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03.07.2000

08:54 Uhr

Wahlen

Ein-Parteien-Herrschaft in Mexiko beendet

Oppositionskandidat Vicente Fox hat die Präsidentenwahl klar gewonnen. Mit dem Sieg des Rechtsliberalen endet nach 71 Jahren die Herrschaft der PRI.

Vicente Fox

Vicente Fox

ap MEXIKO-STADT. Der rechtsliberale Oppositionskandidat Vicente Fox hat bei der Präsidentenwahl in Mexiko in überwältigend klaren Sieg errungen. Präsident Ernesto Zedillo erklärte den Kandidaten der Nationalen Aktionspartei (PAN) am Sonntagabend (Ortszeit) offiziell zum Wahlsieger. Nach Auszählung von 17 % der Stimmen lag Fox mit 47,5 % deutlich vor seinem Rivalen Francisco Labastida von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), der auf 31,8 % kam. Mit dem Sieg der Opposition endet die Herrschaft der PRI, seit seit ihrer Gründung vor 71 Jahren stets den Präsidenten stellte.

Die vorläufigen Ergebnisse seien "ausreichend und glaubwürdig genug, um zu sagen, dass der nächste Präsident der Republik Vicente Fox sein wird", sagte Zedillo in einer landesweit im Fernsehen ausgestrahlten Erklärung. Er habe Fox bereits telefonisch gratuliert. Auch Labastida räumte wenig später seine Niederlage ein. "Die Bürger haben eine Entscheidung getroffen, die wir respektieren sollten", sagte er. "Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen."

Sechs verschiedenen Wählernachfragen zufolge erreichte der PAN-Kandidat einen Vorsprung zwischen sechs und neun Prozentpunkten. Abgeschlagen an dritter Stelle lag wie zuvor erwartet Cuauhtemoc Cardenas von der sozialdemokratisch orientierten Partei der Demokratischen Revolution (PRD) mit 15,8 % der Stimmen. Der Opposition waren bereits vor der Abstimmung gute Chancen eingeräumt worden, erstmals die 1929 gegründete und seitdem auf nationaler Ebene ununterbrochen allein regierende PRI abzulösen.

Fox sagte nach Bekanntgabe der ersten Trends, er werde die offiziellen Ergebnisse abwarten, bis er seinen Sieg feiern werde. Er bekräftigte sein Versprechen eines behutsamen Wandels für Mexiko. "Von heute an müssen wir zusammenhalten", sagte der 57-Jährige. "Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Mexiko zu dem großartigen Land zu machen, von dem wir alle geträumt haben." Er nannte den Wahltag einen historischen Tag für Mexiko.

Bei der Wahl, zu der rund 60 Mill. Mexikaner aufgerufen waren, hatte sich eine hohe Beteiligung abgezeichnet. Dabei wurde zugleich über die Verteilung von 500 Sitzen im Abgeordnetenhaus und 128 Mandaten im Senat entschieden. Die Abstimmung wurde von 860 internationalen Beobachtern überwacht, darunter der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter.

Weiteren Wählernachfragen zufolge verlor die PRI auch drei wichtige Regionalwahlen: die Gouverneurswahl in den Staaten Morelos und Guanajuato sowie die Bürgermeisterwahl in Mexiko-Stadt. Laut Televisa gewann in Mexiko-Stadt der Kandidat der PRD, Andres Manuel Lopez Obrador, mit 40 % der Stimmen vor dem PAN-Bewerber Santiago Creel, der auf 34 % kam. In südlich an die Hauptstadt grenzenden Morelos und im zentralnördlichen Guanajuato, der Heimat von Fox, lag demnach die PAN vorne mit jeweils 57 % der Stimmen vorn.

Mit dem Endergebnis wurde für Montagabend gerechnet. Zu den Parlamentswahlen lagen zunächst noch keine Trends vor.



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