaben eines Sprechers nicht davon aus, dass er sein UMTS-Netz einschließlich der dazu gehörenden Lizenz bis Jahresende verkaufen kann.

Reuters HAMBURG. Zugleich gab das Büdelsdorfer Unternehmen am Mittwoch bekannt, dass die Banken dem Treuhänder Helmut Thoma 42,42 Prozent der Mobilcom-Stimmrechte aus dem Besitz von Firmengründer Gerhard Schmid übertragen haben. Zusammen mit den 28,5 Prozent im Besitz von France Telecom gibt es damit auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag eine Mehrheit für den milliardenschweren Plan zur Mobilcom-Rettung.

"Wir hoffen zwar weiter auf einen reichen Scheich aus Dubai, aber realistisch ist das nicht", sagte Mobilcom-Sprecher Wilhelm Fuchs. Mobilcom halte an der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit France Telecom für 8,4 Milliarden Euro ersteigerten UMTS-Lizenz vorerst fest. Wenn bis zum Jahresende aber kein Investor auftrete, werde Mobilcom die Lizenz an die Regulierungsbehörde zurückgeben müssen, sagte Fuchs.

Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass die Lizenznehmer mit ihrem UMTS-Netz bis Jahresende eine Reichweite von 25 Prozent der Bevölkerung erreicht haben müssen. Mobilcom würde mit seinem Netz nach Angaben des Sprechers zurzeit 16 Prozent der Bevölkerung erreichen. Ein Ausbau bis auf die geforderte Reichweite scheint aber nahezu ausgeschlossen, denn im Zusammenhang mit der Entschuldung des Unternehmens durch France Telecom wurde ein Einfrieren der UMTS-Aktivitäten vereinbart. Mobilcom hatte die Abschreibungen auf sein UMTS-Vermögen kürzlich auf 9,9 Milliarden Euro beziffert. Im Gegenzug war in der Bilanz ein Ausgleichsanspruch gegenüber France Telecom von 7,1 Milliarden Euro aktiviert worden.

Der französische Konzern hatte im Rahmen der Mobilcom-Rettung zugesagt, insgesamt sieben Milliarden Euro Schulden von seinem einstigen Partner zu übernehmen. Im Falle eines Verkaufs seines UMTS-Netzes muss Mobilcom 90 Prozent dieser Erlöse an die Franzosen abführen.

Mobilcom bemüht sich Fuchs zufolge seit längerem Zeit um den Verkauf seines Netzes. Mit mehreren Konkurrenten würden darüber Gespräche geführt, darunter auch mit dem zum niederländischen Telefonkonzern KPN gehörenden Betreiber E-Plus. Zum Stand der Gespräche machte Fuchs keine Angaben. Die vier verbliebenen UMTS-Lizenzinhaber in Deutschland sind die Deutsche Telekom, Vodafone D2, O2 und E-Plus. Quam hält wie Mobilcom an seiner Lizenz fest, hat den Netzaufbau aber ebenfalls eingestellt.

Unterdessen erscheint eine Billigung des milliardenschweren Sanierungsplans für Mobilcom durch die Aktionäre auf der Hauptversammlung am Montag so gut wie sicher. Firmengründer Gerhard Schmid erklärte am Mittwoch zudem, er werde Treuhänder Thoma nicht mittels einer einstweiligen Verfügung an der Ausübung der Stimmrechte seiner Aktien hindern. Der Großaktionär hatte dem bis dahin von allen Beteiligten an der Mobilcom-Rettung akzeptierten früheren RTL-Chef Thoma vor kurzem als Treuhänder gekündigt und den Hamburger Sanierungsexperten Otto Gellert zum Verwalter seines Aktienpakets ernannt. Dem folgten die Depotbanken allerdings nicht, bei denen ein Großteil der Aktien verpfändet sind.

Langfristig hält Schmid nach Angaben einer Sprecherin allerdings an dem Vorhaben fest, seine Aktien von Gellert verwalten zu lassen, dem er größere Erfahrungen bei Unternehmenssanierungen beimisst. Wenn eine Einigung darüber mit den Banken nicht zu erzielen sei, werde Schmid dies vermutlich gerichtlich prüfen lassen, sagte die Sprecherin.

Die Mobilcom-Aktionäre sollen auf ihrer Hauptversammlung am Montag in Hamburg neben der weitgehenden Entschuldung ihres Unternehmens die vom Registergericht bereits eingesetzten Aufsichtsräte Gerhard Picot, Joachim Dreyer und Ulf Gänger bestätigen. Der wie Gänger nicht zum Schmid-Lager zählende ehemalige Deutschlandchef von ABB, Horst Dietz, könnte den zum Monatsende aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Carsten Meyer Anfang Februar ersetzen. Mit Gänger, Dietz und Thoma erwartet Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel die Mehrheit der Arbeitgeberbank im Aufsichtsrat, um sich im vierten Anlauf zum Vorsitzenden wählen zu lassen.

Die Aktie der im Nemax-50 gelisteten Mobilcom AG notierte am Nachmittag mehr als drei Prozent im Minus bei 3,08 Euro.

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