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21.01.2003

08:10 Uhr

Wachstum vor allem im Anleihegeschäft und der Vermögensverwaltung

Goldman Sachs glaubt an Deutschland

VonRobert Landgraf und Michael Maisch (Handelsblatt)

Die US-Investmentbank Goldman Sachs denkt im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern nicht über einen Rückzug aus Frankfurt nach. Die Geschäftsführer Alexander Dibelius und Wayne Moore glauben an das Potenzial des deutschen Marktes - auch wenn sie eine rasche Erholung im Investmentbanking für wenig wahrscheinlich halten.

FRANKFURT/M. Die neue Führung von Goldman Sachs in Frankfurt hält die Diskussion über die Krise des Standorts Deutschland für überzogen. "Natürlich bleibt noch viel zu tun, aber bei der Entflechtung der Deutschland AG sind deutliche Fortschritte zu erkennen", sagte Alexander Dibelius (41), der zusammen mit dem Amerikaner Wayne Moore (44) seit Anfang Dezember die deutsche Niederlassung der US-Investmentbank führt. Als Beispiele nannte Dibelius im Gespräch mit dem Handelsblatt die Deutsche Bank und die Allianz. Diese beiden großen Spieler hätten sich bereits von zahlreichen Beteiligungen getrennt und auch ihre gegenseitige Verflechtung aufgelöst.

Bis der Umbau der heimischen Wirtschaft abgeschlossen ist, werden nach Ansicht des Bankers zwar noch zehn bis 15 Jahre vergehen. "Alles in allem sehen wir den Standort Deutschland aber positiv", urteilte Dibelius. Zuletzt war der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hart mit Deutschland ins Gericht gegangen. "Wir werden nicht mehr als wirtschaftliche Lokomotive wahrgenommen, sondern als next Japan", hatte Ackermann kritisiert.

Die Zuversicht der US-Investmentbank zeigt sich auch in der Investitionspolitik der Beteiligungstochter, Goldman Sachs Capital Partners. Der weltweit aktive Fonds GSCP 2000 mit einem Volumen von 5,5 Mrd. $, hat 22 % seiner Gelder hier zu Lande angelegt. Damit flossen rund 65 % aller Mittel, die der Fonds in Europa investiert hat, in die Bundesrepublik. Unter anderem hat sich die Goldman-Tochter bei der insgesamt 2,5 Mrd. schweren Übernahme des Henkel-Ablegers Cognis engagiert. Bei der Akquisition von Messer-Griesheim für 2,6 Mrd. gehörten die Amerikaner ebenfalls zu den großen Investoren. "Auch in Zukunft haben wir großes Interesse an Engagements in Deutschland", betonte Moore. Nach Informationen aus Marktkreisen bewirbt sich Goldman derzeit gemeinsam mit den Beteiligungsgesellschaften Apax und Providence um den Zuschlag für das Kabelnetz der Deutschen Telekom, das nach Branchenschätzungen 1,5 bis 2,0 Mrd. wert ist.

Aber nicht nur bei Beteiligungen, auch im Investmentbanking sehen die beiden Goldman-Banker in Deutschland gute Chancen. "In Amerika ist der Markt weitgehend gesättigt", erläuterte Moore. Europa biete dagegen noch attraktive Wachstumsmöglichkeiten. Wer bei der erwarteten Konsolidierung auf dem alten Kontinent eine Hauptrolle spielen wolle, müsse in Großbritannien, in Frankreich und in Deutschland vorne mit dabei sein.

"Aus fundamentaler Sicht bleibt Deutschland ein attraktiver Platz", bestätigte Dibelius. Nach wie vor habe die Bundesrepublik im internationalen Vergleich einen großen Nachholbedarf bei der Kapitalmarktorientierung. Doch die Unternehmen würden zusehends vertraut mit den Spielarten des Investmentbanking und nutzten immer öfter die Möglichkeiten, um ihre Mittel effizient einzusetzen.

Im vergangenen Jahr belegte Goldman Sachs Deutschland im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hinter der Deutschen Bank den zweiten Rang bei abgeschlossenen Transaktionen. Auch bei Aktienplatzierungen rangiert Goldman auf Platz zwei, wiederum nach der Deutschen Bank. Trotz der derzeitigen Flaute im Investmentbanking hofft Goldman Sachs in Deutschland Marktanteile gewinnen zu können. Moore und Dibelius begründen dies mit Verschiebungen in der Konkurrenzsituation am Finanzplatz Frankfurt. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, fahren Wettbewerber wie Lehman Brothers und Merrill Lynch ihre Mannschaften herunter und verlagern einzelne Aktivitäten zurück nach London. Zwar musste auch Goldman im Vergleich zu den Boomzeiten das Personal in Frankfurt von 450 auf über 350 reduzieren. Der Markt wird aber auch 2003 schwierig. "Aber wir werden weiterhin alle wichtigen Kunden und Geschäftsbereiche aus Deutschland abdecken", verdeutlichen Dibelius und Moore ihre Strategie.

In diesem Jahr sieht die Bank angesichts der Baisse an den Aktienbörsen vor allem im Anleihebereich Wachstumschancen. Allerdings will Goldman hier nicht bei Standardanleihen in der ersten Liga mitspielen, sondern setzt vor allem auf Spezialbonds, mit denen sich beispielsweise Kreditrisiken absichern lassen. Die Kontakte aus dem Investmentbanking will Goldman auch für den Aufbau der noch jungen Vermögensverwaltung nutzen. "Hier wachsen wir mit Abstand am schnellsten", betonte Dibelius. Allerdings erfolgt dieses Wachstum von einer niedrigen Basis aus. Seit dem Start 1998 hat die Sparte Goldman Sachs Asset Management hier zu Lande rund 6 Mrd. Anlegergelder eingesammelt.

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