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23.06.2000

14:38 Uhr

Vorstand sieht im Falle einer Kooperation bei beiden Banken die Notwendigkeit einer Strategieänderung

Commerzbank nimmt Stellung zur möglichen Zusammenarbeit mit der Dresdner Bank

reuters/vwd FRANKFURT. Commerzbank und Dresdner Bank müssen nach Einschätzung des Commerzbank-Vorstandes im Falle einer möglichen Zusammenarbeit beide ihre Strategien ändern. Der Vorstand der Commerzbank erläuterte in einem an die Mitarbeiter verteilten Schreiben Argumente und Motive der kürzlich bekannt gegebenen Gespräche über eine Kooperation mit der Dresdner Bank . Man wolle über gemeinsame Ziele in Deutschland und Europa sprechen, die jeder für sich allein nicht erreichen könne, heißt es. Die Commerzbank habe die Gespräche aus einer "Position der Stärke" angeregt.

Die Initiative dazu sei am Jahresanfang ergriffen und nach dem Scheitern der Fusion von Dresdner und Deutscher Bank erneuert worden. Der Vorstand weist außerdem darauf hin, dass die Commerzbank in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gearbeitet und gute Perspektiven habe. "Dennoch muss unserer Ansicht nach die Möglichkeit diskutiert werden, ob es nicht noch einen besseren Weg gibt", heißt es weiter. Konkret nennt der Vorstand eine gemeinsame Technologieplattform. Diese scheine mit der Dresdner Bank realisierbar, ohne dass hier Exklusivität gelten müsse.

Der Commerzbank-Vorstand schreibt weiter, dass die Gespräche nichts "mit dem Auftauchen der neuen Paketaktionäre" Rebon/CoBra zu tun hätten. Das Engagement der CoBra empfinde man nicht als Bedrohung. Die zur niederländischen Rebon BV gehörende CoBra Beteiligungsgesellschaft hält 17 % an der Commerzbank. In den vergangenen Tagen waren Spekulationen aufgekommen, Cobra könne ihren Anteil auf 25 % aufstocken und eine Kooperation mit der Dresdner Bank womöglich blockieren. Die Commerzbank bekräftigt nun, die Gruppe habe mehrfach erklärt, nichts unternehmen zu wollen, was der Commerzbank-Aktie schade. "Die Interessenlage deckt sich also insoweit."

"Man sieht sich als Finanzinvestoren, um kurzfristig Gewinne zu realisieren. Ob dieses Konzept aufgeht oder nicht, muss nicht unsere Sorge sein", heißt es mit Blick auf Rebon/Cobra in dem Schreiben, das den Commerzbank-Beschäftigten Informationen für eventuelle Fragen von Kunden liefern soll.

Unterdessen wurde bekannt, daß Rebon, der spanischen Großbank Banco Santander Central Hispano (BSCH), Madrid, ihre Anteile zum Kauf angeboten hat. Laut einer Meldung der Wirtschaftszeitung "Cinco Dias" vom Freitag habe zu diesem Zweck Ende Mai, also noch vor dem Beginn der Fusionsgespräche zwischen der Commerzbank und der Dresdner Bank ein Treffen zwischen CoBra und Vertretern der BSCH, unter anderem dem geschäftsführenden Mitglied des Vorstands Antonio Escamez, stattgefunden. Bei der BSCH wollte man am Freitag keinen Kommentar zu dem Zeitungsbericht abgeben.

Die BSCH, Spaniens führende Finanzgruppe, und die Commerzbank sind über eine Überkreuzbeteiligung miteinander verbunden. So hält die BSCH 5,1 % an der Commerzbank und diese 2,3 % an BSCH. Wie es im Zeitungsbereicht weiter hieß, wolle die BSCH prinzipiell den Commerzbank-Vorstandsvorsitzenden Martin Kohlhaussen unterstützen und nichts ohne dessen Kenntnis unternehmen. CoBra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann hatte "Cinco Das" unterdessen diese Woche bestätigt, dass es Gespräche mit dem BSCH gegeben hätte. Der BSCH sei eine seriöse Bank, so Hofmann gegenüber der spanischen Zeitung, die trotz ihrer Verwurzelung in Spanien eine europäische Ausrichtung habe.

Zudem verhandele CoBra auch mit anderen europäischen Banken. Hofmann sagte, die Commerzbank sei ebenso wie viele europäische Finanzinstitute zu klein, um als Global Player agieren zu können.

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