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17.01.2003

08:44 Uhr

Wachovia und Bank One profitieren von höheren Kreditpreisen - Fleet Boston muss kräftig Kredite abschreiben

Privatkundengeschäft stützt US-Banken

Dank des traditionellen Privatkundengeschäfts steigerten die US-Banken Wachovia und Bank One ihre Gewinne kräftig. Fleet Boston legte in diesem Bereich ebenfalls zu, leidet indes unter faulen Firmenkrediten. Für das laufende Jahr werden mit Privatkunden höhere Margen als im Investmentbanking erwartet.

tmo NEW YORK. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA erlebt die einst als altmodisch und wachstumsschwach verpönte Sparte des Privatkundengeschäfts ein Comeback. So verdienten die drei US-Banken Wachovia, Bank One und Fleet Boston, die gestern ihre Quartalszahlen vorlegten, in diesem Bereich gutes Geld. Dagegen belastet die US-Konjunkturflaute das Investment-Banking und das Kreditgeschäft mit Großkonzernen. Hohe Abschreibungen auf faule Kredite verhagelten das Ergebnis von Fleet Boston.

Wachovia, die fünftgrößte Bank der USA, erzielte im vierten Quartal 2002 einen Nettogewinn von 891 Mill. $ (66 Cents je Aktie). Das waren 22 % mehr als ein Jahr zuvor. Bereinigt um einen Fusions- und Restrukturierungsaufwand von 92 Mill. $. (6 Cents je Aktie) entsprach das Ergebnis genau der Analystenprognose von 72 Cents je Aktie laut Thomson Financial First Call.

Die im Südosten der USA aktive Regionalbank mit Sitz in Charlotte / Bundesstaat North Carolina profitierte beim Ergebnisanstieg von höheren Erträgen aus Hypothekendarlehen und Konsumentenkrediten. Zudem sank das Volumen der Problemkredite bei Wachovia um 4 %.

Auch die in Chicago ansässige Bank One erfüllte mit einem Quartalsgewinn von 842 Mill. $ (72 Cents je Aktie) die Erwartungen der Analysten. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg der Ertrag um 10 %, wenn man das damalige Ergebnis um die eine Sonderabschreibung von 224 Mill. $ bereinigt. Die im mittleren Westen beheimatete Nummer sechs unter den US-Banken profitierte wie Wachovia vom starken Verbrauchergeschäft. So entwickelte sich die große Kreditkartensparte der Bank One stark. Außerdem zahlten sich Investitionen in das Filialnetz aus. Im Bereich Unternehmensdarlehen fuhr Bank One das Engagement zurück. Entsprechend sanken die Rückstellungen für Problemkredite.

Schlecht fiel das Ergebnis der siebtgrößten US-Bank, Fleet Boston, aus. Das Institut verdiente im vierten Quartal 261 Mill. $ (24 Cents je Aktie). Fleet Boston hatte vor einigen Tagen eine Gewinnwarnung veröffentlicht und seine Ertragsprognose halbiert. Grund war eine Sonderabschreibung in Höhe von 800 Mill. $.

Dahinter verstecken sich Verluste im Zusammenhang mit der Pleite des US-Energiehändlers Enron, einem Kreditausfall eines ungenannten Energieversorgers und Ausfälle durch die Zahlungsunfähigkeit einer US-Fluglinie. Analysten spekulieren, dass es dabei um die finanziell angeschlagene United Airlines geht.

Außerdem musste Fleet Boston mehr Mittel für notleidende Kredite zurücklegen. Ausfälle drohen vor allem in den Bereichen Telekommunikation und Energieversorgung sowie in Brasilien und Argentinien, wo die Bank jeweils stark engagiert ist.

Zwar stützte auch bei dem Bostoner Geldhaus ein Anstieg der Kundeneinlagen um 10 % das Ergebnis. Darüber hinaus zogen die Kreditkartendarlehen und Hypothekenkredite an. Doch das reichte nicht, um die Verluste im Firmenkundengeschäft und in Lateinamerika auszugleichen.

Analysten wagen momentan keine Prognose, ob Fleet Boston den Tiefpunkt schon hinter sich hat. "Das Management hat das letze Vertrauen verspielt", sagte Analyst Richard Bove vom Wertpapierhaus Hoefer & Arnett. Im Vorfeld des Quartalsberichts hatte Fleet Bostons wiederholt versichert, dass keine größeren Sonderabschreibungen mehr anstünden.

Auch im laufenden Jahr dürfte nach Ansicht von Analysten das Brot- und-Butter-Geschäft mit Privatkunden gut laufen. Dagegen ist für die US-Banken mit Krediten an Großunternehmen und erst recht im Investment-Banking momentan kaum Geld zu verdienen. Das zeigten die Ausblicke der drei US-Banken, die gestern ihre Zahlen vorlegten, ebenso wie Aussagen der US-Riesen Citigroup und JP Morgan Chase.

Allerdings erwartet das drittgrößte US-Geldhaus, Bank of America, ein langsameres Wachstum bei Hypothekendarlehen. 2002 haben viele US-Hausbesitzer ihre Kredite umgeschuldet. Weil die Immobilienpreise kräftig gestiegen sind, konnten sie dabei das Kreditvolumen aufstocken. Dies machte einen Großteil des Booms bei den Privatkundenkrediten aus. Auch das bislang brummende Kreditkartengeschäft könnte unter Zahlungsausfällen leiden, wenn die US-Arbeitslosigkeit weiter ansteigt. Trotzdem: Vorerst dürften die US-Banken mit starkem Privatkundengeschäft weiterhin besser abschneiden als die einst glitzernden Investmenthäuser.

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