Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2004

08:57 Uhr

Wahlkampf

US-Politiker wollen Verlagerung von Jobs ins Ausland stoppen

VonThorsten Riecke

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer hat sich neben den Steuern zum heißen Thema im US-Wahlkampf entwickelt.

John Edwards

John Edwards will das Outsourcing stoppen

NEW YORK. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards tourt durch die ausgebluteten Industrieregionen Amerikas und verspricht dafür zu sorgen, dass "US-Jobs in den USA bleiben". Sein Mitbewerber und Favorit John Kerry hat bereits angekündigt, alle Handelsabkommen zu überprüfen. Jene Konzernchefs, die Arbeitsplätze nach Übersee verlagern, beschimpft er als "Benedikt Arnold". Der Zeitgenosse George Washingtons gilt als schändlicher Verräter während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.

Die Attacken zeigen Wirkung. Als Greg Mankiw, oberster Wirtschaftsberater von Präsident George W. Bush, die schmerzhafte Wahrheit aussprach, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen Teil der dynamischen Erneuerung und damit gut für die US-Wirtschaft sei, wurde er vom Weißen Haus zurückgepfiffen. Auf Drängen des einflussreichen Sprechers des Repräsentantenhauses Dennis Hastert musste er sich öffentlich entschuldigen.

Der Grund für die hitzige Debatte: Knapp drei Millionen Jobs sind in den vergangenen drei Jahren in der amerikanischen Industrie verloren gegangen. Hinzu kommt, dass die US-Wirtschaft es bislang trotz kräftiger Wachstumsraten nicht geschafft hat, für ausreichend neue Jobs zu sorgen. Sein erst kürzlich proklamiertes Ziel, noch in diesem Jahr 2,6 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, hat Bush schnell wieder einkassiert.

Da es für den bislang fast beschäftigungslosen Aufschwung keine einfache ökonomische Erklärung gibt, suchen die Politiker nach einem Sündenbock. Angesichts eines Handelsbilanzdefizits von rund 500 Mrd. $ und nahezu täglich neuer Meldungen über die Verlagerung von US- Stellen nach Übersee sind sie dabei auf die Billiglohnländer und insbesondere auf Indien und China verfallen. Zur Hilfe kommen ihnen Untersuchungen, die Amerika in den kommenden Jahren eine wahre "Outsourcing"-Welle voraussagen. Die Marktforschungsgesellschaft Forrester Research prophezeit, dass bis 2015 etwa 3,3 Millionen US-Jobs in Billiglohnländer verlagert werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×