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27.01.2002

16:23 Uhr

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Waggonbauwerk in Ammerndorf scheint gerettet

Die geplante Schließung des Waggonbauwerkes Halle-Ammendorf scheint nach einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem Chef des kanadischen Bombardier-Konzerns, Laurent Beaudoin, vom Tisch. Die Bundesregierung erklärte am Sonntag nach dem Treffen in Berlin, Bombardier habe "die Zuversicht gewonnen, dass die Auftragslage in der vorhersehbaren Zukunft stabil" bleibe.

Reuters BERLIN. Vorausgegangen waren Zusicherungen über Investitionen im Bahnbereich und zur Entwicklung von nicht genutzten Betriebsflächen in dem Werk. Schröder hatte sich mehrfach persönlich für den Erhalt der rund 850 Arbeitsplätze eingesetzt.

"Bombardier hat [...] seinen Entschuss bekräftigt, seine Aktivitäten am Standort Ammendorf vorbehaltlich kleinerer Personalanpassungsmaßnahmen fortzuführen", erklärte Regierungsspreche Uwe-Karsten Heye nach dem Treffen. Das Land Sachsen-Anhalt, der Bund und Bombardier würden in den nächsten Wochen über die mittel- und längerfristige Zukunft von Ammendorf Gespräche führen, "um eine nachhaltige Sicherung der Arbeitsplätze zu erreichen". Hierzu werde die Verstetigung der Investitionsmittel, die der Deutschen Bahn AG mittelfristig zuflössen, maßgeblich beitragen.

Um neue und zusätzliche Wirtschaftskraft für die Region Halle zu schaffen, werde die Landesregierung die noch nicht durch Investoren belegten nicht betriebsnotwendigen Flächen des Werkes Ammendorf kaufen und zu einem Industriepark entwickeln, erklärte Heye weiter. Diese Flächen würden dann im Rahmen einer Ansiedlungsoffensive an Investoren vermarktet. Der Kanzler begrüße zudem Überlegungen von Bombardier, auf dem Gelände ein internationales Fortbildungs- und Trainingszentrum für Bombardier-Mitarbeiter zu gründen.

Bundesregierung in zahlreichen Politikbereichen unter Druck

Ursprünglich hatte Bombardier den Standort Ammendorf zur Jahresmitte schließen wollen. Der Konzern betreibt elf Werke in Deutschland. Schröder hatte bereits am Donnerstagabend mit Betriebsräten und Gewerkschaftern über die Zukunft des Werkes gesprochen. Gefährdet ist auch das Werk in Vetschau bei Cottbus mit 110 Beschäftigten sowie das Werk in Henningsdorf bei Berlin. Ob Schröder und Beaudoin auch über diese beiden Standorte gesprochen haben, geht aus der Erklärung Heyes nicht hervor. Die brandenburgische Landesregierung hatte jedoch zuvor von neuer Hoffnung auch für Vetschau gesprochen.

Schröder kündigte an, der Belegschaft des Werkes in Ammendorf am Montagvormittag persönlich auf einer Betriebsversammlung die Ergebnisse der Verhandlungen zu erläutern. Die von Schröder vorangetriebene Rettung des Standortes fällt in eine Phase, in der die Regierung in zahlreichen Politikbereichen unter Druck steht. So werden in der Opposition erste Stimmen laut, die einen Rücktritt von Innenminister Otto Schily (SPD) wegen einer V-Mann-Affäre im NPD-Verbotsverfahren fordern. Am Freitag war zudem eine Runde des Bündnisses für Arbeit ohne Konsens über die kommende Tarifrunde zu Ende gegangen.

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