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07.03.2003

12:38 Uhr

Vorkaufsrecht im Konzern

Bertelsmann-Börsengang offen

Der belgische Großaktionär Albert Frère wird seinen Anteil am Medienkonzern Bertelsmann Konzernchef Gunter Thielen zufolge möglicherweise nicht an die Börse bringen.

Reuters FRANKFURT/M. Frère sei gerne Anteilseigner bei Bertelsmann, sagte Thielen in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Frère habe ihm gesagt: "Wenn das Geschäft nicht gut läuft, erhalte ich ja nichts für meinen Bertelsmann-Anteil von 25 Prozent. Und wenn das Geschäft gut läuft, warum sollte ich dann verkaufen?". Thielen betonte, das Unternehmen werde weiter auf einen Börsengang 2005 vorbereitet. Eine endgültige Entscheidung werde zu einem späteren Zeitpunkt gefällt.

Die 75 Prozent der Anteile, für die die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG) die Stimmrechte ausübt, werden einem Unternehmens-Sprecher zufolge nach wie vor nicht an die Börse gehen. Da jedoch Herr Frère die Option auf einen Börsengang seiner Anteile besitze, bereite sich der Konzern in diesem Sinne auf einen Gang an die Börse vor.

Der Bertelsmann-Konzern ist seit fünf Generationen in den Händen der Familie Mohn, die die Stimmrechte ihres direkten Anteils von 17,3 Prozent und die 57,6 Prozent der Bertelsmann Stiftung kontrolliert. Die Firma von Frère, die belgische Groupe Bruxelles Lambert(GBL) hält 25,1 Prozent an Bertelsmann und hat die Option, diese ab 2005 an die Börse zu bringen. Bertelsmann hatte der Firma von Frère dieses Recht beim Tausch eigener Anteile gegen die Mehrheit an der Sendergruppe RTL eingeräumt.

Der Gütersloher Konzern hat aber ein Vorkaufsrecht auf die Bertelsmann-Anteile von GBL. Sollte sich Frère entscheiden, seine Anteile an einen privaten Investor zu verkaufen, habe die BVG die Möglichkeit, die Anteile zu erwerben, sagte der Sprecher. Wegen Differenzen mit der Familie Mohn über die Frage eines erweiterten Börsengangs war Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff im Sommer aus dem Konzern ausgeschieden.

Zur umstrittenen Manager-Kritik des Unternehmensgründers Reinhard Mohn sagte Thielen der Zeitung, Mohn sei falsch interpretiert worden. Mohns Kritik an Führungskräften sei keine Kritik an Bertelsmann-Managern gewesen. Im Konzern hatte ein Beitrag Mohns in der "Welt am Sonntag" für Unruhe gesorgt. Mohn hatte darin für mehr Menschlichkeit und Achtung der Mitarbeiter plädiert und sich zugleich gegen das reine Macht- und Renditestreben einiger Manager ausgesprochen.

Aufsichtsrat-Chef Gerd Schulte-Hillen kritisierte, einige Aussagen könnten als Pauschalkritik verstanden werden und hätten das Management irritiert. Schulte-Hillen habe darüber diskutieren wollen und das sei auch richtig, sagte Thielen. "Er hätte es aber nicht öffentlich tun sollen", räumte der Konzernchef ein.

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