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16.01.2002

23:01 Uhr

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Wall Street in der Ertragssaison: Enttäuschte Anleger verkaufen

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Der Auftakt war schlecht und danach ging?s abwärts. Am Nachmittag brachen die beiden großen US-Indizes schwer ein. Erste Quartalsmeldungen von Industrie- und Tech-Riesen legten nahe, dass die satten Kursgewinne an den US-Börsen in den letzten Monaten, zumindest zu einem großen Teil, nicht gerechtfertigt sind. Prompt zogen sich Anleger zurück. Der Dow Jones stürzte um 210 Punkte oder 2,1 Prozent auf 9712 Punkte, die Nasdaq verlor 56 Punkte oder 2,8 Prozent auf 1944 Zähler.

Die Aktie vom Industrie-Multi 3M ist mit einem Minus von 5,5 Prozent größter Verlierer im Dow Jones. Dem Unternehmen drohen eventuell weitere Asbestklagen, dieses Mal im Zusammenhang mit fehlerhaften Masken, die gegen den giftigen Staub nicht geschützt hätten. Asbest ist seit dem November-Sturz von Honeywell ein Angstwort an der Wall Street, und kaum taucht es wieder auf, stürzen auch weitere der Problematik nahen Unternehmen. Auch Honeywell verlor zur Glocke 5,5 Prozent, Du Pont verliert 5 Prozent und United Technologies gibt drei Prozent ab. Diese so genannten zyklischen Werte, zu denen auch International Paper, Caterpillar und Alcoa gehören, fahren schon seit Wochenbeginn auf der Verliererstraße.

Neben den Nachrichten um Asbest sorgen die ersten Industrie- und Techriesen mit ihren Quartalszahlen für Verkaufsdruck. Diese fielen meist schwächer aus als erwartet. Zum Beispiel bei JP Morgan Chase. Die zweitgrößte amerikanische Bank hat im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 332 Millionen Dollar oder 18 Cent pro Aktie eingefahren. Abzüglich einmaliger Kosten für Restrukturierung, weist die zweitgrößte US-Bank ein Anteilsplus von 12 Cent aus, das sind 23 Cent weniger als die Wall Street erwartet hatte. Das Unternehmen führt die Einbrüche auf die Krisen beim Energietrader Enron sowie in Argentinien zurück, die mit insgesamt 807 Millionen Dollar die Bilanz belasten. Die Aktie verliert 3,6 Prozent.

General Motors meldete einen Gewinneinbruch um 58 Prozent im vierten Quartal. Der weltgrößte Auto-Hersteller weist einen Gewinn von 255 Millionen Dollar oder 60 Cent pro Aktie aus. Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es 609 Millionen Dollar oder 1,15 Dollar pro Anteil. Wie schwer das GM-Ergebnis einzuschätzen war, zeigt die vorherige Schätzung der Analysten: Sie hatten mit einem Gewinn zwischen 40 Cent und 76 Cent auf eine breite Spanne getippt. Die GM-Aktie schloss mit einem Minus von einem halben Prozent.

Viel stärker belastete der Chip-Riese Intel den Markt. Das Unternehmen hat die Gewinnerwartungen der Wall Street zwar um vier Cent geschlagen, gibt aber einen wenig rosigen Ausblick. Im laufenden Jahr rechnet man mit Investitionen von nur noch 5,5 Milliarden Dollar betragen, gegenüber 7,3 Milliarden Dollar im letzten Jahr. Das Management sieht "keine Zeichen einer gesamt-wirtschaftlichen Erholung".

Das belastet nicht nur die eigene Aktie, sondern den gesamten Chip-Sektor samt Zulieferern. Applied Materials , der weltgrößte Hersteller von Maschinen zur Herstellung von Chips wird angesichts der schwachen Aussichten 1.700 Angestellte entlass Aktie verliert 8,8 Prozent. Die Aktie von Teradyne , dem größten Hersteller von Maschinen zum Testen von Chips, gibt 15 Prozent ab. Das Unternehmen wird einen Quartalsverlust zwischen 40 und 50 Cent pro Aktie ausweisen, "in line" mit den Erwartungen der Wall Street. Einen Turnaround sieht man in den nächsten Monaten auch hier nicht. Novellus und KLA-Tencor gaben zwischen acht und neun Prozent ab.

Pessimistisch geben sich die Analysten von Goldman Sachs nach einer groß angelegten IT-Umfrage, die belegt, dass die Tech-Investitionen für 2002 auf einem sehr niedrigen Niveau liegen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet damit, dass eine Erholung der Investitionen und damit des Marktes nicht vor 2003 eintritt. Zu den best positionierten Titeln rechnet Goldman Sachs BEA Systems, Brocade, Cisco, Dell, EMC, IBM, Microsoft, Network Appliances, Siebel Systems, Sun Microsystems und Veritas.

Mehrheitlich im roten Bereich schlossen die Papiere der Airlines, doch Ausnahmen gibt es: Mit American Airlines und Continental Airlines haben zwei Branchenriesen am Morgen Zahlen vorgelegt. AMR, die Holding hinter American Airlines, verbuchte in den letzten drei Monaten ein Minus von 734 Millionen Dollar oder 4,75 Dollar pro Aktie. Continental Airlines weist einen Verlust von 220 Millionen Dollar oder 3,81 Dollar pro Aktie aus. Michael Linenberg, Airline-Analyst bei Merrill Lynch stützt den Sektor dennoch. "Die Verluste der Carrier sind lange nicht so hoch wie erwartet." Continental verbesserte sich im Handel um mehr als fünf Prozent, AMR legt 0,8 Prozent zu.

Größter Verlierer war erneut die Aktie von Kmart . Die Aktie der zweitgrößten US-Einzelhandelskette wird am Abend aufgrund langfristiger Schwäche und Gerüchten um einen bevorstehenden Bankrott aus dem S&P 500 gestrichen. Die Aktie, die seit Montag auf einem Vierzig-Jahres-Tief notiert, gibt weitere 42 Prozent ab. Ersetzt wird Kmart von das Forst-Unternehmen Plum Creek Timber , dessen Aktie sich um sechs Prozent verbessert.

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