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17.01.2003

17:30 Uhr

Vorstellung des „Jahrbuch Sucht“

Deutsche beim Alkohol- und Tabakkonsum spitze

Die Deutschen sind beim Alkohol- und Tabakkonsum nach wie vor in der europäischen Spitzengruppe. Insgesamt sei die Suchtproblematik in Deutschland geprägt durch den Missbrauch von Tabak und Alkohol, sagte der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Jobst Böning, am Freitag bei der Vorstellung des "Jahrbuch Sucht" in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Gemessen an 140 000 vorzeitigen Todesfällen durch Rauchen und 73 000 durch Alkohol würden die 1500 Drogentoten jährlich in der Öffentlichkeit zu starke Aufmerksamkeit erhalten.

Nach Schätzung der Hauptstelle sind 6,8 Millionen Menschen in Deutschland abhängig vom Tabak und 1,6 Millionen vom Alkohol. Den jährlich 890 Millionen Euro Werbeausgaben der Alkohol- und Tabakindustrie in Deutschland stünden 10 Millionen Euro für Aufklärung gegenüber, kritisierte Böning.

Der Pro-Kopf-Konsum stagniere bei 10,5 Liter reinen Alkohols pro Jahr. Damit liege Deutschland weiterhin in der europäischen Spitzengruppe. Umgerechnet auf die Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren seien dies 40 Gramm täglich. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist bei mehr als 20 Gramm bei Frauen und mehr als 30 Gramm bei Männern von Missbrauch zu sprechen. Zehn Gramm Alkohol finden sich zum Beispiel in einem Achtelliter Wein, einem kleinen Glas Bier oder einem doppelten Korn.

Beim Bier gebe es nur zwei Länder, in denen mehr als in Deutschland getrunken werde: in Tschechien 160 Liter jährlich und Irland 153 Liter. In Deutschland betrug der Bierkonsum 123 Liter. "Weniger Werbung, höhere Preise und weniger Verkaufsstellen", forderte der Geschäftsführer der Hauptstelle, Rolf Hüllinghorst.

Die in Hamm ansässige Hauptstelle rechnet ferner mit 1,5 Millionen Tablettenabhängigen. Darunter seien insbesondere Schlafmittel, Arzneien gegen Angst und Panik sowie Mittel zur Muskelentspannung. "Eine Verordnung über zwei bis drei Monate hinaus führt zur Gewöhnung", warnte Gerd Glaeske von der Universität Bremen.

Marion Caspers-Merk, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, kündigte weitere Anstrengungen für zielgerichtete Aufklärung und Vorbeugung an. "Das Einstiegsalter für das Rauchen ist mit 13,5 Jahren deutlich zu niedrig", sagte sie. "Insbesondere Schulen müssen rauchfrei werden." Etwa 60 000 der schätzungsweise 150 000 Heroinabhängigen befänden sich in Behandlung.

Auf die Gefahr des Passivrauchens verwies die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die in Köln einen neuen Leitfaden "Rauchfrei am Arbeitsplatz" vorstellte. Er informiere Unternehmen über die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der nichtrauchenden Beschäftigten und über Angebote der Raucherberatung und-entwöhnung, teilte die Bundeszentrale mit, die den Leitfaden kostenlos vertreibt.

In deutschen Betrieben arbeiten laut Bundeszentrale rund drei Millionen Menschen in Räumen, in denen regelmäßig geraucht wird. "Damit sind bei weitem mehr Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz durch Tabakrauch gefährdet als durch die Gesamtheit aller anderen Krebs erregenden Arbeitsstoffe." Unfreiwilliges Mitrauchen könne zu Herzinfarkt und sogar zu Lungenkrebs führen.

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