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29.01.2003

17:20 Uhr

Vorläufig keine Warnstreiks

Lufthansa-Tarifverhandlungen sind gescheitert

Die seit drei Monaten schwelenden Tarifgespräche beim Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa sind gescheitert. Nach ergebnislosen zweitägigen Gesprächen in Mörfelden bei Frankfurt vereinbarten beide Seiten am Mittwoch, einen Schlichter anzurufen.

HB/dpa MÖRFELDEN. Wer der Vermittler ist, stand noch nicht fest. Die Gewerkschaft Verdi, die neun Prozent mehr Geld für die 52 000 Beschäftigten fordert, will währenddessen auf Warnstreiks verzichten. Das von der Lufthansa nachgebesserte Angebot sei aber nicht ausreichend. Die Lufthansa bedauerte den Abbruch. Das Angebot könne sich angesichts der Branchenkrise und des drohenden Irak-Krieges sehen lassen.

In der bereits am Dienstag begonnenen fünften Gesprächsrunde hatte die Lufthansa ihr Angebot in mehreren Punkten erhöht. Angeboten wurden demnach Einkommensverbesserungen von 2,9 Prozent Anfang 2003 und noch einmal 1,8 Prozent im Dezember. Bisher waren Stufen von 2,4 und 1,5 Prozent angeboten worden. Neu vorgeschlagen wurde ein Aufschlag von 0,8 Prozent für eine neue Struktur der Vergütungs- Systeme. Hinzu käme eine Ergebnisbeteiligung von 1,6 Prozent eines durchschnittlichen Jahreseinkommens sowie eine Einmalzahlung für November und Dezember 2002 von zusammen 230 Euro.

Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer sagte, dies sei ein sehr gutes Angebot. Es seien alle Spielräume ausgelotet worden, die Gespräche steckten aber in der Sackgasse. Das Angebot sei ein Signal der Kompromissbereitschaft. Die schwierige Lage der Branche könne in den Tarifverhandlungen dieses Jahres nicht beiseite geschoben werden.

Verdi-Verhandlungsführer Jan Kahmann sagte, die hohen Erwartungen der Beschäftigten seien vor dem Hintergrund des guten Geschäftsjahres 2002 gerechtfertigt. Die Lufthansa erwartet einen operativen Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro. Mit Hilfe eines Schlichters solle zügig eine Brücke gebaut werden. Kahmann kritisierte, dass bei den Piloten ein größerer Spielraum möglich zu sein scheine als für den Rest der Beschäftigten.

Bei den vorhergehenden Tarifverhandlungen 2001 hatten sich Verdi und die Lufthansa auf Einkommenserhöhungen von 3,5 Prozent bei 14 Monaten Laufzeit geeinigt. Die Vereinigung Cockpit hatte dagegen mit mehreren Streiks zweistellige Steigerungen für Piloten und Copiloten durchgesetzt. Im aktuellen Tarifkonflikt waren vor zwei Wochen wegen eines bundesweiten Warnstreiks 40 Flüge ausgefallen.

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