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11.01.2002

19:02 Uhr

Vorsicht bei Gewinnschätzungen wegen gesunkener Ölpreise

Analysten sehen für BASF Belastungen durch Argentinienkrise

Nach Einschätzung von Analysten wird die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien auch bei Europas größtem Chemiekonzern BASF Spuren bei Umsatz und Gewinnen hinterlassen. Analysten wiesen am Freitag vor allem auf Folgen für das Öl- und Gasgeschäft hin.

Reuters FRANKFURT. Nach Schätzung der Experten gehört BASF in Argentinien gemessen an den Reserven zu den drei größten Erdgasproduzenten in dem Land. "Aber auch im Agrobereich des Konzerns werden die Auswirkungen der Krise zu spüren sein," sagte Antje Laschewski, Chemieanalystin der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Themis Themistocleous von der Investmentbank UBS Warburg sieht durch die Abwertung des Peso vor allem negative Auswirkungen auf die Gewinne im Öl- und Gasgeschäft bei BASF. "Wir glauben, dass die maximale Auswirkung der Abwertung auf den Nettogewinn (im Öl- und Gasgeschäft BASF) 2002 wahrscheinlich bei 24 bis 25 Millionen Euro liegt," sagte Themistocleous. Dabei sei angenommen, dass es zu keinen Veränderungen bei der Nachfrage kommt.

Nach der Abwertung des argentinischen Peso um knapp 30 Prozent zum US-Dollar drohen zahlreichen internationalen Konzernen in dem Land zum Teil erhebliche Währungsverluste. Einige ausländische Firmen hatten bereits kurz nach Bekanntgabe des neuen offiziellen Peso-Kurses von 1,40 je Dollar ihre Niederlassungen in dem Land geschlossen. Um den Mittelstand und die Verbraucher zu schützen hatte die argentinische Regierung zudem bestimmt, dass alle Banken ihre Kredite in einer Höhe bis zu 100 000 Dollar eins zu eins auf Peso umstellen müssen. Die Banken sollen im Gegenzug mit einer neuen Steuer auf Ölexporte entschädigt werden. Zudem halten es Experten für möglich, dass die Regierung beschließt, den Erdgaspreis auf dem aktuellen Peso-Niveau zu halten. Bei BASF hieß es am Vortag, man untersuche zurzeit die Lage in dem Land.

Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt weisen in einer kürzlich veröffentlichten Studie darauf hin, dass bei BASF das Öl- und Gasgeschäft in Argentinien das stärkste Wachstum aufweist. Gemessen an den Reserven gehöre BASF zudem zu den drei führenden Erdgasproduzenten in dem Land. Etwa 90 Prozent entfielen bei BASF dort auf das Gasgeschäft, etwa 10 Prozent auf das Ölgeschäft.

Die HSBC-Analysten schätzen, dass die Maßnahmen der argentinischen Regierung den BASF-Umsatz im Segment Öl- und Gas 2002 um etwa drei Prozent oder 90 bis 100 Millionen Euro schmälern könnten. Der Nachsteuergewinn dürfte in dem Geschäftsfeld den Schätzungen zufolge um rund 12 bis 19 Prozent oder 40 bis 60 Millionen Euro geringer ausfallen. Auf Konzernebene seien dies Einbußen von etwa vier bis sechs Prozent.

Wegen des gesunkenen Ölpreises und der Argentinienkrise sei sie nun vorsichtiger bei ihren Gewinnschätzungen für die Jahre 2002 und 2003 geworden, sagte LBBW-Analystin Laschewski. Für 2001 erwartet sie beim Öl- und Gasgeschäft ein Ergebnis nach Sondereinflüssen von rund 1,3 Milliarden Euro. Für 2002 geht sie nunmehr von einem Rückgang um 28 Prozent auf 950 Millionen Euro aus. 2003 wird es ihrer Einschätzung nach dann wieder einen leichten Anstieg von rund fünf Prozent auf 1,0 Milliarden Euro geben. Laschewski erwartet zudem, dass BASF im Agrogeschäft das bei Vorlage der Neunmonatszahlen genannte Umsatzziel für 2001 von 3,6 Milliarden Euro wohl nicht mehr erreichen wird.

BASF erwirtschaftete in den ersten neun Monaten im Öl- und Gasgeschäft ein Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen von 1,085 Milliarden Euro, das damit etwas mehr als die Hälfte zum Konzernergebnis beitrug.

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