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23.06.2000

13:04 Uhr

Vorstellung am Montag

Hyundai und Daimler-Chrysler vereinbaren Allianz

Die beiden Unternehmen planen ein gemeinsames Gebot für den angeschlagenen südkoreanischen Autobauer Daewoo.

afp SEOUL/STUTTGART. Der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler und der südkoreanische Branchenführer Hyundai haben sich nach Angaben aus Südkorea auf eine strategische Allianz geeinigt. Das Abkommen werde am Montagmorgen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Seoul vorgestellt, sagte ein Hyundai-Sprecher am Freitag in der südkoreanischen Hauptstadt. DaimlerChrysler in Stuttgart bestätigte die Pressekonferenz, nannte zunächst aber keine Details. Laut Hyundai wurde unter anderem ein gemeinsames Gebot für den insolventen koreanischen Autobauer Daewoo vereinbart. Mehrere Wirtschaftszeitungen berichteten darüber hinaus von einem geplanten Kapitaleinstieg DaimlerChryslers bei Hyundai und einer Kooperation im Kleinwagen- und Nutzfahrzeugbereich.

Zur Pressekonferenz mit Hyundai-Motor-Chef Chung Mong-koo um 10.00 Uhr Ortszeit würden zwei Mitglieder des DaimlerChrysler-Vorstandes erwartet, sagte der Hyundai-Sprecher. Dies sei als Zeichen für eine bereits erfolgte Zustimmung der Daimler-Spitze zu werten. Was die Allianz außer dem Daewoo-Gebot noch umfasst, wollte der Sprecher nicht darlegen. Ein Kapitaleinstieg bei Hyundai - nach Informationen der koreanischen Presse und der "Financial Times" geht es um einen Zehn-Prozent-Anteil - wäre für DaimlerChrysler der zweite große Anteilserwerb auf dem asiatischen Markt nach der milliardenschweren Allianz mit dem japanischen Autobauer Mitsubishi. An Mitsubishi Motors hält der deutsch-amerikanische Konzern seit Ende März 34 Prozent.

Der Schulterschluss mit dem koreanischen Autoriesen Hyundai, der rund 70 Prozent des heimischen Marktes beherrscht, soll zunächst in eine gemeinsame Offerte für Daewoo münden. Die Angebotsfrist im Bieterverfahren um den im vergangenen Jahr zusammengebrochenen Hersteller läuft am Montag aus. Laut "Financial Times" sahen die Verhandlungen zuletzt einen 40-Prozent-Anteil an Daewoo für DaimlerChrysler und 20 Prozent für Hyundai vor, sollten sich die Partner im Bieterverfahren durchsetzen. Um Daewoo wollen sich auch General Motors (GM), Ford und Fiat bewerben. US-Branchenprimus GM, der jahrzehntelang technisch mit Daewoo kooperiert hatte, werden dabei gute Chancen eingeräumt. Eine Bewerbung Hyundais im Alleingang gilt wegen dessen bereits jetzt dominater Marktstellung als ausgeschlossen.

Die Regierung will bis Monatsende im Konsens mit den Gläubigerbanken zwei Bewerber aussuchen, mit denen exklusiv verhandelt wird. Bis Ende September soll dann entschieden sein, wer Daewoo mehrheitlich erhält. Ein Minderheitsanteil soll dabei bei den Gläubigern verbleiben. Hyundai rechnet mit einem Kaufpreis von umgerechnet rund sechs Milliarden Mark für den Mehrheitsanteil. Der Schuldenberg von Daewoo wird auf 7,6 Milliarden Dollar (15,6 Milliarden Mark) veranschlagt. Inwieweit diese Schulden mit übernommen werden, müssen die interessierten Konzerne in ihrem Angebot darlegen.

Im Zuge der Allianz ist nach Angaben verschiedener Wirtschaftszeitungen auch die Einbeziehung Hyundais in das so genannte Weltauto-Projekt von DaimlerChrysler vorgesehen. Den Kleinwagen will der deutsch-amerikanische Konzern bislang nur zusammen mit Mitsubishi Motors bauen und später weltweit in hoher Stückzahl vertreiben. Im Nutzfahrzeugbereich könnte Hyundai Werke in Chonju und Ulsan einbringen; über Mitsubishi hat DaimlerChrysler bislang nur Zugang zum asiatischen Pkw-Markt.

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