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18.02.2002

19:00 Uhr

Vorstandschef der FJA Feilmeier & Junker AG

Manfred Feilmeier: Der Mann fürs kalkulierte Risiko

VonMartin-W. Buchenau

1986 hängte er seinen Job als Uniprofessor an den Nagel, um Unternehmer zu werden. Heute ist Mathematiker Feilmeier Chef des Softwarehauses FJA, Neuling im Nemax 50.

MÜNCHEN. Manfred Feilmeier sieht nicht aus wie ein dröger Mathematiker. Der schlanke Mann mit dem markanten sonnengebräunten Gesicht könnte glatt als Skilehrer durchgehen.

Seine 60 Lebensjahre sieht man dem begeisterten Freizeitsportler jedenfalls nicht an. "Ich war noch nie länger als zwei Stunden krank", kokettiert er mit seiner robusten Natur.

Feilmeier ist Gründer und Chef des Münchener Softwareunternehmens FJA. Das ist bereits seine zweite Karriere. Mit 34 war er der jüngste Professor an der Uni in Braunschweig. Zehn Jahre später aber auch der jüngste, der seinen krisensicheren Job an den Nagel hängte, um Unternehmer zu werden.

Gemeinsam mit seinem acht Jahre jüngeren Partner Michael Junker gründete er damals in einer Dachgeschoss-Wohnung in München eines der erfolgreichsten Softwareunternehmen in Deutschland: FJA. Das macht inzwischen 112 Millionen Euro Umsatz und schreibt - anders als viele Neue-Markt-Firmen - regelmäßig schwarze Zahlen.

Beim Börsengang vor zwei Jahren fanden Analysten den Hersteller von Software für Versicherungen überhaupt "nicht sexy". Doch heute zählt FJA - Aufsteiger in den Nemax-50-Index- zu den Schwergewichten am Neuen Markt und fast alle großen Versicherer zu seinen Kunden.

Feilmeier hat den Aufstieg seiner Firma sorgfältig geplant. Als Mitglied in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) - sozusagen die Tafelrunde der deutschen Versicherungsmathematiker - knüpfte er Kontakte zu den meisten Vorständen in der Branche - und damit zu dem Personenkreis, der über den Einsatz neuer Software entscheidet. Feilmeier überlässt nichts dem Zufall. Lange bevor die Politik sich auf Details der "Riester-Rente" verständigte, hatte er, wie er einräumt, "auf Verdacht entwickeln" lassen. Die erforderlichen Nachbesserungen haben ihn zwar viel Geld gekostet. "Aber dafür waren wir am schnellsten am Markt."

Der Junggeselle ist noch ein Chef vom alten Schlag: manchmal autoritär, modernen Managementmethoden gegenüber wenig aufgeschlossen. Doch der Feierabend ist ihm heilig. Akten nimmt er fast nie mit nach Haus. "Was man in zehn Stunden nicht schafft, schafft man dann auch nicht mehr." Er führe, sagt Feilmeier, seine Firma mit gesundem Menschenverstand. Er halte sich dabei an den Spruch seines alten Profs: "Mathematik ist der in exakte Form gebrachte gesunde Menschenverstand". Letzterer sagte dem Firmenchef auch, frühzeitig einen Nachfolger zu küren.

An den Ruhestand denkt Feilmeier deshalb noch lange nicht. Er interessiert sich für Medizin und Selbstmedikation, ernährt sich fast nur von Obst und Gemüse. Um fit zu bleiben, schwimmt er im Sommer häufig sechs Kilometer durch den Wörth-See. Demnächst will der passionierte Skifahrer neue Sportarten ausprobieren: nein, nicht etwa Golf, sondern Gleitschirmfliegen und Roller-Skaten.

Nicht zufällig ist der Firmensitz von FJA im Münchener Süden nur zehn Minuten von der Autobahn nach Garmisch entfernt. Sich ein Ferienhaus zu kaufen käme ihm nie in den Sinn. Lieber fährt er auf eigene Faust zum Tauch- und Surfurlaub auf den Sinai.

Seine Lieblingstiere sind Vögel, "weil die fliegen können und ich nicht". Feilmeier bindet sich nicht gern, liebt die Freiheit und vor allem seinen Job. "Ich hatte nie einen Chef", sagt er, und das soll auch so bleiben.

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