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02.08.2000

18:47 Uhr

Wachstumswerte brechen auf breiter Front ein

Die Internet-Euphorie ist verflogen

Die Pleite des britischen Modehändlers Boo.com hat den Internetaktien einen Schlag versetzt.

HANDELSBLATT, 22.5.2000 hof FRANKFURT/M. Die Euphorie der Anleger an den Wachstumsbörsen ist erschüttert. Nicht nur die Ankündigung weiterer Zinserhöhungen in den USA ließen der Hoffnungstitel zum Wochenschluss weiter fallen, besonders die Pleite des britischen Modehändlers Boo.com scheint die Anleger wachgerüttelt zu haben.



Die Konsequenz: Die Werte am Neuen Markt in Frankfurt gaben am Freitag im Durchschnitt 5,11 % und an der amerikanischen Nasdaq 4,19 % nach. Mit einer schnellen und durchgreifenden Erholung rechnen Experten besonders im Internet-Bereich nicht.



Dazu tragen auch die sich häufenden Berechnungen der so genannten Cash-Burn-Rates bei, die Aussagen darüber treffen, wie lange die liquiden Mittel eines Unternehmen ausreichen, bevor der Geldfluss versiegt.



Nur jede vierte Internet-Gesellschaft überlebt



Diese Berechnungen stützen auch die Meinung von Merrill Lynch, dass nur jede Vierte der am Markt vertretenen Internet-Gesellschaften überleben wird. "Der Rest geht Pleite oder wird für wenig Geld übernommen", glaubt Bernard Tubeileh, bei der Bank Analyst für Wachstumswerte. Das strahle auf den ganzen Markt aus. Bei der Nasdaq sieht er durchaus noch einen Korrekturspielraum von 10 % bis 20 %. "Der Neue Markt könnte noch übertriebener reagieren", befürchtet Tubeileh. Erst in der zweiten Jahreshälfte sieht er echte Erholungschancen: "Momentan will niemand mehr Firmen, die auf absehbare Zeit Verluste machen."



Experten empfehlen Qualitätstitel



In diesem Punkt ist er sich mit der DG Bank einig. Mit "Qualität vor Phantasie" beschreibt Volker Borghoff, Aktienstratege des Spitzeninstituts der Genossenschaftsbanken, die Marschroute seiner Bank bei Anlagetipps. Es fehle an positiven Impulsen und die Strategie der US-Zentralbank Fed hätten den Markt besonders belastet. Auch er hält Pleiten von Internetfirmen am Neuen Markt nicht für ausgeschlossen. Dass das Vertrauen der Anleger bereits nachhaltig erschüttert ist, macht er auch daran fest, dass die Quartalszahlen der Firmen vom Neuen Markt und von der Nasdaq sehr schlecht aufgenommen wurden. Optimistischer bleibt die DG Bank bezüglich der allgemeinen Marktbewertung. Stände von 5 300 Punkten bis 5 500 Punkten beim Nemax-All-Share-Index seien zwar nicht auszuschließen. Doch Borghoff bleibt bei der Prognose, dass sich das Kursbarometer bis Ende des Jahres wieder bis auf 8 500 Punkte hochhangeln wird.



Commerzbank bleibt optimistisch



Nicht allzu pessimistisch beurteilt auch die Commerzbank die Lage. Analyst Axel Hotze glaubt zwar auch, dass sich zusehends die Spreu vom Weizen trennen wird und einige Internet-Unternehmen zusätzliches Kapital benötigen werden. Doch "wenn die Business-Modelle funktionsfähig sind, wird sich das auch auszahlen". Viele der Unternehmen hätten dann gute Überlebenschancen.

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