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11.01.2002

23:00 Uhr

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Wall Street: Greenspan und Ford belasten den Handel zum Wochenende

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Die mit Spannung erwartete Rede von Fed-Chairman Alan Greenspan hat den Markt zum Wochenschluss nicht gestützt. Im Gegenteil: Während der Chef der US-Notenbank über eine leichte Erholung bei weiter drohenden Gefahren orakelte, gaben die amerikanischen Indizes weiter Punkte ab. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 80 Punkten oder 0,8 Prozent bei 9987 Punkten und damit erstmals seit drei Wochen unter der 10.000-Punkte-Marke. Die Nasdaq gab 25 Zähler oder 1,2 Prozent ab uns schloss auf 2022 Punkten.

Alan Greenspans Fazit war ein doppeldeutiges: Die US-Wirtschaft zeige erste Anzeichen einer Erholung und Stabilisierung, stehe aber noch weiteren Risiken gegenüber. Mit dieser Aussage ließ sich Greenspan ein Hintertürchen offen: Die Notenbank kann in ihrem Treffen Ende Januar weitere Zinssenkungen beschließen - wenn sie dies zeitnah für notwendig hält. Gibt es keine weitere Zinssenkung, würden Investoren dies gerne als Indiz für die wiedererlangte Stabilität des Marktes interpretieren. Die Mehrheit der Wall Street Analysten rechnet allerdings mit einem weiteren Abschlag von 25 Basispunkten auf einen Zinssatz von 1,25 Prozent. Die Märkte gaben während der Greenspan-Rede weiter nach, da Investoren den zweideutigen Ausblick der Orakels pessimistisch deuten.

Auch eine Nachricht aus dem Hause Ford verpasste dem Markt zum Wochenschluss einen Dämpfer: Bill Ford Jr., CEO des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt, hatte am Morgen bekannt gegeben, dass man 35.000 Mitarbeiter entlassen, fünf Werke schließen und vier Modelle streichen werde. Die Produktion wird in der Folge von 5,7 Millionen auf 4,8 Millionen Autos im Jahr heruntergefahren. Die Umstrukturierung wird das Unternehmen 4,1 Milliarden Dollar kosten, die im vierten Quartal verbucht werden sollen, und soll bis 2005 einen Profit von neun Milliarden Dollar bringen. Ford hat die Dividende um 33 Prozent auf 10 Cent gesenkt. Die Ford-Aktie verlor moderate 1,9 Prozent. Branchenführer General Motors gab 0,6 Prozent ab, und die Aktie von DaimlerChrysler verbesserte sich um knapp ein Prozent.

Für Gesprächststoff, aber nicht für nennenswerte Kurssprünge, sorgte zum Wochenende erneut der Energie-Trader Enron . Zum einen dringen aus Washington immer mehr Hinweise auf eine Mitwisserschaft der Regierung um das Schicksal von Enron an den Tag, zum anderen ging es am Mittag um die Zukunft von Enrons Energie-Handels-Plattform. Die ersteigerte am Nachmittag das schweiz-amerikanische Bankhaus UBS Warburg zu einem nicht genannten Preis. Die UBS setzte sich in einer Versteigerung gegen die Citigroup durch. Die Citigroup-Aktie verlor im Freitagshandel 1,5 Prozent, fiel in einem allgemein schwachen Sektor aber nicht weiter auf.

Die wenigen Aktien, die im Handel Kursgewinne einfahren konnten, fielen hingegen auf. Aus dem Einzelhandel war das der Buch-Riese Borders. Das Weihnachtsgeschäft lief für den zweitgrößten US-Buchhändler dank "Harry Potter", "Herr der Ringe" und der Jack Welch-Bio "Jack" besser als erwartet. Borders hat seine Gewinnerwartungen für das vierte Quartal um etwa zehn Cent heraufgesetzt. Man rechnet mit einem Anteilsplus zwischen 1,31 Dollar und 1,34, der Konsens der Analysten hatte bislang auf 1,24 Dollar Gewinn pro Aktie gelautet. Borders legte 3,4 Prozent zu.

Auf Tech-Seite gehörte die Aktie von Rambus zu den wenigen Gewinnern. Um fast fünf Prozent gewann die Aktie, nachdem das Unternehmen, das unter anderem die Chips für Intel designed, ein Anteilsplus von sechs Cent pro Aktie gemeldet hat. Damit schlug man die Analystenerwartungen um zwei Cent. Auch Rambus-Kunde Intel schloss mit einem Plus von 0,8 Prozent auf der Gewinnerseite. Die Aktie hatte von einem Kommentar von Dan Niles, dem Tech-Analysten von Lehman Brothers, profitiert. Er hat seine Gewinnerwartungen an Intel erhöht und rechnet mit einem Anteilsplus von zwölf Cent, zwei Cent mehr als bisher. Niles empfiehlt Anlegern allerdings Gewinnmitnahmen vor der Quartalskonferenz am 15. Januar.

Für die übrigen Big Caps ging es am Freitag bergab. Microsoft verlor 0,8 Prozent, nachdem ein Bundesrichter in dem unendlichen Kartellrechtsverfahren einen geplanten außergerichtlichen Einigung eine Absage erteilt hatte. Um mehr als drei Prozent verliert das Papier von Cisco . Das Unternehmen wird in der aktuellen Ausgabe der Business Week für seine aggressive Buchhaltung kritisiert. Computerbauer Dell gibt trotz eines positiven Kommentars von Merrill Lynch 1,3 Prozent ab. Die Analysten beurteilen die PC-Verkäufe im Weihnachtsgeschäft optimistischer als bisher und setzen die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal nach oben.

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