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03.07.2000

15:13 Uhr

Wahlen in Mexiko

Vicente Fox - Hoffnung der Armen in Cowboy-Stiefeln

VonKLAUS BLUME/dpa

Der konservative Unternehmer und Landwirt schaffte es, die Macht der jahrezehntelang regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) zu brechen.

Vincente Fox

Vincente Fox

dpa MEXIKO-STADT. Das "Victory"-Zeichen mit dem gespreizten Zeige- und Mittelfinger wurde für Vicente Fox im Wahlkampf zum Markenzeichen, das er sogar in Form übergroßer Schaumgummihände verteilen ließ. So viel Siegeszuversicht wirkte ansteckend. Der 1,93 Meter große Oppositionskandidat schaffte es, aus der allgemeinen Unzufriedenheit mit der seit Jahrzehnten regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) Kapital zu schlagen - und das an seinem 58. Geburtstag. Als Präsident will er Mexiko in ein neues Zeitalter führen. "Dieser Tag öffnet uns die Türen zum 21. Jahrhundert", verkündete er am Wahlabend.

Seine politische Karriere hatte der Unternehmer und Landwirt, der sich bis zum Chef des Getränkemultis Coca-Cola für Mexiko und Zentralamerika hochgearbeitet hatte, erst relativ spät begonnen. 1988 ließ er sich zu einer Kandidatur für die konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN) überreden und zog ins Abgeordnetenhaus in Mexiko-Stadt ein. Drei Jahre später kandidierte er in seinem Heimatstaat Guanajuato (rund 300 Kilomter nördlich von Mexiko-Stadt) für den Gouverneursposten, wurde aber durch offensichtlichen Wahlbetrug um den Sieg geprellt.

Beim zweiten Versuch, 1995, siegte er haushoch mit 58 % der Stimmen. Im August vorigen Jahres trat er wegen der Präsidentschaftskandidatur als Gouverneur zurück.

Wie seine Partei ist auch Fox katholisch geprägt und hebt gerne seine jesuitische Erziehung hervor. Er ist gegen Abtreibung, aber nicht gegen Empfängnisverhütung. Von seiner Frau lebt der Vater von vier Adoptivkindern getrennt, hat aber stets erklärt, nicht wieder heiraten zu wollen. Kritiker werfen Fox seine Macho-Sprüche, seine manchmal recht derbe Ausdrucksweise und vor allem seine inhaltlichen Widersprüche vor. So hatte er früher die Privatisierung der staatlichen Erdölgesellschaft Pemex, einer "Heiligen Kuh" in Mexiko, befürwortet, heute plädiert er dagegen.

In seiner Partei hatte Fox eigentlich immer eher eine Außenseiterrolle. Manch einer der "Panistas" unterstützte den Non- Konformisten, der am liebsten Cowboy-Stiefel trägt, nur halbherzig. Viele Konservative irritiert es, wenn sich Fox als "mitte-links" einstuft. Und Fox selber hat sich von Anfang seiner Kampagne mit den "Amigos de Fox" (Freunde von Fox) parallel zur Partei eine eigene Massenbasis geschaffen. Die meisten seiner Anhänger interessieren ideologische Fragen nur am Rande. Für sie ist Fox einfach eine Art Heilsfigur, in die sie ihre seit Jahren aufgestauten Wünsche nach besseren Lebenschancen, höheren Löhnen und mehr Sicherheit projiziert haben.

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