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25.01.2002

22:33 Uhr

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Wall Street: Dow Jones profitiert von Greenspan, Techs schließen schwach

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Die US-Märkte bilden zum Wochenende ein uneinheitliches Bild: Während sich der Dow Jones Index aufgrund einiger solider Gewinne unter den Industriewerten schon den ganzen Tag im Plus eingependelt hatte, kam die Nasdaq nach einigen schwachen Unternehmensmeldungen nie richtig in Schwung. Der Technologie-Index ging mit einem Minus von 5 Pünktchen oder einem Viertelprozent aus dem Handel, der Dow verbesserte sich um 45 Punkte oder ein halbes Prozent.

Auf die (durch den Martin Luther King-Day am Montag) verkürzte Handelswoche bezogen, haben sich beide großen Indizes minimal verbessert. Die Grundstimmung am Markt ist nicht pessimistisch, aber um wirklich groß einzusteigen - und die beiden Indizes wieder über ihre psychologischen Grenzen von 10.000 Punkten für den Dow und 2.000 Punkten für die Nasdaq zu pushen -, dafür fehlen den Anlegern in der zweiten Woche der Ertragssaison noch Beweise. Zahlen und Fakten untermauern die optimistischen Aussichten von Notenbankchef Alan Greenspan noch nicht. Der Dow hat in vier Handelstagen 0,7 Prozent zugelegt und schloss mit 9840 Punkten, die Nasdaq verbucht ein Plus von 0,4 Prozent und geht mit 1938 Punkten ins Wochenende.

Gute Nachrichten vom Computerbauer Compaq hatten die Nasdaq am Nachmittag noch einmal kurz ins Plus gedrückt: Das Unternehmen hat die Gewinnerwartungen für das Jahr 2002 heraufgesetzt. Das Management geht davon aus, in diesem Jahr einen Aktiengewinn von 32 Cent erwirtschaften zu können, 7 Cent mehr als die Wall Street Analysten bisher erwartet hatten. Vor allem für die zweite Jahreshälfte sieht Compaq Wachstumspotential. Die Aktie von Compaq verlor trotz der guten Aussichten leicht und schloss 0,7 Prozent schwächer.

Zuvor hatte vor allem Konkurrent Gateway auf den Markt gedrückt. Das Unternehmen mit der Kuh schreibt zwar wie versprochen schwarze Zahlen, enttäuscht aber mit düsteren Aussichten. Das Unternehmen hat Marktanteile an IBM, Hewlett-Packard, Compaq und Dell verloren und will im laufenden Jahr 2.250 Mitarbeiter entlassen und mindestens 20 Läden schließen. Ein Grund: Gateway verdankt seinen Gewinn vor allem der Konzentration auf das High-End-Geschäft, also den Handel mit Computern im oberen Preissegment. "Doch da liegt nicht die Zukunft", wie selbst CFO Joe Burke bekannte. Morgan Stanley und die Deutsche Banc Alex Brown stufen den Titel ab, die Aktie verlor im Handel 20 Prozent.

Auch der Glasfaser-Riese JDS Uniphase belastet den Tech-Sektir. Mit einem Verlust von 19 Cent pro Aktie in den letzten drei Monaten hat man die Erwartungen der Analysten (minus 2 Cent) weit verfehlt. Der Umsatz ist innerhalb eines Jahres auf weniger als ein Drittel geschrumpft, und für die nächsten drei Monate gibt Vorstandschef Jozef Straus keine Entwarnung: Der Umsatz werde weiter fallen. Die Aktie verlor 9 Prozent.

Enttäuschend auch die Quartalsbilanz beim Handyhersteller Ericsson : Das schwedische Unternehmen meldet einen Verlust von 485 Millionen Dollar oder 6 Cent pro Aktie. Analysten hatten mit einem Fehlbetrag von 2 Cent pro Papier gerechnet. Damit steht Ericsson ähnlich schlecht da wie der US-Riese Motorola , der bereits Anfang dieser Woche den vierten Quartalsverlust in Folge gemeldet hatte. Allein um den finnischen Konkurrenten Nokia scheint es besser bestellt. Der meldete am Donnerstag einen deutlich höheren Gewinn als erwartet. Ericsson gibt 7 Prozent ab.

Dass unter den Handyherstellern zur Zeit nur Nokia Wachstum verzeichnet, belastet das Ergebnis von Qualcomm . Der US-Mobilfunkspezialist stellt die sogenannte CDMA-Technologie her, die ausgerechnet Nokia nicht anwendet. Daher erwartet Qualcomm im laufenden Quartal weiter sinkende Umsätze und in 2002 einen niedrigeren Gewinn. Morgan Stanley stuft die Aktie von Qualcomm dennoch weiter mit "aggressiv kaufen" ein, und die Anleger ziehen mit. Qualcomm gewinnt 5,8 Prozent.

Erfolgsmeldungen kommen - wie üblich - von Starbucks : Die Kaffeekette hat einmal mehr die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Unternehmen weist nicht nur ein Wachstum von 20 Prozent im vierten Quartal aus, sondern legt auch weitere Expansionspläne vor. Mindestens 1.200 neue Cafés will man im Jahr 2002 weltweit eröffnen, eines Tages, so CEO und Chefstratege Howard Schultz, sollen aus den bisher 5.000 Filialen 20.000 werden. Die Aktie verliert am Freitag dennoch 1,5 Prozent.

Stabiler notieren die Industriewerte im Dow. In den Kursgewinnen von DuPont, 3M, Coca-Cola, Exxon Mobil, United Technologies, Procter & Gamble und American Express spiegelt sich die überwiegend optimistische Stimmung des Marktes. Zu den Verlierern im Dow gehören - wenig überraschend - die Technologietitel Intel, Microsoft und .

Die wichtigste Schlagzeile des Tages kam von Enron : Der ehemalige Vize-Chairman des einstigen Energieriesen, Clifford Baxter, wurde am Morgen tot in seinem Auto gefunden. Wie die Polizei in Sugarland (Texas) bekannt gab, soll er sich selbst erschossen haben. Man habe einen Abschiedsbrief gefunden, dessen Inhalt aber noch nicht bekannt gegeben wurde. Enron steht im Verdacht, Bilanzen gefälscht, die Wirtschaftsprüfungsagentur Arthur Anderson dabei geholfen zu haben. Baxter allerdings, der im Mai 2001 aus dem Vorstand ausgeschieden war, ist einer der wenigen Manager des Unternehmens, die von einer Mitarbeiterin in einem wichtigen Memo vor einigen Monaten als "einer der Guten" bezeichnet wurde, die die Bilanzführung der Firma wiederholt auch intern kritisiert hätten. Die Enron-Aktie ist an der New York Stock Exchange nicht mehr gelistet und bewegt sich seit Tagen nur marginal.

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