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05.02.2001

11:58 Uhr

Wahl in Israel

Jordanien fürchtet Wahlsieg Scharons

Jordanien macht sich vor der Wahl des israelischen Ministerpräsidenten auf das Schlimmste gefasst. Sollte wie in Umfragen vorhergesagt der Konservative Ariel Scharon gewinnen, befürchtet Israels Nachbar den Beginn einer turbulenten Ära im Nahen Osten und eine Eskalation des Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis.

Reuters AMMAN. Analysten zufolge könnte dies Jordaniens Wirtschaft hart treffen und innenpolitischen Druck erzeugen, die Beziehungen zu Israel abzubrechen. Einige sehen als schlimmstes Szenario eine Welle der Gewalt, die Tausende Palästinenser zur Flucht aus dem israelisch besetzten Westjordanland und Gaza-Streifen bewegen könnte.

In Jordanien leben zurzeit 1,6 Mill. palästinensische Flüchtlinge. Eine Mehrheit der fünf Mill. Einwohner sind palästinensischer Abstammung. Eine neue Welle von Flüchtlingen könnte das empfindliche innenpolitische Gleichgewicht stören und die bereits starken anti-israelischen Kräfte weiter stärken, sagen Analysten.

"Jordanien ist über eine mögliche Wahl Scharons besonders wegen der Geschichte des Mannes besorgt", sagt der ehemalige Außenminister und jetzige Mitarbeiter des Jordanischen Instituts für Diplomatie, Kamel Abu Dschaber. "Es gibt kein Anzeichen dafür, dass dieser Mann sich geändert hat." Auch der Leiter des Instituts für strategische Studien an der Jordanischen Universität, Mustapha Hamarneh, sähe eine Wahl Scharons als Rückschritt an. "Er wird weitere Siedlungen bauen, die Palästinenser herausfordern und in Israel die Politik von Extremisten unterstützen", sagt Hamarneh. "Dies wird sich negativ auf Jordanien auswirken." Bereits jetzt habe sich der Aufstand der Palästinenser vernichtend auf den Tourismus des Landes ausgewirkt.

In der Öffentlichkeit zeigen sich jordanische Politiker unbeeindruckt von der Aussicht, mit Scharon zurecht kommen zu müssen. Jedoch haben sie Vorbehalte über die Art geäußert, wie Scharon den Friedensprozess weiter verfolgen würde. Ministerpräsident Ali Abu el Ragheb sagte der Zeitung "Al Hayat" in dieser Woche, das Problem wäre nicht die Wahl Scharons, sondern dass der Friedensprozess dadurch gefährdet würde. Für Jordanien selbst gebe es keine Alternative zum Frieden.

Hamarneh und Abu Dschaber weisen beide Ängste über eine neue Flut von Flüchtlingen zurück. "Ich glaube nicht, dass es passieren wird", sagte Hamarneh. Die Palästinenser würden kaum ihre Gebiete freiwillig verlassen. "Und wie will man sie dazu zwingen - sie in Busse stecken und nach Jordanien fahren?" Abu Dschaber weist darauf hin, dass Jordaniens König Abdullah und die jordanische Regierung wiederholt die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ausgeschlossen haben. "Ich glaube nicht, dass diese Karte im Spiel auftauchen wird", sagt er.

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