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03.03.2003

18:54 Uhr

Wall Street Inside

Kolumne: Keine Rally nach globaler „Entspannung“

VonLars Halter (Wall Street Correspondents)

Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn war der Dow bereits auf ein Plus von 90 Punkten geklettert - das war ein schöner Wochenstart für einen Index, der in diesem Jahr schon fast 10 Prozent an Wert verloren hat. Drei Stunden später war von dem morgendlichen Sprint nichts mehr übrig, der Dow war ins Minus getippt und hatte sich nur mäßig erholt.

NEW YORK. Wieder einmal hatten einige Beobachter den Wochenstart zu euphorisch gefeiert und dabei nicht beachtet, dass man in einer absoluten Nachrichtenflaute vergeblich nach Gründen sucht, mit denen sich ein Plus an den US-Märkten hätte erklären lassen.

"Geopolitische Entspannung" tönt es hier und da. Doch ist diese nicht so klar zu sehen, und außerdem lässt sich ein Zusammenhang zum Markt kaum herstellen. Dass die Geheimdienste von USA und Pakistan den dritthöchsten Offizier der El Kaida festgenommen haben, wird niemand ernsthaft als ein Plus für den Dow auslegen.

Während der Internetdienst AOL schon über den Mann spottet - neben einem Photo des abgekämpften und ungepflegt aussehenden Mannes steht hämisch: Sie nannten ihn "Das Gehirn" -, werfen kritischere Stimmen Fragen auf: Was passiert mit dem Mann, der ja momentan nicht einmal an die US-Behörden ausgeliefert werden kann? Und wo ist denn der höchste Offizier der El Kaida, wo ist Osama bin Laden? Den wollte man nach dem 11. September binnen weniger Wochen fangen. In dem Gerede um einen Irak-Krieg ist der Top-Terrorist und ehemalige Staatsfeind Nummer eins vergessen worden.

Auch die Zerstörung von al-Samoud-Raketen, mit der Saddam Hussein im Irak begonnen haben soll, ist nicht mehr als ein Symbol. Nicht nur der Diktator, auch UN-Chefinspektor Hans Blix hatte gegenüber diesen Waffen keine Bedenken in Bezug auf die Irak-Resolution des Sicherheitsrates. Was Hussein nun abrüstet, war von vorne herein kein großes Ding.

Und selbst wenn sich die Spannungen im Dreieck USA - Irak - Uno nun ein wenig entspannen, kommt man doch einer Konfliktlösung nicht näher. Das türkische Parlament macht den Planern einen Strich durch die Rechnung, die US-Bodentruppen bereits auf Grund und Boden des Irak-Anrainers gesehen hatten. Völlig unerwartet hat die Türkei nun entschieden, den USA eine entsprechende Stationierung doch nicht zu erlauben.

Ihr immer wieder erstaunliches Selbstverständnis erlaubt den Amerikanern am Montag übrigens nicht, dies als eine freie Entscheidung der Türken zu akzeptieren. In den Medien heißt es: "Die Türkei hat es nicht geschafft, den USA..." die angefragten Zugeständnisse zu machen.

Ob nun auch die Türkei in die "Axis od Weasels", die Achse der Feiglinge und Drückeberger, aufgenommen wird, oder ob man sie gleich zu dem Nachbarn in die "Axis of Evil" stellt, ist noch nicht bekannt - von globaler Entspannung kann auf jeden Fall keine Rede sein.

Das weitere Hin und Her um den Irak, um Krieg und Terrorismus, hat Käufer am Montagmorgen auf jeden Fall bewogen, bereits erteilte Aufträge zurückzuziehen. Das Handelsvolumen ist nach wie vor gering, und der Markt dümpelt durch einen Tag ohne Aussicht auf eine wirkliche Erholung.

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