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25.07.2000

15:45 Uhr

Während der UMTS-Auktion werden die Bieter abgeschirmt

Beim Milliardenpoker in Mainz herrscht Handy-Verbot

Mobiltelefone sind strikt verboten, wenn von Montag an die neuen UMTS-Mobilfunklizenzen versteigert werden. Beim Milliardenpoker um eine Zukunft auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt sollen die Bieter so gut wie möglich von der Außenwelt abgeschirmt werden, um illegale Absprachen zu verhindern. In der Mainzer Zweigstelle der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) ist für jeden der sieben Bieter ein abgesperrter Raum mit einem Computer für die Gebote, zwei Festnetztelefonen und einem Faxgerät reserviert. Mit dem einem Telefon können die Firmenvertreter den Auktionator erreichen, mit dem anderen und dem Faxgerät ihr Unternehmen. Penibel hat die RegTP versucht, jedes Detail der Versteigerung zu regeln - dennoch kritisieren Experten, dass die Konzeption auf einen Zuschlag an die heutigen Marktteilnehmer hinausläuft.

afp MAINZ. Ab 10.00 Uhr vormittags können am Montag maximal zwei Vertreter je Firma im Sicherheitsbereich des RegTP-Gebäudes Gebote abgeben. Wenn einer von ihnen den abgesperrten Bereich verlässt, bleibt er für diesen Tag von der Auktion ausgeschlossen. Am nächsten Morgen kann er allerdings wieder teilnehmen. Dass die Versteigerung schon am Montag beendet sein wird, gilt als unwahrscheinlich. Wie lange die Auktion dauern wird, ist derzeit genauso ungewiss wie die Höhe der Einnahmen.

Gut zwei Wochen dauerte die UMTS-Versteigerung in den Niederlanden, die am 24. Juli zu Ende ging. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 2,7 Milliarden Euro (5,3 Milliarden Mark). Das niederländische Finanzministerium hatte weit mehr erwartet.

Auch in Deutschland schrumpften in den vergangenen Wochen die Summen, mit denen Finanzminister Hans Eichel (SPD) angeblich rechnen kann. Die zunächst sehr hohen Erwartungen hatte das Ergebnis der UMTS-Auktion in Großbritannien ausgelöst: Sie bescherte dem Staat nach damaligem Pfund-Kurs umgerechnet rund 75 Milliarden DM.

Analysten hatten danach für Deutschland Gebote von bis zu 120 Milliarden DM vorhergesagt. RegTP-Präsident Klaus-Dieter Scheurle betonte zuletzt, er rechne nicht mit einer ähnlich hohen Milliardensumme wie in Großbritannien.

Versteigert werden zwölf Frequenzblöcke

Den sieben verbliebenden Bietern werden in der Auktion zwölf Frequenzblöcke angeboten. Jedes Unternehmen darf aber nur für drei Blöcke bieten. Es wäre daher möglich, dass die vier jetzigen deutschen Marktteilnehmer jeweils ihr Maximum erwerben und damit den Kuchen unter sich aufteilen. Für sie sei der Anreiz sehr viel höher, hoch zu bieten, sagt der Wirtschaftsmathematiker Jörg Nikutta von der Universität Mannheim. Sie riskierten sonst ihren Besitzstand auf dem deutschen Mobilfunkmarkt und möglicherweise die Pleite. Zudem erhöhten sich ihre Gewinne, wenn sie neue Firmen aus dem Markt raushalten könnten. Explizite Absprachen seien dafür gar nicht nötig, betont Nikutta.

Behörde wird bei Absprachen Lizenz verweigern und Geld einfordern können

Die Regulierungsbehörde kündigte an, Absprachen mit drakonischen Strafen zu verhindern. Falls ein so genanntes kollusives Verhalten bekannt wird, werden die entsprechenden Bieter von der Auktion ausgeschlossen. Ihr Höchstgebote bleiben allerdings bestehen - und wenn sie nicht überboten werden, müssen sie zahlen, ohne eine Lizenz zu bekommen. Auch wenn die Absprache nach der Auktion entdeckt wird, wird ein Zuschlag widerrufen. Das Geld bekommt die Firma auch in diesem Fall nicht zurück.

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