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30.01.2003

16:02 Uhr

Wahlkampf beendet

Koch kratzt in Hessen an der absoluten Mehrheit

Ganz ohne Dramatik ist der Wahlkampf in Hessen zu Ende gegangen. Die CDU wähnt sich am Ziel, während die SPD noch auf die Trendwende in allerletzter Minute hofft.

dpa WIESBADEN. Zu den Abschlusskundgebungen im hessischen Landtagswahlkampf fuhren die Parteien noch einmal ihre geballte Prominenz auf: Für die im Umfragetief dümpelnde SPD wurde Bundeskanzler Gerhard Schröder in Wiesbaden erwartet. Die CDU, die in Hessen einer absoluten Mehrheit nahe scheint, schickte Bundeschefin Angela Merkel in Frankfurt ins Rennen. Außenminister Joschka Fischer sollte für die Grünen seinen einzigen Einsatz in der Kampagne absolvieren.

Damit geht ein Wahlkampf ohne Dramatik zu Ende. Zu klar war der Trend der Umfragen: Die Union startete vor wenigen Wochen hoch und legte von da an leicht zu, während die SPD von niedrigem Niveau aus in den flachen Sinkflug überging. Die Grünen hielten sich im zweistelligen Prozentbereich.

Für Spannung sorgt einzig die FDP, die anfangs genau die 5-Prozent-Hürde erreichte. Zwar hat sie inzwischen zwei Punkte hinzugewonnen, doch ist es angesichts des Höhenflugs der Union fraglich, ob die Liberalen überhaupt noch zur Mehrheit gebraucht werden. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würde zwar nach eigenen Worten auch mit einer eigenen absoluten Mehrheit der Landtagssitze die Koalition fortsetzen wollen, doch dieses Angebot hat die FDP - Landesvorsitzende Ruth Wagner bereits zurückgewiesen.

Der Statik der Umfragen entsprach das Temperament der Auseinandersetzung: Hatte Ministerpräsident Koch noch im Dezember mit seinem Judenstern-Vergleich einen Sturm der Entrüstung entfacht, hütete er sich im Wahlkampf vor jeder Provokation, die SPD-Anhänger hätte mobilisieren können. Er setzte auf die politische Großwetterlage und erklärte die Hessenwahl zur Protestwahl gegen rot- grüne Steuer- und Abgabenerhöhungen im Bund.

Seinem Gegenspieler Gerhard Bökel (SPD) verpuffte währenddessen ein Wahlkampfthema nach dem anderen. Die Forderung nach einer Vermögensteuer schlug ihm der Bundeskanzler aus der Hand, das Versprechen von 500 Ganztagsschulen erwies sich als zu wenig emotional, und selbst mit Anti-Koch-Kinospots konnte er den Umfragetrend nicht umkehren. Als letzten Trumpf spielte Bökel die Irak-Karte: Zeitungsanzeigen und Unterschriftensammlungen gegen einen neuen Krieg am Golf sollen enttäuschte SPD-Anhänger zurück an die Urnen holen.

Inzwischen wollen SPD-Politiker einen Stimmungsumschwung spüren. Bökel beschwört die Erinnerung an den Landtagswahlkampf von 1999, als die Stimmung erst in den letzten Tagen kippte und Koch Überraschungssieger wurde. Auch diesmal ist der Ausgang längst nicht so sicher wie die Umfragen suggerieren: Relativ kleine Verschiebungen vom Regierungslager hin zur Opposition könnten die FDP scheitern lassen und Bökel den Weg in die Wiesbadener Staatskanzlei ebnen.

Das Stimmungsbild der Demoskopen entspricht auch kaum den tatsächlichen Ergebnissen der vergangenen hessischen Landtagswahlen, die stets knapp endeten. So hält es die hessische Union für die größte Gefahr, dass ihre Anhänger sich in falscher Siegesgewissheit wiegen und am Sonntag nicht zur Wahl gehen. Generalsekretär Michael Boddenberg ist deshalb seit Beginn der Kampagne damit beschäftigt, die eigenen Umfragewerte zu relativieren und einen knappen Ausgang zu prophezeien.

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