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12.02.2002

16:04 Uhr

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Wall Street: Erneute Verluste zwischen Optimismus und Unsicherheit

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Dass die US-Märkte am Dienstag erneut im Minus starten, ist nicht weiter tragisch. Mit zwei Tagen im Plus hat die Wall Street nach einer fünftägigen Verlustserie und teilweise dramatischen Kursstürzen ein Signal gesetzt, und am Morgen sind es eher Kurskorrekturen, die die Indizes in die Verlustzone drücken. Der Dow Jones Index gibt 60 Punkte ab, die Nasdaq verliert 25 Punkte.

Langfistiger Optimismus ist allerdings im Markt, das hat der erste Handelstag der Woche gezeigt. Denn am Montag waren es vor allem die zyklischen Werte, die zu den größten Gewinnern gehörten, also die Aktien der Unternehmen, die von einem nachhaltigen konjunkturellen Umschwung profitieren. So waren Alcoa, Caterpillar, DuPont, 3M, International Paper und United Technologies unter den stärksten Performern im Dow - zur Stunde handeln sie allerdings mit jeweils 1 Prozent im Minus.

Die Kurskorrekturen am Dienstag lassen allerdings auch den Schluss zu, dass die Kurse zunächst nicht länger in dem Tempo klettern werden, das sie seit September vorgelegt hatten. Zu viele unsichere bis pessimistische Ausblicke einzelner Unternehmen haben die Euphorie aus dem Markt genommen.

Der moderate Optimismus hingegen - immerhin notieren die Indizes deutlich unter den Höchstständen des jungen Jahres - hat wohl zumindest über die Enron-itis gesiegt. Zahlreiche Analysten hatten in den letzten Tagen Entwarnung für Konzerne gegeben, die der Bilanzverschiebungen verdächtigt worden waren. Doch am Montag droht Nortel zu einem zweiten Enron zu werden. Der Telekomausrüster hat Finanzchef Terry Hungle gefeuert, der mit Investitionen in die Pensionsrücklagen von Nortel gegen die Firmenbestimmungen verstoßen hat. Offensichtlich hat Hungle 78.500 Dollar von einem Aktienfond in einen Rentenfond verschoben, kurz bevor Nortel eine Gewinnwarnung ausgesprochen hat. Dass Nortel am Morgen ankündigt, im laufenden Quartal in die Gewinnzone vorzustoßen, hilft der Aktie nicht: Das Papier verliert 7,7 Prozent.

Mit einer größeren Akquisition macht Dow-Gigant General Electric am Morgen von sich reden: Das Industrie-Konglomerat will sich die Wasserschutz-Sparte BetzDearborn von Hercules einverleiben, und dafür1,8 Milliarden Dollar zahlen. Das Unternehmen, das vor allem Industrieabwässer chemisch reinigt, soll GE einen neuen Markt öffnen und den Jahresumsatz um 1 Milliarde Dollar erhöhen. Hercules hatte sich seinerzeit mit der Übernahme von BetzDearborn übernommen. Während Hercules am Morgen um 7 Prozent zulegt, gibt die Aktie von General Electric 1 Prozent ab.

Auch sonst geht es am Morgen eher nach unten. Die Big Caps notieren mit 1 bis 2 Prozent im Minus, nachdem sich vor allem Intel von seiner aktuellen Schwäche erholt hat. Der Chipriese, der zum Wochenauftakt 3,1 Prozent zugelegt hatte, büßt einen großen Teil dessen wieder ein, und auch die Chip-Zulieferer machen Verluste. Am Abend wird Applied Materials Quartalszahlen vorlegen, und obwohl man auf dem Parkett damit rechnet, dass der erwartete Verlust von 1 Cent pro Aktie ausbleibt, gibt Applied Materials erneut 1,3 Prozent ab. Die Branchenkollegen KLA-Tencor und Teradyne notieren ebenfalls im Minus.

Erneut schwach notiert am Dienstag der Telekomsektor. Die UBS Warburg hat sich die Branche vorgenommen und sieht bei den meisten Unternehmen die Kapitalinvestitionen in 2002 auf einem weiter niedrigen Niveau. Vor allem im Funk-Bereich dürften die Ausgaben für neue Geräte und Infrastruktur um 26 bis 35 Prozent zurückgehen. Dabei rechnen die Analysten vor allem in den nächsten Wochen mit Abstrichen, für die zweite Jahreshälfte erwarten sie eine leichte Verbesserung.

Am Dienstag könnte erstmals wieder eine Nachricht aus dem terroristischen Umfeld auf den Märkten lasten. Nachdem das FBI schon am Vortag Terror-Alarm gegeben hat, ist es am Morgen prompt zu einem ersten Zwischenfall gekommen. Der New Yorker Busbahnhof Port Authority, über den Hunderttausende Pendler in die Stadt kommen, ist komplett geschlossen worden, nachdem ein verdächtiges Paket gefunden wurde. Der Bundespolizei liegen angeblich Hinweise auf Anschläge am Dienstag vor.

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